Dem kann ich nur beipflichten

Balu, Sonntag, 11.12.2016, 18:52 (vor 3377 Tagen) @ Plancius2388 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 19:16

Die Infrastruktur ist marode, das Baustellenmanagement gemacht von Stümpern, die täglich mit dem ÖPNV zur Arbeit fahren, analoges bei der Bahn, dort werden die Fahrpläne auch von Stümpern gemacht, die mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Ich pendle 140 km einfach nach FFM und 200 km einfach nach K, jeweils einmal die Woche. In jede Richtung sind seit Monaten jeweils mindestens drei Baustellen mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen, bis dato ohne größere Unfälle während den rush hours.

Wenn ich berücksichtige, dass rund um FFM und K sowieso schon zu normalen Zeiten fast nix mehr geht, und ein verunglückter Gefahrguttransporter innerhalb 1 h rund um alles dicht macht für mindestens 24 h, dann, denke ich DE in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.

Inzwischen sind die Straßen, auch die mautfreien, im angrenzenden Ausland um Klassen besser als in DE. Hier wird abgewirtschaftet, auf dass die Politnullen endlich Gesellschaft kriegen mit der schwarzen NULL.

FFM hat sowieso ein sehr großes Einzugsgebiet. Es reicht bis Fulda, in den Spessart, Odenwald, Vorderpfalz, Westerwald, Hunsrück, gut und gerne 100 km in jede Richtung. Der ÖPNV ist zu den rush hours vollkommen überlastet, ebenso die Straßen, eine Katastrophe. An der Schiersteiner Brücke und dem Mainzer Ring wird gleichzeitig gebaut, ebenso an der 66 und 60 im weiteren Verlauf. Auch eine kurze Rhein-Kreuzfahrt mit der Fähre macht keinen Sinn, so schlau sind andere auch.

Köln leidet sehr unter dem LKW-Fahrverbot der Autobahnbrücke Leverkusen, dort wurde noch nicht mal mit dem Neubau begonnen.

Die Alternativen sind beschränkt, da gerade in DE noch das Obrigkeitsprinzip stark verankert ist. Der Chef will morgens, mittags und abends seine Schäfchen um sich haben, um sie zu kontrollieren und um sie ständig kontaktieren zu können. Deutsche Führungskräfte sind, jedenfalls viele von denen, die ich kenne, unorganisiert, feige, setzen wenig Vertrauen in ihre Leute und haben mit modernen Kommunikationsmedien nicht viel am Hut, dafür gibt´s ja die Sekretärin/Assistentin!

Da lob ich mir dann eine Regelung a la Telearbeit - doch ACHTUNG!!!!

Telearbeitsplätze sind für die Firmen sehr teuer, denn sie müssen das ganze Equipment, welches sie ansonsten in der Betriebsstätte zur Verfügung stellen, dem Mitarbeiter Zuhause einrichten. Hier gelten dann auch die einschlägigen Arbeitsschutzvorschriften, wie Bildschirmarbeitsplatz-VO, etc.. Außerdem, nicht jeder MA hat in seiner Wohnung Platz für einen Telearbeitsplatz. Die Firmen scheuen diese Telearbeitsplätze wie der Teufel das Weihwasser, es macht die Arbeit nämlich nicht billiger, jedenfalls nicht in der Zeit eines Bonus dotierten Vorstandsvertrages.

Clever und sparsam wie die Nieten in Nadelstreifen, die Henker des Kapitals nun mal sind, locken sie die Leute mit sog. home-offices oder home-offices light. Das jedoch bedeutet nix anderes, als dass sich der MA mit eine Notebook der Größe 15" Zuhause rumplagen soll. Kein Equipment, keine Kostenbeteiligung für Strom, Telefon, DSL, etc. das alles wird garniert mit der sog. neuen Arbeitswelt. Für 100 % MA gibt´s nur noch 60-70 % Arbeitsplätze zur freien Verfügung in der Betriebsstätte. 10 % sind mindestens in Urlaub, 6-7 % sind krank, 10 % sind unterwegs und falls dann doch mal mehr kommen, müssen sie halt wieder nach Hause fahren - war halt umsonst, gelle.

Und die MA freuen sich alle, dass sie nach 8 h am Schlepptop zuhause einen steifen Nacken kriegen, Hauptsache sie dürfen ihr Sklavendasein von zuhause aus bedienen.

Es muckt keiner, alle sind begeistert - meine eigene Erfahrung, wie auch? Im Grüngürtel rund um FFM oder K haben sie vor Jahren ein Häuschen gekauft, verschuldet bis über beide Ohren, die Organisationsmöglichkeiten für Familie desolat, ebenso das Selbstmanagement, da bleibt man doch gerne daheim, anstatt sich den Verkehrsstress anzutun, und sei es man sitzt den ganzen Tag krumm gebuckelt vor dem 15" Schlepptop im feuchten Keller, weil sonst kein Platz ist.

Ja, das ist die Realität! Ach, eins habe ich noch vergessen, die DSL-Versorgung in die Provinz ist natürlich auch nicht gerade geeignet, ein 8 h Arbeitspensum in 8 h durchzubringen, da werden dann locker mal 10 h draus, weil die Leitung ständig weg bricht oder nicht mehr hergibt.

Alternativen:
Gelber Schein vom Dr., analog den Leuten von Ärbörlin.
Domizilregel, dh. Arbeitsplatz Zuhause (generell) und bei Aufsuchen der Betriebsstätte beginnt die Az beim Verlassen des Zuhauses. Da ist dann der Verkehrskollaps wenigstens mit bezahlt. Gibt zwar Ärger, wenn man häufiger zu spät kommt, aber dafür gibt´s dann wenigstens Ärgergeld.

Noch ein Nachwort.
Es wird bald auch Arbeitnehmer treffen, die nie damit gerechnet haben, da die nächste Kostensenkungsrunde der Kapitaldödel darin bestehen wird, die Mieten für die Betriebsstätten zu reduzieren. Die Personalkosten werden ja schon seit 20 Jahren abgekocht (s. querschuesse.de) und das wenige gute Personal, das noch gebraucht wird, hat´s inzwischen gerafft.

Das führt dazu, dass immer mehr Betriebsstätten zusammen gelegt werden nach o. g. Modus 100/60, was für die MA i. d. R. längere Wege bedeutet. Betriebsräte und Gewerkschaften sind heute leider nicht mehr in der Lage bzw. willens, dagegen zu halten.

Da hilft wirklich nur eine Auszeit hin und wieder mit dem gelben Schein; anders geht´s nicht.

Es gibt noch die Gefährdungsanalyse und -beurteilung im Rahmen des Arbeitsschutzes. Sie ist Voraussetzung für die Arbeitsschutzunterweisung und muss vom Arbeitgeber gemacht werden. Hier gibt es auch die psychische Gefährdungsanalyse und -beurteilung, in die die o. g. Themen eingebracht werden könnten, so sie denn erfragt würden. Da der AG aber die GA anberaumt und auch festlegt, wer diese durchführt, gibt´s da für die MA leider nur wenig Einflussmöglichkeit auf die tatsächliche Themenauswahl. Auch hier sind Betriebsräte und Gewerkschaften eher passiv, also keine Unterstützung für die Arbeitnehmer.

Das Modell Ärbörlin hat mich sehr beeindruckt.

Gruß
Balu

--
Nie wieder CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke.
Die wahren Feinde eines Volkes sind seine Terroristen, die sich als Politiker, Richter, Staatsanwälte, Polizei und Verwaltungsangestellte tarnen. Der Staat als einziger Hort allen Terrors.


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