Es geht immer noch etwas korrekter ;-)

nereus, Mittwoch, 10.08.2016, 07:58 (vor 3486 Tagen) @ DT2800 Views

Hallo DT!

Du schreibst: Um ganz korrekt zu sein: Franzi von Almsick schwamm für einen West-Berliner Verein .. (Neukölln), als sie 1992 Olympiasiegerin wurde.

Franzi war nie Olympiasiegerin, weder auf einer Einzelstrecke noch mit einer Staffel.
Das kann man auch Deiner Quelle entnehmen. [[zwinker]]

Aber der entscheidende Punkt waren und sind nun einmal die Trainer.
Wikipedia schreibt für van Almsick dazu: Seit 1996 trainierte van Almsick bei der SG Neukölln Berlin mit Cheftrainer Norbert Warnatzsch, davor beim SC Berlin mit Dieter Lindemann.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Franziska_van_Almsick

Schauen wir mal nach.
Dieter Lindemann: Im Berliner Dopingprozess 1998 wurden u.a. die Trainer Dieter Lindemann, Volker Frischke, Rolf Gläser und der Arzt Bernd Pansold angeklagt, minderjährige Schwimmerinnen gedopt zu haben. Die Verfahren gegen Lindemann und Frischke, welche die Schwimmerin Sylvia Gerasch seit 1982 mit Anabolika gedopt haben sollen, wurden wegen geringfügiger Schuld eingestellt. Der zuvor entlassene Lindemann klagte auf Wiedereinstellung und musste, da er eine Abfindung ablehnte, vom DSV wieder eingestellt werden.

Norbert Warnatzsch: Während der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking wurden Vorwürfe gegen drei vormalige Trainer der DDR, darunter Warnatzsch, bekannt, sie sollen entgegen einer abgegebenen Ehrenerklärung zur DDR-Zeit Dopingmittel an Athleten verabreicht haben. Warnatzsch war 1977 an einem Großversuch mit dem Anabolikum Oral-Turinabol an minderjährigen Nachwuchsschwimmern beteiligt. Bereits 1997 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Warnatzsch, stellte das Verfahren jedoch später wegen „geringer Schuld“ und Zahlung einer Geldstrafe wieder ein.

Also, die Sachlage ist relativ klar, auch wenn es juristisch später recht tief gehängt wurde.
Es ist auch erklärbar, warum die betreuten Sportler später diverse Satire zu Protokoll gaben.

Die Geschichte, die der Kraulspezialist Steffen Zesner, 29, den Kripo-Beamten aus Berlin vortrug, klang erstaunlich. Klar habe er von seinem damaligen Betreuer Gerd Eßer diese blauen Pillen bekommen. Aber statt sie zu schlucken, habe er sie gesammelt und "dem Trainer später zurückgegeben".

oder

Die Anekdote, die die Brustschwimmerin Sylvia Gerasch, 28, zu Protokoll gab, klang lustig. Ihr Trainer Dieter Lindemann habe ihr rosafarbene Tabletten gegeben, doch sie habe sie nicht eingenommen. Erinnern konnte sie sich, daß viele Sportler die männlichen Hormonpräparate im Trainerzimmer in ein Aquarium geworfen hätten. Darauf seien die Fischweibchen bunter geworden - die Guppys hatten sich ihren männlichen Artgenossen angeglichen.

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8761021.html

[[euklid]]

Jau, so war das damals.
Aber neben diesen vielen lustigen Begebenheiten gäbe es auch Ernsthaftes zu prüfen.
Die nachweislich gedopte Kornelia Ender schraubte den Weltrekord über Franzis Spezialstrecke, den 200 m Freistil, von 2:02,27 min (1975) auf 1:59,26 (1976).
Kristin Otto, von der sprach ich schon, schwamm auch mal Weltrekord 1984 und erreichte 1:57,75 min.
Und unser aller Lieblings-Franzi unterbot diese Zeiten 1994 mit 1:56,78 min und dann nochmals 2002 mit 1:56,64 min.

Wenn das alles ohne Pillen ging, warum hat dann einst die DDR das nötig gehabt und jetzt wieder NUR die Russen?
Methodisch und organisatorisch war damals die DDR im Hochleistungssport Weltklasse - doch leider eben nur da. [[freude]]

Und damit jetzt einmal der Stand der Dinge so richtig ins Auge springt, ziehe ich mal einen Vergleich!

Den aktuellen Weltrekord hält die Italienerin Federica Pellegrini mit 1:52,98 min, die sie 2009 schwamm, deren große Zeit aber gerade zu Ende geht.
Gestern siegte Katie Ledecky, USA in 1:53,73 Minuten.

Und nun werfen wir einen Blick auf das olympische Finale von 1972 (München) über 200 m Freistil bei den Männern, wo der legendäre Mark Spitz Weltrekord schwamm.

1 Mark Spitz USA 1:52,78
2 Steven Genter USA 1:53,73
3 Werner Lampe FRG 1:53,99
4 Michael Wenden AUS 1:54,40
5 Frederick Tyler USA 1:54,96
6 Klaus Steinbach FRG 1:56,65
7 Wladimir Bure URS 1:57,24
8 Ralph Hutton CAN 1:57,56

Mark Spitz hätte also knapp vor Pellegrini gewonnen [[freude]] , die gestrige Siegerin Ledecky hätte sich mit ihrem männlichen Kollegen Genter um die Bronzemedaille gezankt [[lach]] und Franzi hätte es immerhin mit Klaus Steinbach aufgenommen. [[top]]

Noch Fragen, Kienzle? [[zwinker]]

mfG
nereus


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