Es gibt sicher einige Systeme, die funktionieren könnten

Morpheus ⌂, Dienstag, 26.05.2015, 18:09 (vor 3886 Tagen) @ Silberengel4129 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 26.05.2015, 18:17

Hallo Siblerengel,

(leider habe ich mein erstes Posting aus Versehen zu früh freigegeben, also zweiter Versuch:)

Ich gebe zunächst zu, dass ich den OSBEEE-Beitrag nicht gelesen habe und nicht lesen werde. Solch ein Unsinn kommt immer wieder auf und du beschreibst das mMn schon richtig.

Jedes System, das ohne den aktuell herrschenden Zwang auskommen will, kann nicht (mehr!) funktionieren. Das Geldsystem ist nicht einmal im Ansatz die Quelle der Probleme. Im Gegenteil unser Schuldgeld-System ist so gar sehr sinnvoll.

Aber selbst wenn ein wie auch immer geartetes System funktionieren würde, könnten wir es niemals einführen. Denn die Umstellung des heutigen Systems auf das neue funktionierende System stellt eine unlösbare Aufgabe dar.


Ich kenne ein System, das nach debitistischen Ansprüchen funktionieren könnte. Es würde Sicherheit und Eigentum garantieren, Krontrakte, Kredite und Zinsen zulassen. Aber es würde nicht den Zwang ausüben, den wir heute haben. Den staatlichen Zwang, den wir heute kaum noch als solchen wahrnehmen, weil er ja durch Gesetze ausgeübt sind, die als legitim im Rahmen der Verfassung bezeichnet werden. Das ist aber natürlich nur eine selbst-referentielle Rechtfertigung des Zwangssystems, in dem es selbst damit den von ihm ausgeübten Zwang als anständigen und guten Zwang definiert. Es bleibt dabei natürlich Zwang und dieser Zwang wird auch nicht zum Hauptnutzen der Menschen ausgeführt, sondern überwiegend zum Nutzen des staatlichen Zwangssystems.
Niemals in der Geschichte der Menschheit gab es so viele Gesetze mit einer so hohen Komplexität, wie in den heutigen "Demokratien". Keine Diktatur könnte sich derart viel Zwang erlauben. Es würde damit nur unnötiger Widerstand erzeugt werden. (Deshalb konnte auch keine Diktatur den USA wirklich etwas entgegen setzen. Ist aber ein anderes Thema.)


Wir nehmen den auf uns ausgeübten Zwang in seinem gesamten Umfang gar nicht mehr wahr, weil er schier unbegreiflich ist. Wir haben nämlich absichtlich oder indirekt in vielen Bereichen die von Zwängen betroffenen Tätigkeiten an Spezialisten ausgelagert (Z.B. Steuerberater oder Steuerberatungssoftware, aber auch Versicherungsvertreter und Krankenkassenmitarbeiter sowie das Lohnbüro des Arbeitgebers, Architekten, Wasserversorger, Handwerker, Ärzte). Sie alle bearbeiten unsere Angelegenheiten unter Beachtung der komplizierten Gesetze.

Selbst diesen Spezialisten fällt es aber immer schwerer, mit der Flut der Zwänge und deren laufenden Anpassungen klar zu kommen. Nichtsdestotrotz begrüßen die Spezialisten solche Änderungen fast immer. Rechtfertigen sie doch ihre Existenz und sichern sie ihnen ihr Einkommen, schützen sie mit dem Spezialwissen auch vor unliebsamer Konkurrenz. Deshalb gibt es da auch schnell gute Übereinkünfte zwischen Staatsapparat und den erzwungenen Spezialisten.

Es ist also offensichtlich: Die Existenz unzähliger Spezialisten hängt vollständig und die anderer Spezialisten teilweise an der Existenz des staatlichen Zwangssystems.

Würde dieses Zwangssystem nun abgebaut oder eingeschränkt, entfallen ganze Arbeitsgebiete und damit die Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen und Steuern zu zahlen sowie Schulden zu tilgen. Wenn diese drei Dinge gemeinsam in einem mittleren Umfang auftreten, ist ein Kollaps des heutigen Systems nicht mehr abwendbar. Dann wird neben den Tätigkeiten nämlich auch ganz rasch die gesamte Infrastruktur des staatlichen Zwangssystems (unzählige Fabriken/Büros/Theater etc. aber auch die Städte insgesamt) ungeeignet, um die dann wieder notwendige Basis-Versorgung der (viel zu vielen) Menschen zu sichern / zu fördern.

Deshalb muss der Zwang in unserem System ständig moderat weiter steigen. Dazu gibt es als Alternative nur Gewalt, Anarchie und Hungersnot. Nur durch die weitere Zunahme des Zwangs kann das System weiter erhalten werden. Bei keinem System, das ohne Zwang auskommt bzw. auskommen würde, gäbe es nämlich so viele Menschen, die noch dazu so eng aufeinander (in Städten leben) würden.

Man muss leider erkennen:
Es gibt viel zu viele Menschen, die so nur noch von unserem Zwangssystem am Leben gehalten werden (können). Wird der Zwang aufgehoben, kommt es zum Kollaps. Leider bleibt jedes noch so schön theoretisch funktionierende System damit eine Illusion, weil jedes funktionierende System nur mit vielleicht 500 Millionen Menschen auf dem gesamten Planeten "umgehen" könnte. Mehr Menschen wären in diesen alternativen Systemen niemals in die Welt gesetzt worden und sind deshalb auch nicht ohne den "gesamten heutigen Wahnsinn" zu ernähren. Es müsste bei jeder System-Umstellung also zu einer erheblichen Reduzierung der Menschen auf dem Planeten kommen.

Aus diesem Grund und dem ganz simplen Selbsterhaltungstrieb bin ich inzwischen voll auf dem Trip, das jetzige System möglichst lange laufen zu lassen. Nur wenn der Zwang permanent maßvoll erhöht wird, kann alles weiter laufen. Parallel dazu bin ich aus dem System ausgestiegen und versuche mir langsam, eine Ernährungsgrundlage außerhalb des bestehenden Systems zu generieren. Das ist eine mühselige und Zeit- / Kosten-aufwendige Sache.

Jede Suche nach einem funktionierenden Alternativ-System, das ohne die Nachteile des bisherigen Zwangssystems auskommen will, kann für die große Mehrheit der Menschen nicht (mehr) funktionieren, weil sie darin schlicht weg überflüssig wären. Keiner der vielen schlauen Leute versteht das. Ich habe dafür auch Jahre gebraucht, um mir diese doch sehr unangenehme Tatsache zu erkennen und dann auch noch als unabwendbar zu akzeptieren.

Aber vielleicht kommt ja jetzt jemand mit einem ganz tollem System heraus, das tatsächlich ohne die heutigen Nachteile funktionieren kann und bei dem auch die Umstellung des Ist-Zustandes auf das neue System möglich ist.

Mich würde die Existenz eines derartigen Alternativ-Modells mit Umstellungsmöglichkeit sehr freuen!

Grüße
Morpheus

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