Der systematisch, ursächliche Druck

Ashitaka, Donnerstag, 28.05.2015, 20:11 (vor 3885 Tagen) @ Silberengel2062 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 28.05.2015, 20:33

Hallo Silberengel,

Folgendes Zitat habe ich nicht verstanden:

Debitisten fragen nun: Warum aber bekommen diese Banknoten und Münzen
erst durch und über die Laufzeit geldpolitischer Geschäfte ihren Wert,
der sie bei der Zentralbank erst passivierungsfähig macht?

Die Antwort lautet: Weil etwas nur einen Wert hat, wenn es eine Person
haben muss (also nicht hat) bzw. schuldet. Erst dadurch, dass jemand mit
dem Kreditinstitut ein Schuldverhältnis eingeht, sich der Kreditnehmer
dazu verpflichtet, eine bestimmte Geldsumme zurückzuzahlen, kann diese
Geldsumme im Rahmen geldpolitischer Geschäfte überhaupt entstehen,
passiviert werden.


Also dass der Druck, sein Eigentum durch Pfändung zu verlieren, den
Kreditnehmer dazu zwingt, zu wirtschaften, kann ich nachvollziehen. Und
auch die Steuerschuld muss zum Termin beglichen werden, damit das Finanzamt
nicht das (Geschäfts-)Konto pfänden oder sperren lässt.

Die Schuld ex nihilo, die Abgabenforderung der Zentralmacht, sie ist die erste systamtische Voraussetzung für die Entstehung von Eigentumsrechten und die Entfaltung der Wirtschaftsräume. Eigentum kann ohne das finanzierte Zentralmachtsystem (seine Gewalten) nicht entstehen, da keine Rechtsordnung mangels Rechtsinstitut entstehen kann. Eigentum ist eben keine bloße Sachherrschaft, sondern die umfassende Sachherrschaft, die eine Rechtsordnung zulässt (d.h. dem Subjekt einräumt und verteidigen kann).

Ohne Abgaben-/Steuerschuld wäre mangels vorhandener Besicherung der Verschuldung der Zentralmacht nichts davon finanzierbar. Es geht eben immer ursächlich darum, dass die Zentralmacht einen wie auch immer von den Untertanen verlangten Kapitaldienst leisten kann (Redistribution, Staatsausgaben). Sie kann nicht nur versprechen. Die Abgaben bringen den systematischen Zeit- bzw. Termindruck ursächlich ins Spiel.

Nun wirtschaften aber auch Unternehmen, die keinen Kredit haben. Sie
wirtschaften nur aus dem Motiv der Gewinnmaximierung heraus bzw. damit sie
im Konkurrenzkampf nicht ihr Eigenkapital verlieren.

Ja, aber das sind Einzelfallbetrachtungen. Die Zentralmacht duldet dies nur solange, wie sie sich 1. ausreichend verschulden kann (über Anleihenmärkte, Kassenkredite etc.) und 2. das Steueraufkommen aller Untertanen ausreicht, um die Verschuldung zu besichern (d.h. Staatsausgaben bzw. Zinszahlungen leisten zu können). Gerät die Finanzierung der Staatsmacht in Gefahr, schlachtet sie alles und jeden. Derzeit versucht man die Schlachtbank dadurch beiseite zu kehren, dass man alle erdenklichen Prolongationen, gepimpt über Fonds und Zentralbankpolitik, anbietet. Doch da diese Instrumente die Gefahren nur weiter aufschieben, wird es am Ende jeden Insassen, so fett seine Jahre auch waren, zerreißen. Die Spitzenabgabenlast und aktuell niedrige Unternehmensbesteuerung, wie wir sie derzeit genießen (für KMU typisch bei Einzelunternehmen/Personengesellschaften die Gewerbesteueranrechnung oder das Schachtelprivileg für 95% meiner Zielgruppe), die wird sich später jeder wieder zurück wünschen. Der Sozialstaat wird eh abgeschafft, brutal über kleinste Konfilkte auf kommunalen Ebenen. Die Verschiebung der Finanzen für Soziales auf die kleinsten Haushalte ist eine ganz feine Sache für Berlin, sichert das Machtgefüge enorm.

Würde letzterer Druck nicht schon allein ausreichen, dem Geld Wert zu
verschaffen, selbst ohne Abgaben-/ und Tilgungszwang?

Nein, weil der Druck/Zwang nur systematisch durch Zentralmachten entstehen kann. Weil die Wirtschafts-, Kredit- bzw. Haftungsräume allesamt auf diesen Zwängen installiert sind und nur durch einen Abgaben/Steuern erhebenden Staat entstehen. Der Druck entsteht systematisch und derzeit noch sehr erträglich. Die Eigentumsrechte der Privaten, die kreditbasierte Wirtschaft, es sind zeitliche Stretching-Maßnahmen der Machtkreisläufe. Dadurch, dass Geld heute ausschließlich kraft Schuldverhältnis (Schuldgeld) über geldpolitische Operationen der Zentralmacht (über deren autorisierte Zentralbanken) geschaffen wird und sich jeder Untertan darin geübt sieht, alles für eine Schuldbefreiung zu geben, funktioniert es länger als alle vorherigen Abgaben-/Zentralmachtsysteme. Sowas hat es noch nie gegeben. Doch es ändert nichts an der Tatsache, dass die Verschuldungen (Kredite, Staatsschulden)nur durch Aufschuldungen getilgt werden können. Alle haben das Vorher-Nachher-Problem und kommen nur gegen weitere Verschuldung an Guthaben / Geld.

Das System hat keinen Error, denn das System ist endlich, die Druckerhöhung nicht unendlich.

Danke für deine Texte und wichtigen Fragen.

Herzlichst,

Ashitaka

--
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