Klarsicht? Worauf genau blickt man denn durch diese Zeilen klar?
Lieber Vanitas,
Nachdem wir dem Staatskörper das Gift des Liberalismus eingeflößt
hatten, hat sich seine ganze politische Beschaffenheit verändert; die
Staaten wurden von einer tödlichen Krankheit, der Blutzersetzung befallen;
man braucht nur das Ende ihres Todeskampfes abwarten.
Das "Gift" des Liberalismus?
Was ist denn die Alternative zu Liberalismus in dem Sinne, dass jedes Individuum als natürliche Person Träger von Rechten und Pflichten sein kann und vor dem Recht - dem Anspruch nach - gleich allen anderen Rechtsträgern zu behandeln ist?
Aus dem Liberalismus sind die konstitutionellen Staaten, die einzige
ersprießliche Regierungsform für die NichtXXXen, hervorgegangen;
Ja. Was wären die Alternativen zu einem konstitutionellen Staat, einem Staat also, der das dialektische Spannungsverhältnis zwischen Öffentlichem Recht und Privatrecht durch Verfassungsrecht zu mediieren sucht?
sie
traten an den Platz der früheren Autokratien.
Ich empfinde tiefen Dank' all' meinen Altvorderen gegenüber, die mir die Auseinandersetzung mit Autokratien durch ihre Auseinandersetzungen mit Autokratien und Totalitarismus erspart haben.
Wie Sie selbst wissen, ist
die Verfassung nichts anderes, als die Schule für Uneinigkeiten,
Misshelligkeiten, Zänkereien und dessen, was dem Staate die Kraft seiner
Individualität nimmt.
Hahaha
Meiner bescheidenen Meinung nach versteht der Verfasser original gar nichts von Dialektik. Er erkennt sie offensichtlich nicht als solche sondern nur ihre Symptome.
Der Umstand, dass "Uneinigkeiten, Misshelligkeiten und Zänkereien" in den Verfassungen berücksichtigt werden bzw. sie gerade auch sichtbar machen ("Schule") ist nicht etwa ein Fehler von Verfassungen, sondern unmittelbare Folge des stets unvollständigen Versuchs mit der Dialektik des sich gegenseitig Widersprechens und zugleich sich gegenseitig Bedingens von Öffentlichem Recht ("Staat", Zentralgewalt, Anordnung, Unterordnung) und Privatrecht ("Markt", Persönliche Freiheit, Privatautonomie, Gleichheit vor dem Recht) in einer Republik in der alltäglichen Praxis umzugehen.
Soll die Alternative allen Ernstes die "Kraft" des "Staates", bzw. die "Individualität des Staates" sein?
Die Rednerbühne und ebenso die Presse haben die
Regierungen zur Taten- und Machtlosigkeit verurteilt, und sie wurden
dadurch unnütz und überflüssig. Dadurch erst wurde das republikanische
Zeitalter möglich, und wir ersetzten den Herrscher durch die Karikatur
eines Präsidenten, den wir uns aus der Masse des Volkes, mitten aus
unseren Kreaturen und Sklaven, nahmen.
Hand auf's Herz, was ist Dir lieber: die "Karikatur eines Präsidenten" oder ein "Herrscher"?
Das war der Sprengkörper, den wir unter die NichtXXXXX oder vielmehr
unter alle nichtXXXischen Nationen legten.
Und die XXX sind blöd genug selbst eine parlamentarische Republik erschaffen zu haben?!
Wo es doch rundherum genügend Vorbilder für andere Staatsformen gegeben hätte?
In naher Zukunft werden wir die verfassungsgemäße Verantwortlichkeit der
Präsidenten einführen. Dann werden wir uns bei der Ausführung unserer
Handlungen keinerlei Schranken auferlegen, da die Verantwortung unsere
Strohpuppe tragen wird. Was liegt uns da ran, wenn die Reihen derer, die
nach Macht streben, sich lichten, und wenn Wirren entstehen, weil man
keinen Präsidenten finden kann, Wirren, die schließlich das Land
zerrütten?
Zeit wird es wohl, dass realisiert wird, dass es nichts Unpolitisches gibt.
Es gibt wohl kaum ein Statement, das politischer ist, als die Behauptung irgendetwas oder irgendjemand sei per se "unpolitisch".
Um dieses Ergebnis zu erreichen, werden wir für die Wahl solcher
Präsidenten sorgen, deren Vergangenheit irgendeinen dunklen Punkt, irgend
ein Panama aufweisen wird. Die Angst vor Enthüllungen, der Wunsch, den
schließlich jeder zur Macht gelangte Mensch hat, seine Vorrechte und die
mit seiner Stellung verbundenen Vorteile und Ehren sich zu erhalten, werden
aus ihnen treue Vollstrecker unserer Unordnungen machen.[/i]
Man kann bei jedem irgendetwas finden und im Zweifel wird irgendetwas konstruiert. Je nach den Bedingungen der Zeit. Vor einigen Jahrzehnten wäre es die Neigung zu gleichgeschlechtlicher Liebe gewesen, die genügend Angst für Rückgrat-Verbiegungen eingejagt haben dürfte usw.
Aber welche Klarsicht und Gedankenschärfe, also von grassierender
Verstandesschwäche wie öfter hier im Forum nicht die Spur ...
Klarsicht und Gedankenschärfe?
Ich erkenne wenig mehr als Frustration und politisch seichte dafür umso fatalere Träumereien in dem Text.
Gruß Vanitas
Schöne Grüße
--
BillHicks
..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.
![[[zwinker]]](images/smilies/zwinker.gif)