General de Gaulle

Ostfriese, Mittwoch, 05.10.2016, 22:01 (vor 3437 Tagen) @ Inventor4693 Views

Hallo Inventor,

im Zusammenhang mit dem Versuch der Installierung von Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen auf Kuba direkt vor der Haustür der USA durch die Sowjetunion erzählt Peter Scholl-Latour in seinem Buch: „Leben mit Frankreich“ die folgenden Begebenheiten.


Ein Atomkrieg lässt sich nicht begrenzen. Da sind wir alle dran, nur
einer früher, der andere später.
Ist das vergleichbar mit der Berlin- und der Kuba Krise?

In den Augen des französischen Präsidenten war damit der Bündnisfall gegeben, obwohl die karibische Insel nicht zum strikten geographischen Bereich der NATO-Allianz gehörte und obwohl er gerade dabei war, die verpönte militärische Integration zu verlassen. De Gaulle, der es sein Leben lang nach Kräften vermieden hatte, englisch zu sprechen, sagte zu einem Gesandten des Weißen Hauses den entscheidenden Satz auf Englisch: „If there is a war, we shall be with you.“ Ähnlich war auch seine Haltung in den verschiedenen Berlin-Krisen gewesen. Als der sowjetische Botschafter Sergei Alexandrowitsch Winogradow im Sommer 1961 auf die Schrecken eines möglichen Nuklearkonflikts hinwies, erwiderte de Gaulle (S. 527):

„Eh bien, Monsieur l´Ambassadeur, dann sterben wir eben gemeinsam.“

In dem Beitrag über das Prinzip „Rückzug und Wiederkehr“, das ja auch im Forum zur Anwendung kommt, hatte ich schon auf das außergewöhnliche politische Leben von de Gaulle hingewiesen – er besaß eben die nötige Distanz zum historischen Geschehen und wohl auch zum Leben. Helmut Schmidt hatte schon recht mit seinem Hinweis, dass die heutigen Politiker und ihre Beraternetzwerke, die keine direkten Kriegserfahrungen mehr haben, nicht wissen, was sie sagen und was sie tun.

In diesem Sinne formulierte damals auch Le Monde (S. 189):

„Frankreich kann sich nicht ständig in einem Mann verkörpern, der wie ein Denkmal seiner selbst erscheint. Eine solche Situation bietet sich alle zwei bis drei Jahrhunderte einmal. Zwischendurch muß Frankreich jenen Männern überlassen werden, die der Vorstellung vom typischen Franzosen entsprechen: Männer von rundem und friedlichem Aussehen, die jedoch Charakter und Energie besitzen, Männer, hinter deren Lässigkeit und Lust am Leben sich stiller Mut, Arbeitseifer und viel gesunder Menschenverstand verbergen. Für de Gaulle ist Georges Pompidou so etwas wie sein gutes Gewissen.“

Schöne und beruhigende Grüße in den Abend

Ostfriese


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