Begrifflichkeiten erschweren hier leider einiges: Kosten vs Wertigkeiten

Quantenfeldtheorie, Samstag, 04.04.2015, 10:01 (vor 3936 Tagen) @ Konstantin3039 Views

Guten Morgen Konstantin,
ich habe nach der Lektüre deines Textes ein paar Gedanken, die ich mit den anderen hier teilen mag.
Im Grundsatz sehe ich es sehr ähnlich wie du, trotzdem hatte ich bei der Lektüre ab und an mal das Gefühl, dass hier unsere Sprache leider ein Problem ist und man exakt definieren muss, was man mit welchem Wort zu meinen glaubt.

Da mir das wohl selber nicht exakt gelingen wird, stelle ich mein Pamphlet mal zur Diskussion. Für mich gibt es in der Argumentation einen großen Unterschied zwischen "mir ist etwas wert" und "mich kostet etwas".

Zur Erklärung: Kosten sind für mich in erster Linie monetäre Kosten, in zweiter Linie etwas Abstraktes das als Konsequenz einer Handlung anfällt.

Beispiel: Bezahle ich die monatliche Rechnung meines Internets nicht, habe ich nach einigen Mahnungen keines mehr und irgendwann den Vollstrecker an der Backe. Konsequenz für mich als im Home-Office Sitzenden: Keinen Job mehr, kein Twitter mehr, kein Gelbes mehr, kein Wikipedia mehr etc.
Den Kosten von X Euro im Monat stehen also Konsequenzen gegenüber, die ich nicht bereit bin zu tragen, mit anderen Worten der Wert Internet zu haben ist für mich deutlich höher als die Konsequenzen die es hat, die X Euro nicht mehr in der Tasche zu haben.
Das schwenkt absolut um, sobald ich am Verhungern bin. Was kümmert mich mein Job, wenn ich für die X Euro nochmal Essen kann, das mein Leben rettet, wenn ich ins kurz vor dem Exitus stehe.

Bei deinen Ausführungen werden Kosten impliziz sehr subjektive wechselnde Werte gegenübergestellt, ohne dass du sie Werte nennst, ich habe zumindest oftmals zwischen den Zeilen "Wert" gelesen. Sollte das kompletter Quatsch sein, bitte entschuldige das Missverständnis und vergiss den Rest des Textes.

Die wenigsten Menschen, mich eingeschlossen sind in der Lage, die "Kosten" einer Handlung exakt abzuschätzen, eben weil wir in komplexen Systemen leben. Hier ist der rettende Anker eben die Wertzuschreibung, welche schon eine Komplexitätsreduktion in sich selbst ist, die uns meiner Meinung nach überhaupt zu einem Entschluss befähigt und lebensfähig macht. Jeder vereinfacht das ihn umgebende komplexe System mit dem Blick auf einen Aspekt, der ihm in seiner aktuellen Lebenssituation am wichtigsten erscheint und handlungsfähig macht. Ist man dann in einem Gespräch mit Andersdenkenden nicht bereit die Tatsache zu akzeptieren, dass Werte eben unterschiedlich sind, kommt man in mitunter sehr unschöne Situationen.

Die aktuellen Ergebnisse in Bezug auf den Absturz der Passagiermaschine lesen sich aktuell wie folgt: Der vermeintlich Verantwortliche sah wohl in seinem Leben keinerlei Wert mehr. Oder die Kosten der konstanten seelischen Pein waren ihm zu hoch, er war nicht mehr bereit diese länger zu begleichen und entschloss sich zum Suizid. Das Leben der anderen war ihm wohl in diesem Moment deutlich weniger wert als sein persönlicher Wert, den er durch den Suizid sah, ganz abgesehen davon, dass ihm die monetären Kosten eines gecrashten Flugzeugs, kaputten Schminkkoffern etc. wohl offenbar meterweit am Allerwertesten vorbei gingen.

Für uns Aussenstehenden eine sehr hart zu schluckende Pille, stellt das menschliche Leben doch mit den höchsten Wert dar. Zumindest für mich. ;)

Werte verändern sich, je nachdem wer dir die metaphorische Knarre an den Kopf hält und die Vollstreckung ankündigt. Ist es der Hunger, begleiche ich die Kosten für Nahrung besser, es sei denn der Tod ist eine Option für mich, stellt also einen Wert dar.
Ist es der Staat, lasse ich es wohl besser sein, brennende Autos als Ausdrucksmittel meines politischen Unmutes zu verwenden, es sei denn meine Art der politischen Ausdrucksweise ist mir wichtiger als der drohende Freiheitsentzug oder je nach Regime mein Leben.

Ich habe bewusste kaum Bezug auf auf die "Sunken Costs" genommen, weil sehr schnell in solchen Kostensituationen zum Wert umgeschwenkt wird, weil man die GESAMTKosten eben nicht mehr überblickt.
Dieser Aspekt fehlt der kompletten Betrachtungsweise in der Wikipedia und deswegen geht dieses Konzept auch für mich recht Weit an meiner Realität vorbei.

Menschen Handeln aus Gründen, denen geht in der Regel eine Bewertung voraus. (Monetätere) Kosten sind lediglich eine potentielle Metrik.

Abschließend zu sagen habe ich nur noch: Ich liebe deinen Think-Big Ansatz und wir sollten uns mit nichts weniger zufrieden geben als das Welt zu einem Paradies zu machen, in denen wir UND andere leben wollen, dürfen aber dabei nie vergessen, dass die Lebensentwürfe anderer sich mitunter sehr von den unseren unterscheiden. Der Diskurs mit anderen ist hier wichtig und leider wird eben dieser Diskurs in der aktuellen Zeit von vielen Seiten torpediert.

Liebe Grüße und schöne Ostern,
QFT

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XSS for the masses...


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