Der Beruf des Menschen ist, zu sich selbst zu kommen

nemo, Mittwoch, 20.07.2016, 10:25 (vor 3507 Tagen) @ Ikonoklast2019 Views
bearbeitet von nemo, Mittwoch, 20.07.2016, 15:37

Habe neulich ein gutes Zitat gelesen:

„Der Beruf des Menschen ist, zu sich selbst zu kommen.“

Friedrich Nietzsche

Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Man kann sich jedoch die Frage stellen,
wie es dazu kam, dass wir die Achtsamkeit verloren haben. Oder man
kann die Frage noch konkretisieren: Wie kommt es, dass wir keine Zeit
haben bei uns selbst zu sein? Wie konnten wir das vergessen?

Und dann kommt man zu dem Schluss, dass der Mensch nicht bei sich selbst
ist weil er nicht Herr seiner Sinne ist – nicht zurechnungsfähig im Grunde.

Aber dies ist ein Problem, das schon zu Zeiten von Nietzsche, Hesse und
Jung existiert hat. Es hat mit der Zeit wohl zugenommen und wurde
durch zunehmende automatische Abläufe noch verschlimmert.

Herr über seine Sinne und seine Zeit zu sein ist eine Qualität, die in
unserer Gesellschaft kaum Beachtung findet, weil diese Qualität
nicht gebraucht wird.
Es beinhaltet die Erkenntnis, dass wir die meiste
Zeit fremdbestimmt sind – gefangen in einer Maschine, die eine perfekte,
hierarchische Struktur zur Erzeugung von Geld hervorgebracht hat und
die unser Leben bestimmt. Wir leben im Grunde nicht für uns selbst,
sondern für die Interessen anderer.

Die Rückkehr zu sich selbst ist die eigentliche Revolution, die diese
Gesellschaft braucht. Wir haben das Leben nicht verstanden, weil wir
ausschließlich mit dem Verstand nach dem Lebenssinn suchen und
von ihm gesteuert werden.

Wie kann man von einem Menschen Mitgefühl erwarten, der sich
selbst vergessen hat? Der Mensch, der sich selbst vergessen hat
empfindet Achtsamkeit und Mitgefühl als Tugenden die er gerne
erlangen möchte, ohne zu ahnen, dass diese zu seiner ureigensten
Natur als Mensch gehören. Die eigenen Sinne zu gebrauchen, ist
in dieser kopfgesteuerten Gesellschaft schon zur Tugend geworden.

Gruß
nemo


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