Cohn-Bendit: "Offene Grenzen sind nicht machbar." - Und der kommende Vizekanzler will "Patriotismus ohne Deutschland"

azur, Freitag, 06.05.2016, 05:47 (vor 3570 Tagen)4921 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 06.05.2016, 06:04

Hallo allen,

auch wer ihn nicht leiden kann, wird kaum diesen Strategen übergehen können:

http://www.fr-online.de/politik/interview-cohn-bendit--integration-ist-doch-nicht-gefah...

"Auf welche Themen sollen sie setzen? Ist die ökologische Frage erledigt?

Nein, natürlich nicht. Die ökologische Frage ist nicht erledigt. Die Grünen müssen nach dem Beschluss zum Atomausstieg jetzt dafür kämpfen, dass wir aus der Kohle aussteigen. Keine Kohlekraftwerke mehr! Nur Schwarz-Grün wird in der Lage sein, aus der Kohle auszusteigen. Die SPD ist viel zu sehr mit der Kohle und der Bergarbeiter-Gewerkschaft verkoppelt."

Passend zu Steppkes Beitrag:

"Das ist ein Plädoyer für ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene nach der Bundestagswahl 2017.

Ich plädiere zunächst einmal für ein klares Wahlprogramm der Grünen. Der Ausstieg aus der Kohle muss ein Punkt sein. Schwieriger für die Grünen wird die europäische Frage sein. Der Glaube, dass Deutschland besser fahren würde, wenn es nicht europäisch denken und handeln würde: Das wird ein zentrales Thema des Wahlkampfs werden.

Müssten die Grünen im Wahlkampf nicht ganz klar gegen die Abschottungspolitik der Bundesregierung auftreten?
"

Bitte welche?

"Ja. Hinter der Abschottungspolitik steht die gesamte große Koalition, stehen sowohl CDU wie SPD. Die Grünen müssen eine intelligente Einwanderungspolitik vorschlagen. Offene Grenzen sind nicht machbar. Abschottungspolitik ist nicht machbar. Aus diesem Widerspruch heraus müssen die Grünen ihre Politik entwickeln.

Ich habe zum Beispiel nach dem Sturz von Staatspräsident Ben Ali Tunesien besucht. Die hatten einen Staatssekretär für Ein- und Auswanderung in der neuen Regierung. Mit dem habe ich lange diskutiert. Ich kannte den, weil wir die unterstützt hatten, als die noch im Knast saßen. Da habe ich den gefragt: Warum könnt ihr nicht den Menschen probeweise ein Visum geben, mit dem sie zwei-, dreimal nach Europa kommen können, um hier eine Arbeit zu finden. Solche Punkte müssen die Grünen vorschlagen: eine geregelte Einwanderung. Das Integrationsgesetz, das CDU und SPD jetzt beschlossen haben, ist unvollständig."

---> Und wieder läuft die Entmachtung der Staatsvölker unter dem Stichwort „Entwicklungspolitik“!

"Was müssen die Grünen im Wahlkampf noch betonen?

Meiner Ansicht nach muss die gesamte Entwicklungspolitik neu geregelt werden. Sie muss auf zwei Beinen gestellt werden. Das eine ist der direkte Kontakt mit Städten und Regionen vor Ort. Das zweite Bein ist aber eine Bündelung der Entwicklungspolitik auf europäischer Ebene. Die europäische Politik muss von der Austeritätspolitik weg. Wir müssen eine Antwort auf die Schuldenkrise finden."

Und dann noch ein Fingerzeig:

"Sie werden bald zur Urwahl der Spitzenkandidaten aufgerufen sein.

Da bin ich selbst gespannt. Ich finde sowohl Cem Özdemir wie auch Robert Habeck sehr gut. Beide haben etwas für sich. Meine Stimme ist noch nicht vergeben. Beide haben Erfahrung, beide haben Stil. Habeck ist einer, der besser zusammenführen kann. Er ist ein Kretschmann-Typ. Cem repräsentiert mit seiner ganzen Geschichte etwas Besonderes in Deutschland. Indiskutabel für mich ist Anton Hofreiter."

Warum?

Hofreiter ist ein guter Ökologe. Aber mit ihm als Spitzenkandidat würden die Grünen viele Wählerinnen und Wähler verlieren. Das fängt schon damit an, dass man ihn zum Teil nicht versteht. Er kann keine Empathie mobilisieren."

Diplomtisch und gewieft. Der eine Favorit bekommt 2 Sätze, der andere einen usw.

Habeck, das ist der Sonnenschein, der die Herzen der Grünen-, Linken-, Sozi*- und CDU-Wählerinnen höher schlagen lassen soll (der mit seiner Frau Bücher schreibt) und der Patriotismus ohne Deutschland sucht:
http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article7099471/Gruener-verlangt-Patriotismus...

Der Artikel ist von 2010 und darin behauptet der Grüne und Landesminister mit den Tomantenauf den Augen:

"Aber der WM-Hype hat gut gezeigt, was fehlt. Bei der Wende wurden eigentlich nur Landschaften zusammengeschlossen. Der Patriotismus hatte keine gemeinsame Idee, bis heute nicht. Der Bürger-Anspruch der Montagsdemos, gerade jetzt 20 Jahre her, ist völlig verpufft. Deutschland fehlt ein ideeller Inhalt."

Tja, da dürfte deer Verlauf der Dine aber schon etwas belehrt haben.

"WELT ONLINE: Und den könnte ein neuer Patriotismus liefern?

Habeck: Bis vor kurzem stellten sich mir bei dem Begriff eigentlich die Nackenhaare auf. Er ist verhunzt und verbraucht wegen seiner völkischen Verwendung. Aber eigentlich ist das Wort heute leer, genau wie "links" und "rechts". Also versuche ich, ihn mit Bedeutung zu füllen einen scharfen Begriff daraus zu machen. Politik ist dann weniger als Schadensbegrenzung und Technik, dafür mehr Engagement fürs Gemeinwohl."

Ach wie ist die eigenen Herkunft, Nationalität und der eigene Bezugsrahmen doch eine Pein:

"WELT ONLINE: Sie reden in Ihrem Buch auch von Patriotismus ohne Deutschland. Was heißt das?

Habeck: Die Verschränkung des Begriffs mit dem Nationalstaat war historisch. Also kann sie überwunden werden. Heute ist es nicht mehr möglich, die Probleme - Klimaschutz, Finanzkrise, Kriege - nationalstaatlich zu lösen. Heute geht es um Einsatz für das Gemeinwesen, in dem man lebt, unabhängig vom aufgeladenen Begriff der deutschen Nation.

WELT ONLINE: Sie sind 1969 geboren, und sie provozieren jetzt die 68er...
Habeck: ...ja, und von dort kommt auch der härteste Widerstand gegen meine Rehabilitation von Patriotismus. Es scheint beinahe ein Generationenkonflikt."

[[euklid]]

Aber das geht einigen schon viel zu weit: "Da werden alte linke Zöpfe abgeschnitten, alte Gräben verlassen und Scheuklappen abgelegt, dass es nur so eine Art hat." behauptet die: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2010%2F04%2F07%2Fa0113&a...

Und dafür gibt es dann gern noch einen: [[euklid]]

Habecks Buch erschien bei https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCtersloher_Verlagshaus

Allen ein schönes Wochenende!

Viele freundliche Grüße

azur


* schöner Satz: "Der Sozialdemokratie galt der BVG-Streik fortan als Paradebeispiel einer antirepublikanischen Einheitsfront von „Nazis“ und „Kozis“."

https://de.wikipedia.org/wiki/Streik_bei_der_Berliner_Verkehrsgesellschaft_1932

Der älteste Begriff dürfte der der Sozis sein, aus dessen Abgrenzung sich Nazis entwickelte (es gab ja da wüste Theorien, woher das stamme):

https://de.wikipedia.org/wiki/Sozi

https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi#Begriffsgeschichte_und_-verwendung

"Im Illustrierten Lexikon der deutschen Umgangssprache von Heinz Küpper steht 1984 – sinngemäß übereinstimmend mit dem Historical Dictionary of German Figurative Use von Keith Spalding (Oxford 1984): „Die Verkürzung ›Nazi‹ bezog sich 1903 auf die ›Nationalsozialen‹ unter Friedrich Naumann.“ Die erste bekannte Verwendung des Wortes Nationalsozialist ist laut Angaben der Sprachberatung der Universität Vechta noch älter; so wies Cornelia Berning in Vom »Abstammungsnachweis« zum »Zuchtwart«. Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin 1964, S. 138 im Deutschen Adelsblatt 1887 unter der Überschrift Fürst Bismarck der erste Nationalsozialist nach. Für den Nationalsozialisten im gegenwärtigen Sinne wurde Nazi vermutlich erstmals belegt bei Kurt Tucholsky 1923.[4]"

Wie man nach dem vorigen das Folgende schreiben kann - nunja:

"Ab etwa 1930 wurde der Ausdruck in Analogie zu Sozi (Sozialist oder SPD- bzw. SPÖ-Anhänger) schärfer distanzierend für die Anhänger Adolf Hitlers gebraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auch die Wortschöpfung Entnazifizierung, womit in erster Linie die systematische Entfernung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern gemeint war.

Der amerikanische Journalist Ron Rosenbaum meint, dass Naso eine übliche Abkürzung für Nationalsozialist gewesen sei, bis der Journalist Konrad Heiden das Wort Nazi in seinen Artikeln popularisiert habe, wohl wissend um seine angeblich negative Konnotation in Bayern.[5] Der Begriff wurde auch von den Nationalsozialisten als Selbstbezeichnung benutzt (und später unterbunden),[6] so veröffentlichte Joseph Goebbels 1927 in Elberfeld eine Schrift mit dem Titel Der Nazi-Sozi. Fragen und Antworten für den Nationalsozialisten.[7]

In realsozialistischen Systemen, beispielsweise der DDR, wurden die Worte „Nazi“ und „Nazismus“ gegenüber den eigentlichen Selbstbezeichnungen „Nationalsozialist“ und „Nationalsozialismus“ bevorzugt, vermutlich um die Verwendung des Begriffs „Sozialismus“ im Zusammenhang mit dem ideologischen Feind zu vermeiden.[8]

Die Zusammensetzung Neonazi bezeichnet heute einen Anhänger nationalsozialistischen Gedankenguts, der die Zeit des Nationalsozialismus nicht selbst erlebt hat; Altnazis haben hingegen ihre Gesinnung nach 1945 nicht abgelegt.

Begriffsverwendung im nichtdeutschen Sprachraum..."

Siehe auch die Quelle von Wiki: http://www.sprachauskunft-vechta.de/woerter/nazi.htm

(http://www.sprachauskunft-vechta.de/links.htm

"Weitere Sprachauskunfts- und Sprachberatungsstellen

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kostenlos

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kostenpflichtig

bei der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden (Tel.: 0190-870065; 1,86 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; montags bis freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr),
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