Glück ist für mich relativ und Yin/Yang

Quantenfeldtheorie, Mittwoch, 22.04.2015, 13:25 (vor 3919 Tagen) @ Positiv3337 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 22.04.2015, 13:31

Hallo Positiv,

ein sehr interessanter, vielversprechender Faden, deswegen hier meine Gedanken.

Als ich vor ca. 6 Jahren einige Schicksalsschläge im engsten Familien und Freundeskreises in kurzer Zeit erlitten habe, wurde mein Wertesystem vollkommen neu ausgerichtet, und damit natürlich in Verbindung stehend, meine Sicht der Dinge auf "glücklich" sein.
Teils, weil ich anfing, darüber nachzudenken, teils, weil bestimmte Ereignisse dem Menschen kaum mehr Raum dazu geben, sich den Auswirkungen zu entziehen. So ist z.B. der Tod ein sehr starker Referenzpunkt im Leben eines Menschen. Für viele erst dann, wenn sie damit mehr oder minder direkt konfrontiert werden. Der Gedanke über unsere Endlichkeit bereitet den wenigsten Menschen Freude und wird aus diesem Grunde gerne unterdrückt. Für mich eine Art Zivilisationskrankheit.

Als mich der ultimative Referenzpunkt besuchte, war mein Leben das, was ich als "glücklich" bezeichnen würde. Freunde, zumindest Menschen, von denen ich dachte, sie wären es. Ein Job der mir Spaß machte, zumindest dachte ich zu dieser Zeit, dass er das wirklich tut. Ein Leben in einer Beziehung, von der ich dachte, dass sie gut wäre.

Dann kam der Schnitter und belehrte mich eines Besseren. Die Freunde waren keine, der Job nur eine leere Hülle und die damalige Beziehung nicht so tief, dass die emotionalen Belastungen, die ich durch die Todesfälle mitbrachte, schulterbar waren.
Warum das so war, wurde mir recht schnell klar: Ich bin dem Irrtum aufgesessen, dass ich dachte, dass Glücklich sei etwas Absolutes. Den Kontext, in dem ich Glück empfand, habe ich damals ausgeblendet, was für mich das Hauptproblem darstellt.

Zum Einen habe ich für mich verstanden, dass es Glücklich nur im Kontext von Unglücklich geben kann. Alleine schon unsere Sprache, ja unser ganzes Denken ist dadurch gekennzeichnet, dass es Exklusionen gibt.
"Glücklich" impliziert auch automatisch die Abwesenheit von "Glücklich" und umgekehrt. Hier kommt Spencer Brown ins Spiel, dessen Buch "Laws of Form" ich wohl so oft wie kein anderes Buch in meiner Bibliothek gelesen habe und immer neue Aspekte finde, die mir Einsichten erschaffen.
Zudem ist mir bewusst geworden, das was für mich "Glücklich sein" bedeutet, für den anderen das größte Unglück der Welt sein kann. Auch dieser Umstand ist sehr oft Ausgang von vielen Streitereien, da Menschen, mich eingeschlossen, leider sehr schnell dabei sind, andere darüber zu belehren, dass das eigene Glücklich sein das einzig Wahre ist, während das Gegenüber mit seinem Weg des Glücks auf dem Holzweg wäre.

Ich fasse also kurz zusammen:

- Ich bin mir sicher zu wissen, dass Glück FÜR MICH nur im Kontext der Zeit bestand hat. Andere Zeiten, andere Formen des Glückes. Das bringt mir innere Ruhe.
- Glücklich sein ist nichts Statisches. Es ist beeinflusst von dem umgebenden Medium, in dem sich der Bereich des "Glücklich sein" befindet. Ändern sich die Grenzen des Nicht-Glücks, dann implizit auch die Grenzen von dem was ich als Glücklich sein empfinde.
- Auch wenn ich so manches Gut habe, weiß ich, dass MICH aktuell nur Zwischenmenschliches wirklich mit einem tiefen und andauernden Gefühl des Glückes erfüllt. Hab und Gut sind nett, aber im Grenzfall macht es mich nicht glücklich.

Das aktuell größte Glück für mich ist, die innere Gelassenheit mit meiner Frau teilen zu können. Das wird sich irgendwann ändern... denn wir leben alle nicht ewig.

In diesem Sinne sieht Glück für mich so aus:

[image]

Gruß an alle, besonders an Phoenix5, dessen Buch ich allen sehr ans Herz legen kann.

QFT

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XSS for the masses...


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