Generalmajor Qassem Suleiman

plancom, Sonntag, 29.03.2015, 16:50 (vor 3943 Tagen) @ Mercury6166 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 29.03.2015, 17:08

Qassem Suleimani ist der Putin des Iran.
Wo er auftaucht, wendet sich das Schlachtenglück und seine Feinde überfällt Panik und Verzweiflung.
Die „Iranian Wunderwaffe“.

Es gibt Gerüchte, wonach er den jemenitischen Gegenschlag organisiert. Panik und Aufregung in Saudi Arabien. Al Arabija ist voll von dem Zeug. So wird VT zur staatstragenden Doktrin. Um mal den Bogen aufzugreifen, den du spanntest.

Ist natürlich alles Blödsinn.

Es gibt westliche Einschätzungen, wonach die Iraner nicht auf allen Schlachtfeldern gleichzeitig sein können und der Bogen nun überspannt wäre.
Gut. Das gilt dann aber auch für die Saudis, Ägypter, Amerikaner, Russen etc.

Statistisch und bevölkerungsempirisch betrachtet, sind diese Aussagen haltlos. Überlegene Waffen- oder Nachrichtentechnik spielen kaum eine Rolle, weil die Daten kaum noch interpretiert werden können und außerhalb der Kommandostrukturen keine nennenswerten Ziele vorhanden sind.

Die Amerikaner haben mit Geld gewonnen. Sie schmierten, was das Zeug hält, erhielten somit Zugang zu allen gewünschten Informationen und verarbeiteten diese. Medien und Meinungen sind beliebig reproduzierbar, seit dem 1.GK 1991 sind die Medien geistig ausgeschaltet und beziehen sich nur noch auf sich selbst.

Das sollte den Saudis auch gelingen, sie haben gelernt, wie es funktioniert, sie haben verstanden Dinge umzusetzen und krempeln nun in Allianz mit dem GCC die Region um.

GCCs geschmierte Lobbyisten in Washington und London kreieren derweil die weltumspannende Gefahr der Iraner, die bedeutender sei, als die Gefahr die von der ISIS ausgeht.
Auch hier: “wes Brot ich ess, des Lied ich sing”
Solche irrlichternden Aussagen schwemmen langsam, träge und fett an den öligen, fauligen Strand der öffentlichen Mehrheitsmeinung.

Beinahe hilflos sind einzelne Evaluate, die noch auf eine Deutungshoheit verzichten, was sich ganz schnell ändern wird, sobald die Auseinandersetzungen in den Vordergrund treten. Dann greifen aber bereits die o.g. Erklärungsmuster von der iranischen Gefahr, als Rechtfertigung für Massensterben und Leid im Jemen.

Wer sich die Deutungshoheit sichern kann, hat die meisten Leser und Zuschauer. Wer dabei sein darf, ebenso.

Hier wiederum befinden wir uns wieder im Jahr 1990, am Wendepunkt der Geschichte, wo die Amerikaner entschieden haben, die freie Berichterstattung, sagen wir, auf Themen, die nicht die nationale Sicherheit betreffen, „einzugrenzen.“ (hübsches Wort)

Am Ende des Feldzuges stand aber eine wegweisende politische Entscheidung. Die, nicht in Bagdad einzumarschieren. Das haben wir damals nicht verstanden.

Am 11.09.1990 hielt George Bush eine Rede vor Senat und Abgeordnetenhaus. Er formulierte, und ich habe diese Rede damals genau verfolgt:
Ich zitiere:
„Wir erleben heute einen einzigartigen und außergewöhnlichen Moment. So ernst die Krise am Persischen Golf ist, so bietet sie zugleich die Gelegenheit, zu einer Periode der Zusammenarbeit zu gelangen. Aus diesen schwierigen Zeiten kann unser fünftes Ziel – eine neue Weltordnung – entstehen: eine neue Ära – freier von der Bedrohung durch Terror, stärker im Streben nach Gerechtigkeit und sicherer in der Suche nach Frieden. [….]Eine Welt, in der die Völker die gemeinsame Verantwortung für Freiheit und Gerechtigkeit erkennen. Eine Welt, in der der Starke die Rechte des Schwachen respektiert. Das ist die Vision, die ich mit Präsident Gorbatschow in Helsinki geteilt habe. Er und andere Führer Europas, am Golf und auf der ganzen Welt verstehen, dass die Art und Weise, wie wir heute diese Krise lösen, der Zukunft kommender Generationen ihre Gestalt geben könnte.“

Es –kann- eine neue Weltordnung entstehen, nicht, es –wird-. Er war sich nicht sicher, aber Lincoln war es auch 1858 in seiner „House divided-Speech“ auch nicht. Dennoch erzielte er mit der Stoßrichtung der Einigung des Staatenbundes einen Volltreffer. „Die Art und Weise, wie wir heute diese Krise lösen“ hat in der Tat die Strategie der Konfliktlösung bereits einer Generation verändert.

Genauso wie Lincoln im Kern etwas anderes im Sinne hatte, so interessierte sich Bush nicht für die Rechte der Schwächeren, kritisch und couragiert wie weiland die Chicago Times, auf die 1863 gehaltene „Gettysburg Adress“ von Lincoln, äußert sich seitdem keine angesehene Zeitung mehr.
„Es wird jedem Amerikaner die Schamesröte ins Gesicht getrieben, wenn er die törichten, banalen und wässrigen Äußerungen des Mannes liest, der klugen Ausländern als Präsident der Vereinigten Staaten präsentiert werden muss.“
2013 entschuldigte sich das Blatt bei seinen Lesern für die 1863 veröffentlichte Meinung. Darüber habe ich neulich einen Bericht gesehen. In diesem Zusammenhang wurde die Great Garrison Flag oder Star Spangled Banner Flag gewürdigt und ihre Bedeutung als Beitrag für die mentale Einstellung der Bürger der Vereinigten Staaten herausgestrichen.
Da musste ich gleich an Putin und die „himmlischen Hundert“ denken.

Eine schlechte Rede führt zu schlechten Taten. Viele schlechte Reden über Jahrhunderte führen zur Markenbildung.
Die Weltordnung ist ein solches Konzept.

Rhetorisch ungeschliffen, schlicht in der Sache, überdreht. So kann ich alle „bedeutenden“ Reden „bedeutender“ Politiker der letzten Jahrzehnte zusammenfassen. Es ist keine einige Rede dabei, der ich inhaltlich etwas abgewinnen kann. Keine ist dabei, die nicht auf die primitivsten Instinkte des Menschen abzielt. Es ist, als wären wir permanent RT Libre des Mille Collines ausgesetzt, ohne es noch zu merken.
Auch die Hörer des Senders bemerkten die weitreichende Manipulation nicht. Es gab nichts anderes, was so spannend war. Und als sie es merkten, war es zu spät.

Was nicht an den Politkern liegt, aber an der Verrohung im internationalen Umgang miteinander. Eine Bande höllischer Assassinen, die teuflisch zu nennen eine untertriebene Behauptung ist, soll besser sein, als ein durchaus berechenbarer Flächenstaat, in dem Mindestregeln des sozialen Miteinanders herrschen. Mit all seinen Einwohnern, seinen Kulturgütern, seiner Geschichte und seinen Errungenschaften.

All das, so einflussreiche amerikanische „Experten“, soll das größere Übel gegenüber einer tribalistischen Bande von kultur- und haltlosen Massenmördern sein.

Zurechtgestutzt auf die Rede des George Bush bedeutet das, dass wir die Rechte des Schwachen (ISIS Saudi-Arabien) gegenüber dem Starken (Iran) respektieren müssen. Somit stehen wir bei der Verteidigung der Freiheit und unseren Werten auf der Seite der Schwachen. Nur so sichern wir die bestehende Weltordnung.
Das ist krank, völlig wahnsinnig und absolut verrückt. Es ist aber politische Realität.

Warum?
Weil das Fundament, auf dem diese Ordnung steht, auf falschen Annahmen gründet und nicht funktioniert. Die ISIS kämpft mitnichten für die Rechte von Frauen und Randgruppen, die Saudis auch nicht.

Saudi Arabien lag bis vor kurzem im Clinch mit dem schwedischen Außenministerium, das unter Margot Wallström eine konsequente Außenpolitik betreibt. Der Ministerpräsident ist nicht so erfreut gewesen.

Saudi Arabien hat eine merkwürdig, aber vertraut klingende Aussage getätigt, wonach Schweden sinngemäß die kulturelle Vielfalt auf der Welt anerkennen soll und von Kritik an den mangelnden Menschenrechten in Saudi Arabien bitte Abstand nehmen soll.
Klar. Kulturelle Vielfalt.

Man erkennt die Marke, immer und immer wieder aufs Neue. Die Weltordnung gehört verteidigt gegen Störer und Unfriedlinge, wer das nicht anerkennt, der wird bekämpft.

Das Konzept dahinter war aber banaler Natur und ein von Lobbyisten gesteuertes Ungetüm, das in rauer See mal hier und mal dorthin hingelenkt wurde und mit immer neuen Mechanismen etikettiert wurde, bis es spätestens dieses Jahr irgendwo stranden wird.

Die Reste dieser „banalen“ Natur tauchen in Handlungen an der aktiven Front an der Bab al-Mandab auf, dessen Kontrolle für die Araber so immens wichtig ist.

Wir sehen heute das Entstehen eine arabischen Blocks, dessen minimaler Consensus die Abwehr äußerer, nichtarabischer Feinde sein dürfte. Mithin ein gewalttätiger Block, der äußerst expansiv und außenpolitisch aggressiv sein dürfte. Der Motor dürfte die Türkei sein. Die Stereotypen sind vom Westen kopiert, sie bergen das hohe Risiko des Scheiterns, weil auch wir gescheitert sind.


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