Sarah hat recht, aber begründet verkürzt

politicaleconomy, Donnerstag, 16.04.2015, 20:56 (vor 3924 Tagen) @ Rybezahl2418 Views

Ihre Behauptung, der Sozialstaat hätte niemals Schulden gemacht, ist
leider schlicht falsch.

Sie ist nicht falsch, aber nur teilweise korrekt begründet.

1x1 des debitismus: Schulden = Guthaben. Ergo global: Staatsschulden = private Guthaben, national: Staatsschulden = private Guthaben plus Guthaben des Auslands (für Schuldnerländer) bzw. Staatsschulden = private Guthaben minus Forderungen gegenüber dem Ausland (für Gläubigerländer).

Ergo: je mehr die Privaten sparen (sollen ja alle), also Geldvermögen bilden, desto höher die Staatsschulden.

In den 60er Jahren hatten die privaten Haushalte positive Geldvermögen (Forderungen), die dem entsprechenden Schulden hatte der Unternehmenssektor. Staat und Ausland waren netto weder Schuldner noch Gläubiger.

Heute sind die privaten Haushalte Nettosparer - UND der Unternehmenssektor. Die dem gegenüberstehenden Schulden haben der Staat plus das Ausland.

Die Staatsschulden sind in dem Maß gestiegen, in dem der Unternehmenssektor von Netto-Schuldner zum Netto-Gläubiger geworden ist. Eine Situation, in der der Unternehmenssektor Netto-Sparer (=Netto-KreditGEBER statt Netto-KreditNEHMER) ist, ist Ausdruck einer deflationären Konstellation (Zinsrate über der Wachstumsrate).

War genauso in der great depression der 30er:
http://www.saldenmechanik.info/files/saldenmechanik/Franz_Joachim_CLAUSS_-_Abnorme_Sald...

Diese Konstellation eignet sich, um arbeitsplatzschaffende Realinvestitionen zu dämpfen (stattdessen investieren die Realunternehmer ihre finanziellen Überschüsse auf den Kapitalmärkten - sie zocken). Das wiederum eignet sich zur Bekämpfung von Vollbeschäftigung, die mit größerer Macht der Lohnabhängigen (Gewerkschaften) einhergeht. Schafft man eine Reservearmee von Arbeitslosen, kann man mehr Druck auf die Lohnabhängigen ausüben.

Sarah hat völlig recht: die Staatsschulden haben mit dem Sozialstaat nix zu tun.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.