Es gibt nicht nur die verborgene, sondern auch die offene Macht

Falkenauge, Donnerstag, 17.11.2016, 09:40 (vor 3401 Tagen) @ nemo2215 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 17.11.2016, 10:14

„Die Architekten der Macht müssen eine Kraft schaffen, die man spüren
aber nicht sehen kann.
Macht bleibt stark, wenn sie im Dunklen bleibt – wird sie dem
Sonnenlicht ausgesetzt,
verflüchtigt sie sich.“

Dieser Erkenntnis stammt von Samuel Huntington und trifft es exakt. Die
Architekten der Macht
haben erkannt, dass die Dunkle Seite der Macht die einzige Umgebung ist,
in der Macht
dauerhaft überleben kann.

Macht lebt von der Ohnmacht, die sie erzeugt, und dazu muss Macht
Transparenz vermeiden.
Nur wenn sie wage bleibt, subtil spürbar, kann sie ein Fäden ziehendes
Sekret produzieren,
das Pyramiden-Gesellschaften sowohl spaltet als auch verklumpt. Das Sekret
der Angst.
Aber Top Secret!

Das betrifft nur einen Teil der Macht, die verborgene. Es gibt aber natürlich auch die offene Macht der staatlichen Herrschaftsstrukturen, die sich nicht verflüchtigt, wenn sie dem Sonnenlicht ausgesetz wird. Sie wird vielfach akzeptiert, wenn sie "demokratisch" legitimiert ist, da es ja anders nicht gehe. Aber das ist ja die Frage. Macht ist es trotzdem, und Macht auf der einen Seite, bedeutet auf der anderen Seite Untertänigkeit. Struktureller Ausdruck der Macht ist die Hierarchie.

Macht dient dazu, den Willen anderer zu unterdrücken oder zu überwältigen, sie dem eigenen Willen zu unterwerfen und ihre Freiheit damit auszuschalten.
Dem Machtstreben liegt die eigensüchtige und zugleich hasserfüllte Ausdehnung des eigenen Ego über andere Menschen und ihre Güter zugrunde. In gesteigertem Selbstgefühl maßlos aufgeblasen, sucht es nach einem weiteren Anwachsen seiner selbst, indem es sich Andere untertan macht. Es erlebt sich in der Macht über die Erniedrigten verstärkt und erhöht, und diesen narzisstischen Rausch möchte es nicht mehr missen. Daher ist es ständig von Argwohn und Furcht erfüllt, seine Macht wieder an einen Stärkeren zu verlieren. Denn es empfindet unbewusst die Hohlheit und Hybris des eigenen Machtanspruchs. Das Streben nach Macht steigt aus innerer geistiger Schwäche auf und lebt in ständiger Furcht, die sich in Hass Luft macht, der sich in Gewalt austobt.

Die Macht-Psychopathen erleben wir doch ständig in aller Offenheit in der Politik, in der Wirtschaft und in den Medien. Hier lebt sich eine offene strukturelle Gewalt aus.

Die soziale Ordnung freier Menschen gestattet dem einzelnen nur einen „Herrschaftsanspruch“: die Herrschaft über sich selbst. Der Machtmensch vermeidet dies. Statt sich selbst zu beherrschen und zum freien Menschen zu bilden, beherrscht er mit den Gewaltmitteln des Staates die anderen.

Die in alter Zeit dem Einzelnen übergeordnete Gemeinschaft, die ihn unter der Führung des Herrschers umfassend wirtschaftlich versorgte, geistig leitete und staatlich schützte, hat mit der Emanzipation der Persönlichkeit ihre omnipotente Berechtigung verloren. Sie wird aber heute auch in der „Demokratie“ weitgehend in bürokratisch perfektionierter Form fortgeführt. Die organisierte Gemeinschaft kann als Staat jedoch heute nur die Aufgabe haben, die auf der Gleichheit ruhende Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen zu ermöglichen und zu schützen. Es ist nicht mehr ihre Angelegenheit, die wirtschaftliche Versorgung und die geistig-kulturelle Entwicklung der Menschen irgendwie inhaltlich zu lenken oder zu bestimmen, da unter der Führung der jetzt „demokratisch“ Herrschenden dadurch „von oben“ die Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen ausgeschaltet wird. Ein „Oben“ kann es in der Gleichheit überhaupt nicht mehr geben. Es bringt immer ein „Unten“ mit sich, das ihm untergeben, untertan ist, in dem die Gleichheit aufgehoben ist.

Eine grundsätzliche historisch-demokratiekritische Auseinandersetzung findet sich in Macht macht untertan.


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