Habe ich auch nicht so verstanden ;)

stocksorcerer, Mittwoch, 22.04.2015, 14:08 (vor 3920 Tagen) @ Rybezahl1857 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.04.2015, 14:15

Vielmehr glaube ich, dass man heute das richtige Recherchieren kaum noch lernt, nach dem Motto: wo steht was, wird doch von den faulen Lumpen wirklich bloß noch gegoogelt. Und in den Journalistenschulen lernt man vermutlich erst mal den goldenen Grundsatz: "Das Wort hat der Herausgeber." Auch das wissenschaftliche Arbeiten geht den meisten einfach ab und man vergleicht Äpfel mit Birnen, um die Rezipienten vorsätzlich oder nachlässigerweise für dumm zu verkaufen. Pressemitteilungen werden abgeschrieben. Vorproduzierte Beiträge werden ins Rundfunk-Programm eingespielt.

In der Prä-Internet-Ära war das noch anspruchsvoller. Aber ich glaube wirklich, dass die Journalisten nur noch Erfüllungsgehilfen sind und sich im Geheimen jeder für sich auch längst damit abgefunden haben, Systemhure zu sein und von Lobbys bezahlt zu werden.

Natürlich war das auch damals schon so. Große Konzerne haben sich Journalisten "erzogen", indem sie gezielt mit Mitarbeitern von Zeitungen und Rundfunk zusammengearbeitet haben. Die auserkorenen Leute wurden für das jeweilige Medium exklusiv und direkt bedient. Sogar Lokaljournalisten kennen die "Schnittchen-Termine" bei Stadtwerken und anderen lokalen Größen. Da wird man eingeladen, sitzt gemütlich beieinander, darf Fragen stellen, kriegt am Ende eine nette Presseerklärung in die Hand, die von einem ehemaligen Journalisten geschrieben wurde und quasi 1:1 übernommen werden kann.

Witzig, ich weiß nicht mehr sicher, bei welcher von beiden das war in den 90ern. Entweder beim Kölner Stadt-Anzeiger oder der Kölnischen Rundschau: Wenn über einem Beitrag das "Namenskürzel" (EB) stand, dann war das nicht die Abkürzung für den Journalisten, der das geschrieben hatte, sondern stand "intern" für EIGENER BERICHT. Eigener Bericht von wem, darf jetzt jeder mal gerne raten. ^^

Aber gerade heute, wo die Zeit schnellebiger ist und die Dinge komprimierter und mit deutlich mehr Gewicht behaftet sind, wo die Entscheidungen viel größere Wirkung auf unser Gemeinwesen entwickeln als jemals zuvor, da ist es doppelt wichtig, sauber zu berichten und auch die richtigen Themen zu bringen!

Beim Thema TTIP, bei der Flüchtlingsflut aus den zerbombten und destabilisierten Ländern und beim Thema Ukraine geht mir, wenn ich mir jeweils die Aufarbeitungen ansehe, fast immer automatisch der Hut hoch.

Ich hoffe, dass die sogenannten Journalisten irgendwann einmal böse dafür bezahlen müssen, dass sie ihren Beruf verraten und als Wächter der Demokratie so was von versagen, dass man neue Ethikbücher schreiben müsste. Von wegen vierte Säule der Gewalt. Mumpitz. Eher umgekehrt wird ein Schuh draus.

Es gab Zeiten, da wurden Journalisten entlassen oder anderweitig schwer bestraft, wenn sie statt sauber gelieferter Fakten in Nachrichten und Berichten mit "dichterischer Freiheit" kamen. Heute scheint das so weit weg. Es ist das alles so verlogen, dass ich laufend kotzen möchte.

Ich hoffe ehrlich - im Sinne von Carl Theodor Körner - dass all die Politiker und Journalisten, die TTIP-Befürworter, die Kriegstreiber, die kategorischen Bündnistreuen, die Lügner und Falschspieler, die sich "am Volk" schuldig machen oder bereits gemacht haben, dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Gruß
stocksorcerer


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