Die radikale Ungewissheit der Welt
Hallo Olivia,
die Erzählung
Sie erzählte mir, dass während dieses
Krieges teilweise BEWUSSTE Falschmeldungen über "Überfälle" und Morde
lanciert wurden, damit sich die Leute auch ganz sicher hasserfüllt die
Köpfe einschlugen. Dazu wurden Medien und Presse genutzt .... von allen
Seiten. Insofern darf man auch "solche" Fernseh-Veranstaltungen nur als
Propagandainstrumente verstehen, mit denen die derzeit etablierte
"Deutungshoheit" erhalten und verfestigt werden soll.
deiner Freundin zeigt, dass vor den kriegerischen Geschehnissen die mediale Berichterstattung stattfand – normalerweise berichten die Medien nach einem Ereignis. Jetzt gehen sie dem Krieg voran. Emir Kusturica: „Das Fernsehbild ist schneller als eine Kugel.“ Im zeitlichen Abstand kann dann in der Hyperrealität nicht mehr zwischen Ursache und Wirkung – den authentischen und simulierten Ereignissen – unterschieden werden. Der Versuch einer Abgrenzung zwischen wahr und falsch scheitert, weil die medialen Zeichen – Wort, Bild, Film, usw. – referenzlos sind. Die Medien und die Presse antizipieren die Wirklichkeit.
Nach Wetzel führt die Unentscheidbarkeit:
„Die Welt wird zum Anlaß ihrer photographischen und filmischen Reproduktion, und die Bilder aus aller Welt ersetzen das Weltbild. Man könnte sagen: Das Bildsein gewinnt ontologischen Vorrang vor dem Sein. Neue Medien und Computertechnologien haben uns in diese Zone der Indifferenz von Sein und Schein, Wirklichkeit und Bild katapultiert. Die Welt der Simulakra absorbiert den Schein und liquidiert das Reale.“
zwischen (historischem) Faktum und (medialer) Simulation schließlich in den vollständigen Verlust des Zugangs zu einer konkret erfahrbaren Wirklichkeit. Es ist schwer zu ertragen: Die binären Oppositionen schön/hässlich, wahr/falsch, Sinn/sinnlos, echt/gefälscht, real/imaginär, Original/Kopie oder Ursache/Wirkung sind anachronistisch und hinfällig geworden. (zitiert aus: Stefan Höltgen)
Die Ununterscheidbarkeit von Bild und Wirklichkeit, die Unvollständigkeitssätze, die Unschärferelation und die Unsicherheit der Nachschuldnersuche zeigen uns die grundlegende Ungewissheit der Welt. Die Unschärfe besagt ja, je näher das Subjekt dem Objekt kommt, desto mehr weicht es in Raum und Zeit aus – die Welt entzieht sich uns, sie spielt mit uns. Nicht wir beherrschen die Welt – nein umgekehrt: Die Welt beherrscht uns. Das bedeutet, dass deine Hoffnungen:
Das "Gleichgewicht
der Kräfte" wäre die einzige Lösung. Doch die schafft ja noch nicht
einmal die EU bei allgemein akzeptierten "Problemstellungen".
und unsere Wünsche von der Welt verweigert werden.
Gruß
Ostfriese