Ein paar Anmerkungen zum Film
Hallo Herr Pohlmann,
vielen Dank für das Angebot, Ihnen Fragen zu stellen. Ich habe auch das Interview mit Ken Jebsen und Ihnen zum Thema BND-Skandal gesehen bzw. gehört.
Mir sind gleich am Anfang Ihres Films "Täuschung - die Methode Reagan" drei Aussagen aufgefallen, die mich ein bisschen gestört haben. Dabei muss ich zugeben, dass ich den Film nur bis Minute 9 gesehen habe, weil ich unbedingt noch heute die Fragen stellen wollte:
Zitate aus dem Film:
"Reagan war extrem intelligent"
Es gab sicher auch in den entsprechenden Behörden (Verteidigungsministerium, CIA, sonstige Nachrichtendienste etc.) jede Menge intelligente Leute, aber spielte es eine Rolle ob Reagan sehr intelligent war oder nicht?
Vor allem ein US-Präsident muss doch hauptsächlich repräsentieren und einigermaßen fähig sein, ohne Tele-Prompter einige Sätze frei zu sprechen.
Beim Thema russische Intelligenz fallen mir so auf Anhieb folgende Namen ein:
- Bronstein und Semendjajew (Nachschlagewerk für Höhere Mathematik)
- Boris Pasternak (russischer Schriftsteller, "Doktor Schiwago")
- Pawel Ossipowitsch Suchoi (SU-25 - s. MH17-Absturz)
- Der Armenier Artjom Iwanowitsch Mikojan und der Ukrainers Michail Iossifowitsch Gurewitsch (MIG-Jäger)
- Andrej Nikolajewitsch Tupolew (Tupolew-Flugzeuge)
- Schach-Weltmeister Anatoli Karpow
- Michail Timofejewitsch Kalaschnikow (Entwickler des gleichnamigen Gewehrs)
- Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (Komponist)
- Modest Petrowitsch Mussorgski (Komponist)
- Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (Pianist und Komponist)
- Vladimir Horowitz (Pianist)
etc.
Und in den Nachrichtendiensten des KGB gab es sicher auch jede Menge solche Leute, die zudem aufgrund der Weltkriegserfahrungen der Sowjetunion vermutlich damals auch in den 80ern keine große Motivationsunterstützung brauchten, vor allem wenn die Bezahlung und andere Annehmlichkeiten (Westware?) gut waren.
"Die Sowjetunion muss mitrüsten und das bedeutet ihren langsamen Ruin"
- Unterstützung von Aufständischen in Afghanistan -> sowjetisches Vietnam
Warum die Sowjetunion zehn Jahre lang ihre Soldaten in Afghanistan opferte, ist mir auch nicht ganz klar, also ob es z.B. die Schuld von wenig weitsichtigen Betonköpfen mitsamt zugehörigem Kadavergehorsam gegenüber höherrangigen Militärangehörigen war.
Es gab sicher einige Leute, denen klar war, was die USA (z.B. durch den Verkauf der Stinger-Abwehrraketen) vorhatten, aber warum konnten die sich nicht durchsetzen?
"Die Sowjets waren nicht blöd... Sie haben es verstanden, aber sie konnten nichts dagegen tun. In der sowjetischen Planwirtschaft gibt es kein Silicon Valley mit neuen Unternehmen, die wie Pilze aus dem Boden schießen."
Hier im Forum(?) hatte vor kurzem jemand erklärt, wie die DDR es fertigbrachte, trotz "unterlegener" Technik den militärischen Funkverkehr der NATO, der mit Hilfe von Frequenzhopping verschlüsselt wurde, durch das gleichzeitige Laufenlassen von tausenden Bandgeräten in einer großen Halle komplett(?), oder zumindestens in wichtigen Teilen, aufzuzeichnen und auszuwerten.
Und Dank Bruderhilfe landeten die meisten dieser Erkenntnisse auch in den anderen Nachrichtendienstzentralen des Warschauer Paktes.
Das amerikanische Spionageflugzeug bzw. der Höhenaufklärer U2 wurde mehrfach durch russische Boden-Luft-Raketen abgeschossen.
Ich denke, dass Russland vieles an technischer Überlegenheit auf Seiten der USA durch Intelligenz und menschlichen Einsatz ausgleichen konnte und kann.
Vor kurzem habe ich mitbekommen wie es Jugoslawien es schaffte, einen sogenannten Stealth-Jäger, F 117, mit "veralteter" Technik abzuschießen: Vor allem verriet ein französischer Doppelagent ein Angriffsziel eines solchen Jägers, außerdem war der Stealth-Jäger nicht wirklich komplett unsichtbar für Radaranlagen. Die Jugoslawen schalteten ihre passend stationierten mobilen Aufklärungsradare immer nur kurz an und boten so kein wirkliches Ziel für die NATO-Bomber.
Heute konzentriert sich Russland u.a. auf effektive, günstige und intelligente Anti-Schiffs-Waffen bzw. -Raketen und kann so einer Multimilliarden-Flotte Paroli bieten. Und der menschliche Faktor wird trotz vieler US-Dollars auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wie das Beispiel Jugoslawien gezeigt hat.