Einfache Menschen neigen zu einfachen Antworten

LLF, Samstag, 14.02.2015, 19:57 (vor 4036 Tagen) @ Plancius3598 Views

Auch ihr Tenor war, dass wir Deutsche mit der Wahl Hitlers eine große Schuld auf uns geladen haben und wir auf Generationen heraus diese Schuld gegenüber unseren europäischen Nachbarn abzutragen haben.

Einfache Menschen neigen zu einfachen Antworten. Hintergrundinformationen muss man sich durch Lesen erarbeiten, und das setzt voraus, dass entsprechende Bücher und Zeitungen verfügbar sind.

All das geschah in der DDR, wo die deutsche Alleinschuld kein solch
konstituierendes Element des Staates war, im Vergleich zur BRD. Auch die
Gehirnwäsche seitens der Medien und die staatliche Propaganda mit dem Kult
des dritten Reiches war bei weitem nicht so ausgeprägt wie in der BRD.

In der DDR war das Bildungsbürgertum relativ schwach und konnte sich nicht frei entfalten. Wer im im Antiquariat revisionistische Bücher kaufte, der kam möglicherweise gleich in den Knast. Selbst ein SPIEGEL durfte damals nicht in die DDR mitgenommen werden, geschweige denn härtere Zeitschriften.

Wenn sich ein Volk neben seiner ethnischen Homogenität weitestgehend
durch sein kollektives Gedächtnis definiert, dann kann man doch mit Recht
behaupten, dass das deutsche Volk schon abgeschrieben ist. Nicht nur eine
eventuelle gelenkte staatliche Propaganda hat den Schuldkult in uns
eingeimpft, sondern auch unsere nächsten Verwandten, Nachbarn und
Bekannten haben die deutsche Alleinschuld tief in das Bewusstsein der
Nachfahren eingebrannt.

Was man in der frühen Kindheit gelernt hat, das bleibt als unumstößliche Wahrheit im Gedächtnis. Die Generation 1940 kennt nur die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs, die intuitiv auf Hitler zurückgeführt werden. Die Generation 1955 verbindet Nationalsozialismus mit väterlichen Ohrfeigen.
Die Generation 1990 wiederholt das, was sie im Kindergarten und in der Schule gelernt hat.

Aber wo sind denn die Helden heute?

Horst Mahler sitzt für zwölf Jahre im Knast.

Wieviele zehntausend wären in Dresden auf die Straße gegangen, wenn die Puhdys oder City dort gespielt hätten.

Wer die Puhdys braucht, um auf die Straße zu gehen, tut mir leid.

Wenn er wenigstens einfach zu Hause geblieben wäre.

Roland Kaiser ist auch nicht zu Hause geblieben.

Landauf, landab rotieren die Kommunen, um Unterkünfte für den nicht
abebbenden Flüchtlingsstrom zu organisieren. Es gibt keinen einzigen
Bürgermeister, der "Nein" sagt, alle - wirklich alle - sind auf Linie.

Im Telefongespräch wird dieses Thema schon mal angesprochen (z.B. in Köln), aber kein Bürgermeister kann sich öffentlichen Widerstand leisten.

Ich glaube, die Kriegs- und Nachkriegsgeneration - nicht nur unsere
Besatzer - haben in der Auslöschung unseres kollektiven Gedächtnisses
ganze Arbeit geleistet.

Die Erinnerung an die deutschen Ostgebiete wurde ja inzwischen weitgehend tabuisiert. Bombenkrieg und Vertreibung stören das eindeutige Weltbild von Gut und Böse, von Schuld und Befreiung. Die Nazischuld wurde durch die allierte Besatzung getilgt, die Urschuld hingegen bleibt und kann nur durch Geldverdienen getilgt werden. Teure Statussymbole beweisen die Loyalität zum Konsumsystem. iPad und iPhone sind das Erkennungszeichen einer globalen Elite, sie verbinden deutsche Antifaschisten und afrikanische Flüchtlinge. Kopftuch und Gebetskappe unterstreichen die Loyalität zum Islam als Gegenkultur zum westlichen Konsumsystem.


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