Im großen Bild sind "Kosten" nie eine monetäre Frage
Hallo QFT,
dieser Ausführung kann ich zustimmen:
Die wenigsten Menschen, mich eingeschlossen sind in der Lage, die "Kosten"
einer Handlung exakt abzuschätzen, eben weil wir in komplexen Systemen
leben. Hier ist der rettende Anker eben die Wertzuschreibung, welche schon
eine Komplexitätsreduktion in sich selbst ist, die uns meiner Meinung nach
überhaupt zu einem Entschluss befähigt und lebensfähig macht. Jeder
vereinfacht das ihn umgebende komplexe System mit dem Blick auf einen
Aspekt, der ihm in seiner aktuellen Lebenssituation am wichtigsten
erscheint und handlungsfähig macht. Ist man dann in einem Gespräch mit
Andersdenkenden nicht bereit die Tatsache zu akzeptieren, dass Werte eben
unterschiedlich sind, kommt man in mitunter sehr unschöne Situationen.
Werte sind individuell und zeitlich unterschiedlich. Was mir gefällt, gefällt anderen nicht, was mir früher gefallen hat, gefällt mir heute womöglich nicht mehr. Ist jedem Kind klar.
Geld ist in sich kein stabiler Wert. Man kann zwar in super kurzfristigen Zeiten von mehreren Jahren mit Betriebswirtschaft versunkene Kosten auch in einer Währung berechnen, aber man wird immer falsch liegen, bzw nur der Realität angenähert.
Bei dem Wort "Kosten" meine ich den Aufwand, der nötig war, um etwas entstehen zu lassen (siehe auch Herkunftswörterbuch). Wenn zur Entstehung von etwas auch Geld aufgewendet wurde, dann betrachte ich weiter, was aufgewendet wurde, um an das Geld zu kommen. Dies kann unterschiedlich sein. Jedoch ist Geld nie der Beginn der Aufwendung.
An erster Stelle stehen Gefühle! Insbesondere das Gefühl der Hoffnung!
Beispiel:
Man will ein Auto kaufen.
Man sucht Arbeit.
Man macht eine Bewerbung.
Man geht zu einem Vorstellungsgespräch.
Man geht zur Firma und arbeitet.
Man bekommt Geld
Man kauft das Auto.
Und nun die gleiche Liste ergänzt mit dem Gefühl der Hoffnung:
Man will ein Auto kaufen: Man hofft, mobiler zu sein (oder eine andere Motivation)
Man sucht Arbeit: Man hofft, Geld verdienen zu können.
Man macht eine Bewerbung. Man hofft auf Möglichkeiten.
Man geht zu einem Vorstellungsgespräch: Man hofft, genommen zu werden.
Man geht zur Firma und arbeitet: Man hofft, dass nach der Arbeit auch gezahlt wird.
Man bekommt Geld. Man hofft, dass es noch was wert ist, bis man es ausgegeben hat.
Man kauft das Auto. Man hofft, dass es funktioniert.
Und so weiter, und so weiter.
Menschen sind Lebewesen mit Gefühlen. Ich weiß, dass das Fühlen vielen Männern abtrainiert wurde, aber trotzdem gibt es Gefühle. Und Männer können diese Gefühle wieder finden. (z.B. www.mkp-deutschland.de)
Tief in uns geht es praktisch immer um Gefühle und nie um Geld.
Versunkene Kosten sind so schmerzhaft weil gefühlte Hoffnung verpufft.
Kinder haben es leichter, weil in ihren Gefühlen der Eindruck besteht, eben erst angekommen zu sein und noch nicht viel an Gefühlen, an Hoffnung, an Herzblut in irgendwas investiert zu haben. Dann wird den Kindern beigebracht, "stolz" zu sein auf alles Mögliche der vermeintlichen Zivilisation (die eigentlich die Zerstörungshölle auf Erden ist).
Kinder werden mehr oder weniger absichtlich darauf trainiert, abhängig zu werden von den Errungenschaften der künstlichen Zivilisation. Es wäre für die Eltern, Unternehmer, Politiker etc. unerträglich, wenn die Kinder plötzlich nichts brauchen von dem, wofür die Älteren so lange geschuftet haben. Das wäre so ziemlich die größte Beleidigung, die Kinder den Eltern antun können.
Wenn beispielsweise jemand daher kommt und behauptet: "Die Ernährung sollte wie die Atmung funktionieren." (Konkret gesagt: Auf dem eigenen Landsitz ist immer was zum Ernten da, man muss sich NIE Gedanken und Sorgen machen ans Essen zu kommen) was dann? Wenn sich so eine Möglichkeit als Leitbild verfestigt, dann werden alle mühsam aufgebauten Strukturen der Nahrungsmittelproduktion / Verteilung / Veredelung etc. etc. etc. sinnlos, wertlos = versunkene Kosten. Die Hoffnung, die die vielen Arbeiter, Ingenieure, Entwickler hatten, das ihre Arbeit ein Beitrag zum Wohle der Menschen (inkl. ihnen selbst) ist, verpufft!
Kinder können leicht loslassen und solche Gedanken denken. Erwachsene, und insbesondere diejenigen, die lange in die Schule gingen, haben es unendlich schwer (emotional, nicht finanziell)
Viele Grüße
Konstantin