Entschuldigung, dass ich schon wieder mit Jean Baudrillard nerve, …

Ostfriese, Freitag, 07.10.2016, 21:07 (vor 3487 Tagen) @ Sundevil6599 Views

Hallo Sundevil

Dann habe ich das einzige gemacht, das dies verändert. Ich habe den
Zugriff auf Spiegel und Bild bei mir geblockt und ich habe mich entschieden
nie wieder so eine bekloppte Aufwiegelungsshow zu sehen, deren einziges
Ziel die Staatspropaganda und das Aufschaukeln von Emotionen ist.

… aber er gehört nun einmal zu den wichtigsten Theoretikern der Medien im 20. Jh.

Die Medien sind der entscheidende Teil des gegenwärtigen Herrschaftsapparates – symbolisiert in der Ausstattung mit ihrer Technik und ihren Häusern, die sich wie feudale Schlösser präsentieren. Sie geben Wahrnehmungsmuster, Denkschablonen und Lebensweisen vor, die uns tagtäglich eingehämmert werden und zu einer „Neuschöpfung der Wirklichkeit“ führen. Was wir jetzt akzeptieren müssen ist die fundamentale „Einseitigkeit der Kommunikation“ im Geben und Nehmen, im Sprechen und Antworten. Der Graben zwischen der Technik des Sendens und des Empfangens ist grundsätzlich in unserem Zeitalter der Simulation nicht überbrückbar! Für Jean Baudrillard ist das aus seiner Weltsicht des symbolischen Tausches – von Gabe und Gegengabe – identisch mit der Macht, die ja gemäß Paul C. Martin der menschlichen Natur widerspricht. Baudrillard formuliert es in dem Requiem für die Medien so:

„Die Macht gehört demjenigen, der zu geben vermag und dem nicht zurückgegeben werden kann.“

Im Gegensatz zu Hans Magnus Enzensberger mit seinem „Baukasten für die Theorie der Medien“ und Bertold Brecht mit seiner „Radiotheorie“, die die Utopie eines „emanzipatorischen Mediengebrauchs„ verfolgt, hält Baudrillard das Machtgefälle für nicht umkehrbar. Die Radiotheorie besagt nämlich, dass Sender und Empfänger vertauscht werden – die Empfänger eignen sich die Sender an und funktionieren sie um. Ganz gleich wer sendet und was gesendet wird, immer stehen auf der einen Seite die Sender und auf der anderen Seite die Empfänger. Die massenmediale Kommunikation ist grundsätzlich „Nicht-Kommunikation“ eine „Rede ohne Antwort“ – die Rezipienten werden mit einem Sperrfeuer an Informationen zugeschüttet. Das Machtverhältnis ist in der technischen Struktur des Mediums selbst gegründet. Das hat ja schon der kanadische Medienphilosoph Marshall McLuhan mit seinem berühmten Satz: „The medium ist the message.“ ausgesprochen, der im Sinne des Herrschaftsapparates umgeschrieben und umgedeutet werden kann zu: „Das Medium ist die Massage“ für 80 % der Bevölkerung, auf die sich gestern laut C. Leggewie das System, dessen Funktionsweise ihm im Wesentlichen wohl verborgen bleibt, stützt – die restlichen 20 % sind vernachlässigbar! Die Massenmedien sind grundsätzlich monologisch. Die Möglichkeiten der Teilnahme in Form von Leserbriefen, Telefon-Hotlines, Abstimmungen, Umfragen usw. ändern nichts – vergiss es, die Partizipation ist eine Simulation.

In dem Bewusstsein um diese Zusammenhänge, die auch nur eine Interpretation der Dinge sind, halte ich mich von den Massenmedien weitestgehend fern. Ich tue sie mir nicht mehr an.

Seit dem lebe ich viel glücklicher und zufriedener und kann auf meiner
lokalen Ebene Dinge bewirken.
Die Zeit, die ich jetzt spare, weil ich meine Langeweile nicht mehr mit
Entertainment voll stopfe, stellte natürlich ein Problem dar!
Jetzt musste ich dieses Zeitfenster natürlich mit anderen Dingen voll
stopfen. [[zwinker]]


Ich lerne jetzt Sprachen, lese Bücher, höre meinen Freunden mal zu, oder
sehe mir die guten ZDF Dokumentationen an. Zum Beispiel die zu den
Nürnberger Prozessen. Wenn man genau hin hört ist man schockiert, denn
man erfährt dort in 10 Minuten mehr
Wahrheit als in 10 Stunden Talk-"Show".

Hervorragend. Das gilt auch für mich, wie ich schon in einigen meiner Beiträge zu verstehen gegeben habe. Ich gehe nur davon aus, wie es mir geht, alles andere ist Quatsch.

Gruß

Ostfriese


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