Noch ein Hinweis, der zunächst absurd erscheint: Wie Bestseller Verlage in den Ruin treiben (können)...
wer die Ausführungen von mir eingangs gelesen hat, dem kann ich noch ein Branchengeheimnis verraten:
Ich habe bei vielen Verlagen veröffentlicht und mit denen Verträge. Früher gab es 8 Prozent vom Netto-Ladenverkaufspreis (und davon kassierte mein Münchner Literaturagent auch noch 25 Prozent, mir blieben also 6 Prozent, die ich natürlich versteuern musste und auch meine Auslagen davon abziehen). Zu meinen früheren Verlagen gehören beispielsweise: Bertelsmann/RandomHouse, Heyne, Goldmann. Köhler & Amelang und Eichborn (um nur die bekannteren Verlage zu nennen).
Nicht wenige meiner Bücher landeten auf Bestsellerlisten und verkauften sich wirklich gut. Anders gesagt: Meine Bücher haben sich Millionenfach verkauft. Und genau das treibt - ich erklär es gleich - Verlage in den finanziellen Wahnsinn. Ihr erinnert euch daran, wie ich hier beschrieben habe, wie Verlage heute kalkulieren (müssen). Grob gesagt: 10 Prozent für den Autor, 20 Prozent für Druckkosten, Lektor, Layout etc und 50 bis 55 Prozent, die der Verkäufer einfordert (etwa der Großhandel und der Buchhändler oder Amazon etc...) - bleiben also dem Verlag für Werbung, eigenes Verlagspersonal, Prozesskosten und das ganze betriebswirtschaftliche Risiko und Steuern/Finanzamt maximal 15 Prozent. Heißt, vom Nettopreis eines Buches, das 20 Euro brutto im Laden kostet (also 18,60 netto), bleiben dem Verlag rund 2 Euro, von denen er natürlich Steuern zahlt, Mitarbeiter bezahlt, Werbung (!) machen muss und das Prozesskostenrisiko trägt.
Und jetzt aufgepasst: Wenn ein Buch in der (Sachbuch) Bestsellerliste landet, dann muss es so etwa 10.000 bis 20.000 Mal über die Theke eines Buchhändlers gegangen sein (Amazon zählt nicht und Direktverkäufe übers Internet oder über den Verlag auch nicht). Die Verlage sind in einer Zwickmühle: Sie zahlen 50 bis 55 Prozent des Netto-Buchpreises an den Buchhändler oder Internethändler wie Amazon, der damit den Großteil des Buchpreises einsackt. Der Buchhändler oder Amazon hat NULL Risiko, zahlt keine Prozesskosten etc - kassiert nur ab. Heißt im Klartext: Wer viele "umstrittene" Bücher druckt, die prozessträchtig sind, der hängt sich selbst finanziell auf und treibt sich selbst in die Insolvenz. DAS ist der Grund dafür, warum die großen Verlage keine umstrittenen Bücher mehr drucken - sie verdienen damit einfach nicht genug.
Würde ein Verleger ein "umstrittenes" und politisch nicht korrektes Buch DIREKT an den Endkunden verkaufen, dann sieht seine Kalkulation ganz anders aus: Dann hat er die 50 bis 55 Prozent, die er an den Amazon oder Buchhändler abdrücken muss, auch noch selbst. Oder er macht eine Mischkalkulation und vertreibt einen Teil direkt und einen Teil über den Buchhandel/Amazon.
Bestseller können Verlage also durchaus in den Ruin treiben. das ist zu vergleichen mit Geflügelbetrieben, die von Discountern unter Druck gesetzt werden, die Eier fast zum Selbstkostenpreis abzugeben (oder noch darunter).
Und deshalb bin ich FROH und DANKBAR dafür, dass es noch Verlage wie Kopp gibt, wo man solche Bücher noch druckt/vertreibt und das gewaltige Risiko auf sich nimmt.
Behandelt das hier alles bitte vertraulich - es sind Insiderinformationen, die andere verschweigen. In den Massenmedien werdet ihr das so nicht finden...
Noch nen schönen Sonntag an alle!
Gruss Udo