OT: Amalgam-Legierung aus Metallen & Quecksilber, Zahnfüllung oder Zerstörer des Nervenkostüms? Amalgamentfernung, Ausleitung
'Amalgam' ist erstmal der Begriff für eine Vermengung (u.U. nicht zusammengehöriger Teile), etwa bei Konzernverschmelzungen.
Viele Menschen sind heutzutage von vornherein gänzlich gegen Quecksilber-Amalgam eingestellt, andere streben eine Amalgam-Entfernung an, evtl. zusätzlich mit Quecksilber-Ausleitung. Und die Homöopathie soll auch drunter leiden, vgl. entspr. Patientenmerkblatt.
Vgl. die Literatur von z.T. schon vor Jahrzehnten:
- "It's All in Your Head: Link Between Mercury Amalgams and Illness"
- "Mercury/Amalgam Dental Fillings: The Toxic Time Bomb"
- "The Poison in Your Teeth: Mercury Amalgam (Silver) Fillings ... Hazardous to Your Health!"
Quecksilber, ob aus Fieberthermometern, 'Energiespar'-Lampen ("Flüssiges Quecksilber wirkt lange nicht so toxisch, wenn es verschluckt wird im Vergleich zur Wirkung beim Einatmen der Dämpfe.") oder eben aus Zahnfüllungen, ist ein schweres Nervengift. In metallischem Zustand ist es bei Zimmertemperatur flüssig und hat zudem einen -für Metalle ungewöhnlich hohen- Dampfdruck, d.h. es verdunstet in Wohnräumen, wird eingeatmet und führt so zu den bekannten Vergiftungserscheinungen.
Ob das in einer Metall-Legierung gebundene Quecksilber im Zahn-Amalgam ebenfalls freigesetzt werden kann, darüber schwelt ein Streit, seit die ersten Amalgam-Füllungen eingesetzt wurden ('Amalgamkrieg' in USA 1833), vgl. "Amalgam - Pro und Contra. Gutachten - Referate - Statements - Diskussion. Dokumentation des Instituts der Deutschen Zahnärzte" oder "Schwere Erkrankungen durch Amalgam und andere toxische Dentalmaterialien".
Chemiker neigen eher dazu, Amalgam-Füllungen zu meiden, als Nicht-Chemiker. Auch mit der Zinn-Beimengung stehen sie u.U. auf Kriegsfuß (außer als Bierkrug).
Die Herstellung erfolgt dadurch, daß z.B. in der Zahnarztpraxis bestimmte Metallspäne, ihrerseits ebenfalls bereits Legierungen aus Silber-Zinn-Kupfer u.a., trituriert werden. Hierbei spielt auch die Sorgfalt bei der Abmessung der Ingredienzien und die Mischungsdauer und -intensität eine Rolle. Von daher können sich die Zusammensetzung wie die Vermengungs-Qualität der resultierenden Legierung von Zahnarztpraxis zu Zahnarztpraxis ebenso wie von der 'Tagesform' und Erfahrung der zahntechnischen Helferinnen deutlich unterscheiden, auch wenn das heute durch vorbereitete Mischungen erheblich weniger variieren dürfte als früher. Von Maßnahmen einer praxisübergreifenden Qualitätssicherung, einem 'Amalgam-TÜV', ist m.W. nichts bekannt ...
Daß diese Verfahren 'einfach narrensicher' sind, dazu würde ein Metallurge sich jedenfalls nicht versteigen.
Unzweifelhaft werden Teile einer Amalgam-Füllung, ebenso wie des wesentlich härteren Zahnschmelzes, mit der Zeit abgetragen und landen so im Magen. Aber auch über die Beständigkeit von solchen Amalgam-'Krümeln' in der Salzsäure des Magens gibt es Streit. Hinzu kommen chemische Einflüsse aus sauren Fruchtsäften oder der Phosphorsäure z.B. in Cola-Getränken. Widersprüchliche 'Anecdotal evidence' gibt es jedenfalls zuhauf.
Das Sandkörnchen im Salat ist jedenfalls beim Kauen härter (Mohssche Härte 7) als der Zahnschmelz (Mohssche Härte 5) oder gar das Quecksilber-Amalgam (max. 3,5), ein geringfügiger Abtrag findet stets statt. Weiterhin kommt es vor, gerade bei Schwangeren, daß sich ganze Amalgamfüllungen lockern und in Gänze verschluckt werden. Auch hier wieder würde deren weiteres chemisches Schicksal im Körper bis zu einer evtl. Defäkation interessieren.
Nachweislich sind die Quecksilber-Werte bei Menschen, die mehrere unterschiedliche metallische Plomben im Gebiß haben, deutlich erhöht. Eine Goldplombe einzusetzen, wenn bereits Amalgamplomben vorhanden oder nur unvollständig (!) entfernt sind, halte ich für einen schweren zahnärztlichen Kunstfehler. Und auch Gold wird gewisser Nebenwirkungen geziehen.
Die Lösung von Quecksilber aus Amalgamplomben hängt i.W. von der elektrochemischen Potentialdifferenz der anderen beteiligten Metallteile im Mund ab; das können auch Edelstahldrähte von kieferorthopädischen Zahnspangen sein - auch hier ist u.U. Vorsicht geboten. Man hat also ggf. eine Batterie im Mund, was entsprechend sensible Menschen auch z.B. spüren, wenn sie als Metallplombenträger auf ein Stück Aluminiumfolie beißen.
Da Quecksilber entweder direkt i.W. über das Urin ausgeschieden oder aber im Fettgewebe eingelagert wird, wäre eine genaue Massenbilanzierung bei einem einzelnen Menschen sehr schwierig, da man einerseits den Eintrag durch Einatmen von Hg-Dämpfen aus anderen Quellen (geborstene Lampen, Fieberthermometer, das, evtl. schon vor Jahren, im selben Zimmer herunterfiel, evtl. vor dem Einzug in die Wohnung beim Vormieter etc.), Aufnahme in gelöster Form aus sonstigen Quellen inkl. z.B. Thunfisch, mit dem Verschlucken evtl. abgelöster Amalgam-Füllungs-Teilchen abgleichen müßte.
Da niemand, außer in künstlicher Umgebung wie der bodenständigen Mars-Mission, ständig auf Einnahme wie Ausscheidung analytisch überwacht wird und man davon ausgehen darf, daß die Einlagerung im körpereigenen Fettgewebe uneinheitlich erfolgt, kann man sicher nicht davon sprechen, daß es auf diesem Gebiet bereits wirklich alle Fälle abdeckende verläßliche Studien gibt, zumal Ernährungsgewohnheiten und Nahrungsergänzungsmittel eine weitere große Rolle spielen (vgl. Metallmethylierung und Alpha-Liponsäure).
Hinzu kommt, daß Abmagerungsdiäten durch Abbau von Körperfett auch eingelagertes Quecksilber wieder mobilisieren, deren weiteres Schicksal auch schwer vorherzubestimmen ist (lagert es sich ins durch Fasten 'ausgehungerte' Hirn-Fettgewebe um oder wird es eher ausgeschieden?). Jedenfalls viel Spaß beim Suchen belastbarer, methodisch einwandfreier Studien, denn es gibt wohl ganz unterschiedliche Quecksilberdepots.
Die größte Gefahr allerdings, und die m.E. von Patienten und Ihren Dentisten unterschätzteste, ist der Eintrag von Amalgam in den Verdauungstrakt bei der gutgemeinten Gebiß-Sanierung und das Einatmen während der Prozedur!
Denn hier gibt es spezielle Rückhaltetechniken, die lt. zahnmedizinischen Leitlinien zwingend vorgeschrieben sind, jedoch häufig nicht eingehalten werden. Da hilft auch kein "Spülen Sie mal kräftig aus" ... hinterher, denn die versprengten Amalgam-Partikelchen sind da längst im hinteren Rachenraum und der Speiseröhre verschwunden und werden unwillkürlich verschluckt.
Man könnte gar zum Schluß kommen, daß -über das gesamte Patientenleben betrachtet- mancher, der sich sein Gebiß hat "amalgamfrei" machen lassen, in diesem Zuge die größte Menge (gebundenes) Quecksilber in seinen Körper eingeführt hat, die ihm davor und danach jemals wieder begegnen kann.
Gibt es auch positives zu sagen über Amalgam? Zum einen ist sicher nicht zu unterschätzen, daß Amalgamfüllungen über nun bald zwei Jahrhunderte zu einer erschwinglichen Zahnreparatur bei Bevölkerungskreisen beigetragen haben, die sich etwas anderes hätten gar nicht leisten können, und da Zahnstatus und Lebenserwartung/Überlebensfähigkeit deutlich korrelieren, und die durchschnittliche Lebenserwartung auch und gerade in Ländern mit hohem Anteil an Amalgamfüllungen überproportional gestiegen ist, darf man annehmen, daß sich die negativen Auswirkungen geringer ausgewirkt haben, als die damit verbundenen sonstigen positiven.
Zudem gab es und gibt es z.T. heute noch andere Expositionsquellen für Quecksilber, denen Menschen in z.T. weit stärkerem Maße ausgesetzt sind. Hier eine bei weitem nicht vollständige beispielhafte Aufzählung:
1) Die Belastung durch Quecksilber in Kinderzimmern bei Kindern in frühen Jahren dürfte bis vor gar nicht allzulanger Zeit erheblich gewesen sein (und wurde evtl. fälschlich dem Zahn-Amalgam angelastet): Ein zerbrochenes Quecksilber-Fieberthermometer verspritzt Dutzende bis hunderte kleinste Quecksilberküglechen auf den Fußboden. Diese landen in Teppichen und, ggf. noch schlimmer, verschwinden in den Ritzen der vor allem früher üblichen Dielenfußböden. Zerbrochen sind sie häufig beim 'Zurückschütteln' der Quecksilbersäule, etwa durch Zusammenstoß mit Tischkante oder Stuhllehne. Zwar gibt es ein probates Mittel, Quecksilber mittels Schwefelblüte sofort zu schwärzlichem festem Quecksilbersulfid zu binden (die Reaktion läuft bei Zimmertemperatur fast vollständig quantitativ und von alleine ab - aber a) wer weiß das schon (Kindermädchen, wie früher sogar ohne Hauptschule?) und b) wer hat vorsorglich Schwefelblüte im Hause und c) findet es dann auch wieder und weiß, wie man damit umgeht etc. pp.? (Man hätte auch früher schon Alkohol-Thermometer nehmen können, erkennbar am roten statt silbrigen 'Faden', aber das ist nicht auf ein Zehntel-, sondern nur auf ein Fünftelgrad 'genau' - tja, und bei den üblicherweise ohnehin ungeeichten Thermometern war das bestimmt ein entscheidender Vorteil bei der raschen Diagnose febriler Erkrankungen?! Unausdenkbar, wenn man dem Kind fälschlich eine Entschuldigung geschrieben hätte wegen 'Fieber' [eine verbreitete Schul-Zoonose], wo es doch vielleicht nur 'erhöhte Temperatur' hatte - die sich aber in zugigen Turnhallen ohne trainingsgerechtes Aufwärmen ohnehin von jedem Sport'didakten' zu einem Fieber steigern läßt inkl. Ansteckung der restlichen Klasse. Nennt man Kulturgeschichte.)
2) Die Belastung durch Quecksilber-Immission in der Luft durch städtische Krematorien. Während nämlich die unterbezahlten Krematoriums-Mitarbeiter bei Goldplomben zuverlässig dafür sorgen, daß sie nicht Opfer der Flammen werden (strafloses Aneignen einer herrenlosen Sache - und wozu braucht Omma im Jenseits Goldplomben, während im Diesseits damit die Schnapsinsdustrie alimentiert werden könnte?), werden Amalgam-Plomben im Leichnam belassen und als Brandopfer gen Jahwes Himmel geschickt. Der aber uns Kainsmal-gezeichneten den Dampf in Querlage zurückschickt. Wird ja nicht jeden Tag ein Heiliger kremiert. (Das entfernte Amalgam gehört übrigens auf die Sondermülldeponie.)
3) Daß Thunfisch schwerer mit Dynamit zu fangen ist, als andere Fische, ist Dynamitfischern vermutlich schon aufgefallen - das Quecksilber hält ihn unten. Nur die heutige Schleppnetzfischerei ist entsprechend effektiv und holt das Quecksilber aus den Weltmeeren, was beim Plastik zögerlicher erfolgt, da das bisher noch keiner essen mag.
4) Daß Energiesparlampen nicht nur Energie woanders auszugeben gestatten, sondern vor allem Lebenszeit einsparen (durch Flimmern einerseits, durch Störstrahlung andererseits, und wen das nicht umbringt, helfen sie mit Quecksilber nach), hat sich mittlerweile herumgesprochen und man darf gespannt sein, welche Beleuchtungsysysteme eigentlich in den EU-Büros in Brüssel bevorzugt verbaut werden. Jedenfalls, wenn es um Quecksilber im Impfstoff oder um Radioaktivität in der Bundestagskantine geht, hält man sich erfreulicherweise lieber ans Vorsorgeprinzip.
5) In bestimmten Gegenden wird vermutlich heute noch Gold mit Quecksilber abgeschieden. In früheren Zeiten war dies relativ üblich und die Dämpfe wurden i.d.R. nicht vollständig rückkondensiert, so daß Gegenden, in denen Gold- und Silberscheideanstalten und Schmuckindustrie angesiedelt waren, evtl. heute noch höhere Hg-Belastungen aufweisen könnten, als andere.
6) Neben den in 1) genannten Quecksilber-Fieberthermometern gibt es Quecksilber z.B. auch in den verbreiteten Quecksilberkippschaltern oder Reed-Schaltern/Relais in elektronischen Schaltungen (und elektrischen Boilern für Badewasser, früher in fast jedem Haus) und ich möchte eigentlich nicht wissen, wieviele davon bei Hobby-Bastlern und in den früheren Radio- und Fernsehgeschäften mal zerbrachen. Spätestens im Müll-Auto jedenfalls wurden sie mit dem Rest der Volksempfängers und anderen Geräten zerquetscht. Mal seh'n, wie Schweden die Reedschalter ersetzt oder die Sparlampen.
7) Die Quecksilber-Exposition von Zahnärzten und deren medizinischem Hilfspersonal oder Mitbewohnern sollte auch nicht außer auch gelassen werden (insbes. bei der Amalgam-Entfernung!), inkl. der anschließenden Klärschlammbelastung.
Also: ob jeder Burn-Out oder jedes Constant-Fatigue-Syndrome auf Quecksilber oder nicht auch andere Noxen zurückzuführen ist, ist ohnehin schon mehr als fraglich; immer wieder werden aber auch bestimmte chronische Krankheiten wie etwa Morbus Parkinson mit Quecksilber-Belastungen in Verbindung gebracht. Ob die tatsächlich dadurch verursachten Allergien und sonstigen Symptome dann aber auf Zahn-Amalgam beruhen, dürfte angesichts obiger unvollständiger Liste ein weiteres Mal zweifelhaft sein, zumal Kunststoff-Füllungen ebenfalls allergen wirken können (und Kunststoffkleber toxisch).
Eine Haaranalyse würde jedenfalls zwar die Quecksilber- und sonstige Schwermetall-Belastung besser erkennen lassen, aber nicht feststellen können, ob das dabei gemessene Quecksilber aus Amalgam-Füllungen oder sonstigen Umweltbelastungen stammt.
Ob sich jemand neue Amalgam-Füllungen verpassen läßt, muß jeder selbst entscheiden. Anders als früher gibt es heutzutage eine wesentlich größere Vielfalt an Alternativen (wenn sie denn bezahlt werden). Daß man sie nicht zusammen mit anderen Metallen im Mund gleichzeitig tragen sollte, dürfte verständlich geworden sein (abgesehen vom dadurch u.U. elektrisch ausgelösten Zahn- und Kopfschmerz). Wer sich das Gebiß 'sanieren' und dabei Amalgam entfernen läßt, sollte a) darauf achten, daß es wirklich restlos geschieht und b) daß der Zahnarzt dabei die vorgeschriebenen Rückhaltechniken gegen Einatmen und Verschlucken fachgerecht anwendet.
Ob man darüberhinaus Methoden der 'Quecksilberausleitung' für erforderlich und für wissenschaftlich wirksam hält, ist fast eine Weltanschauungsfrage. Daß Mobilisierung von im Fettgewebe eingelagertem Quecksilber auch schaden kann und nicht nur Nutzen stiften muß, wurde auch angerissen.
Dabei wird man auch derart widersprüchliche Empfehlungen und Angaben finden, daß sich eine tiefergehende Erörterung hier verbietet, bzw. anderwärts schon geschehen ist.
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