17 taktische Regeln für Desinformanten in Foren / Trollforschung (Teil 1)

Bernadette_Lauert, Freitag, 10.04.2015, 16:16 (vor 3931 Tagen) @ nereus6425 Views

Weiß jemand Rat?

Vielleicht. Danke jedenfalls für diesen wichtigen Beitrag, nereus.
So viel vorweg:

Wenn es um Wahrheitsfindung geht, ist es im Grunde egal, ob ein Argument von einem bezahlten Tastaturkrieger (Forentroll, Faker/Hater, Sockenpuppe, Social Media Manager) kommt oder von jemandem, der aus privater Überzeugung heraus unterwegs ist. Grundsätzlich gesprochen. Von daher darf das Thema ruhig gelassen angegangen werden. (Siehe dazu auch den Abschlusshinweis).

Dann geht es vor allem darum, ob aussagenlogische Brüche vorliegen oder Trollierungstechniken in Online-Debatten detektiert werden konnten. Zumindest theoretisch könnte man das so sehen.

Gute Argumente stehen für sich, es gibt Regeln der Aussagenlogik und wenn die NATO, eine Stiftung, die zionistische oder sonst ein Lobbyverband oder sonst irgendwer bezahlt aktiv wird, könnte aus dieser Ecke ja trotzdem auch das eine oder andere gute Argument kommen. Das muss man dann auch anerkennen.
Dass es solche Leute gibt, die vor allem in Foren und Kommentarspalten mit entsprechender Reichweite agieren, ist vollkommen unstrittig. Wir wissen das von Aussteigern, die darüber berichten und Praktiken offen legen. Aus offiziellen Bekanntmachungen, ja sogar Snowden hat es uns gesagt, wie Du richtig ausgeführt hat.

Bezahlt werden sie von Think Tanks, verschwurbelten Stiftungen, ja sogar aus Geheimdienstkreisen. Hier werden Partikularinteressen des Auftraggebers im Hintergrund vertreten. Sei es die Pharma-Industrie, die Medienmafia, die Finanzmafia, die zionistische Lobby undundund...

Das Problem ist: Gut zu argumentieren ist in diesen bezahlten Kreisen nur eine Methode von mehreren. Mitunter fehlen Argumente und dann geht es um Verwirrung, Ablenkung, Streit und Divide et impera zur Verhinderung friedlicher Debatten, die in eine, dem Auftraggeber nicht genehme Richtung führen.

Wo Geld und Ungerechtigkeit zusammentreffen, findet sich eben auch ein Weg, wie Meinungen manipuliert, Diskussionen gestört, Aufrichtige desillusioniert werden.

„Sie unterwandern, beleidigen, zersetzen und diffamieren: bezahlte Forentrolle, die im Auftrag von Regierungen, Pharma- und Energielobbys in Foren, Blogs und in Kommentaren unter den Artikeln ihr Unwesen treiben. Das Ziel: Den Wahrheitsfluss über „unliebsame” Themen zu stören oder zu unterbinden.“ (Quelle: http://www.neopresse.com/gesellschaft/bezahlte-forentrolle-die-tastaturkrieger-der-regi...

Wer schon einmal wie ich stundenlang und quasi aus Gründen der Trollforschung mit einem wahrscheinlich bezahlten Israel-Troll darüber diskutiert hat, ob jede Kritik an der Politik Israels mit Antisemitismus gleichzusetzen ist, oder nicht, der lernt irgendwann zu schätzen, wenn sich der Diskussionspartner nicht hinter Phrasen, Wörtern, Scheindebatten, Ideologien versteckt.


WICHITIG:
Selbstverständlich gibt es auch Trolle und Hater, die sozusagen „organisch gewachsen“ zu einem Teil der Netzkultur wurden.
Trollen macht vielen Spaß. Und wenn ich irgendwo unsaubere Argumentationen sehe, die - bewusst oder unbewusst angewendet - als Trollierungstechnik gelten, dann steige ich gerne mit ein, in den Trollercoaster und fahre gerne ein paar Runden mit.

Im Gelben ist das aber eher unerwünscht, so dass ich es mir künftig stärker verkneifen werde.

Hier ein recht netter Beitrag über unbezahlte, "natürliche Trolle und Hater": https://www.youtube.com/watch?v=xTh9ozKFiM0

Was also tun, in Anbetracht dieses globalen Problems, wie Du richtig schreibst?

Ergebnisse aus der Trollforschung ermöglichen es, als Teil der Medienkompetenz die Forenkompetenz zu erweitern. Gerne stelle ich hier in mehreren Teilen Ergebnisse aus der Forentrollforschung zusammen.

Ich beginne mit einem Artikel über:

17 taktische Regeln für Desinformanten in Foren

Hier als Orientierungshilfe die Zwischenüberschriften aus folgendem Artikel zur weiteren Lektüre:
http://www.freie-ansichten.com/vorsicht-bezahlte-internet-freunde-manipulieren-die-mein...

1. Reagiere empört
2. Denunziere den Gegner als Verbreiter von Gerüchten
3. Attackiere ein Strohmann-Argument
4. Assoziiere den Gegner mit inakzeptablen Gruppen
5. Stelle die Motive des Gegners in Frage
6. Stelle dich dumm
7. Erkläre, die Position des Gegners sei ein alter Hut
8. Erkläre, das Thema sei zu komplex
9. Erkläre, nur Staatsmedien verbreiten die Wahrheit
10. Setze gesellschaftliche Position mit Glaubwürdigkeit gleich
11. Verlange, dass dein Gegner den Fall komplett auflöst
12. Provoziere deinen Gegner bis er emotionale Reaktionen zeigt
13. Erkläre pauschal große Verschwörungen als unmöglich durchführbar
14. Wenn der Gegner sich nicht durch die genannten Taktiken kleinkriegen lässt, fahre einfach solange fort bis der Gegner ermüdet und sich aus Frustration zurückzieht.
15. Suche nach flüchtigen Rechtschreib- oder Grammatikfehlern oder verbalen Ausdrucksfehlern
16. Tauche in Gegenreden mit einem 2. oder 3. Mann auf in (Vortäuschen von Minderheitsmeinungen)
17. Sollte es gar nicht anders gehen oder du entlarvt/enttarnt wirst, so komme dem Gegner aufs Minimalste entgegen und fordere ihn im großzügigen Gegenzug dazu auf, schier Unmögliches aufzuklären!

Fazit / Die Krux an der ganzen Sache:
1. Nachgewiesen werden kann in der Regel lediglich die Verwendung von Trollierungstechniken (beispielsweise Eristrische Dialektik), nicht aber die Existenz eines bezahlten Trolls. Denn...
2. Wie oben geschrieben gibt es auch "organisch gewachsene Naturtrolle", die sich teilweise intuitiv schwarzer Dialektik und Trollierungstechniken bedienen.
3. Es ist wichtig zu verstehen, dass durch spezielle Techniken getrollt werden kann, ohne dass wüste Beschimpfungen, ungezügelter Spott oder Schmähkritik formuliert werden. Die 17 taktischen Regeln für Desinformanten in Foren machen das deutlich.

Der zweite Teil mit Ergebnissen aus der Forentrollforschung, den ich bei Gelegenheit verfassen werde, wird sich wohl um eine Kurzvorstellung von Schopenhauers Eristrische Dialektik drehen. Seine 38 Kunstgriffe um immer Recht zu behalten sind uralt und können (leider) gekonnt eingesetzt jede Debatte zerstören.

WICHTIGER HINWEIS ZUM ABSCHLUSS:
So wichtig es ist, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, so sehr rufe ich doch zur Besonnenheit auf, wenn Trollierungstechniken detektiert werden konnten. JEDER hat sich schon einmal schwarzer Rhetorik oder unsauberer Argumentation bedient. Eine HEXENJAGD bringt daher jedenfalls nichts, denn wir würden fast alle irgendwann und sowieso auf dem Scheiterhaufen landen.
ABER: Werden Trollierungstechniken, Kunstgriffe der Eristrischen Dialektik und taktische Regeln für Desinformanten breiter bekannt, fallen immer weniger Foren-Akteure darauf herein und die Profis müssen tendenziell wieder mit echten Argumenten arbeiten. Das mag sich kindlich naiv anhören, aber eine bessere Lösung habe ich auch nicht parat.
Oder hat jemand eine bessere Idee, wie mit dem von nereus angesprochenen Problem umgegangen werden kann?

Gruß, Bernadette

P.S. Um das ganze in die Praxisebene zu bringen würde ich gerne - sofern die Moderation einverstanden ist - auf jede Antwort, die ich auf diesen Beitrag erhalte, mit Hinweis auf entsprechende Trolltechniken - zersetzend antworten. Und dann noch normal.


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