Mh, und Ergänzung

politicaleconomy, Dienstag, 17.03.2015, 17:31 (vor 3954 Tagen) @ Rudi4023 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 17.03.2015, 17:40

Hi Rudi,

Ich würde gerne dringend die Engländer draußenlassen - was momentan
wegen Eurokritik & Co eher nicht der Fall ist. GB scheint sich schon heute
auf unsere Seite schlagen zu wollen. Wir dürfen sie aber nicht lassen!.
Atomwaffen der Franzosen raus aus der NATO Kontrolle, das reicht völlig
aus um das richtige Szenario aufzubauen. Sprich: Atomare Abschreckung ist
gegeben, auch ohne RU. Aber Wirtschaftsachse Paris - Berlin - Moskau ist
Pflicht.

Das sind dann Tatsachen.

Das will in FR nur Front National. Da kommen alte Themen hoch. Eine deutsche Kooperation mit LePen wird momentan nicht nur innerhalb D's als unmöglich angesehen (vielleicht ausgenommen die AfD), sie würde auch international Erschrecken auslösen.

Es wird nicht abgehen, ohne daß die Rolle der USA und GBs in beiden Weltkriegen aufgearbeitet und an die Öffentlichkeit gezerrt wird.

Doch auch hier muß man sich fragen: gibt es nicht weltweit ein großes Interesse daran - an einer realistischen Sicht auf die Rolle GBs und der USA - der beiden "letzten" Weltmächte - nicht nur seit 1944, sondern schon davor?

Die Diskussion darüber hat ja auch öffentlich schon begonnen, u.a. mit Christopher Clarks "Sleepwalkers" (er stellt die deutsche Alleinschuld an WK I in Frage). Es gibt Publikationen seitens russischer, britischer und amerikanischer Autoren dazu.

Da bahnt sich - mit dem Wanken des Hegemonen USA seit 2008ff. - ein ungeheurer shift im kompletten Geschichtsbild an (im Wirtschaftsbild - der Hegemonie der neoklassischen Ökonomie) - ebenso.

Die Frage wäre aber auch, wäre nicht eine "Friedens- und Freihandelsachse" Paris-Berlin-Moskau möglich, als Stabilisator in einer multipolaren Welt, auf der Basis auch einer Erneuerung der Weltwährungsordnung, in der die Dollarhegemonie durch das von den Amerikanern 1944 in Bretton Woods verhinderte bancor-System von Keynes abgelöst wird?

Dies war ein System, das Hegemonie und internationale Ungleichgewichte systematisch verringern sollte. Im Grunde sehe ich historisch zum jetzigen Zeitpunkt - Europa und die USA altern beide und sind einfach rein von der demographischen Basis her nicht mehr so aggressiv wie noch vor einem Jahrhundert - erstmalig eine realistische Chance, so etwas umzusetzen.

Es gibt ja diesbezügliche Vorschläge auch seitens der Chinesen - siehe dazu, und zu den Details der "Geheimgeschichte" von Bretton Woods den exzellenten Aufsatz von Massimo Amato und Luca Fantacci:

Back to which Bretton Woods? Liquidity and clearing as alternative principles for reforming international finance. (mit Massimo Amato)

Verlinkt hier:
http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Quellen/sortiert_nach_per...

Es wird verdammt spannend - und es ist definitiv an der Zeit, konstruktive Vorschläge zu entwickeln. Eine eurasische Union als "Hegemon" hätte das Potential, erstmals eine solche Weltwährungsordnung zu schaffen, zumal der chinesische Zentralbankchef durchblicken ließ, daß China NICHT bereit ist, den Renminibi zum Nachfolger des Dollars als Weltgeld machen zu wollen (wegen des Triffin-Dilemmas), siehe sein Reform Proposal von 2009, hier verlinkt:

http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Quellen/sortiert_nach_per...

Es ist DEFINITIV an der Zeit, über solche Ideen detailliert nachzudenken. Denn wir sind nach 2008 in einer ähnlichen Situation wie nach 1929: es gibt massive Konflikte zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern in einer deflationären Situation, in der eine Hegemonialmacht abdankt und sich noch kein Nachfolger gefunden hat (damals: GB, die USA zögerten noch). Damals dauerte es 10 Jahre bis zum Ausbruch des Kriegs, und 15 Jahre, bis eine neue Weltwährungsordnung geschaffen wurde (Bretton Woods).

Tun wir alles, damit es diesmal OHNE größere Konflikte und Verluste abgeht oder diese zumindest auf ein Minimum begrenzt werden können. Dafür müssen in erster Linie realistische Visionen und Strategien einer zukünftigen Friedensordnung entworfen werden, in der die USA nicht mehr die Rolle des Alleinhegemonen spielen.


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