Verzeihen?
Hallo KvS,
ein wichtiges Thema. Danke, dass du es angesprochen hast.
Aus Ohnmacht wird Hass. Wenn man etwas ohnmächtig ausgeliefert ist.
Aus Ohnmacht wird zunächst Wut. Wut will die Welt wieder ins Lot bringen, soll die Kontrolle zurück bringen.
Erst wenn das nicht gelingt, wird sie zu Hass.
Doch sind beide, Ohnmacht wie auch Wut, für Beziehungen in der Dunbar-Gemeinschaft "gemacht. Jede "Beziehung" über dise Ebene hinaus ist eine vor allem ideelle, eine erdachte. In dieer Form von Beziehung kann ich Wut nicht loswerden. Sie wird zu Hass.
Der Verlust muss persönlich und privat bewältigt werden. Rache hilft dabei nichts. Dann ist auch der Täter tot, doch mein Verlust ist immer noch da.
will man sich rächen, dann beginnt man zu hassen.
Dass wir der Toten nicht gedenken, scheint mir nicht den Hass zu befeuern
Sehe ich auch so. Doch wird der Toten gedacht: Mit jedem Friedhofsbesuch oder mit dem, was du gerade tust. Nur nicht auf der Ebene von Gesellschaft jenseits Dunbar.
- wohl aber dient es dem stillen Abtöten jeglichen normalen nationalen
Empfindens -
Hier wird es kompliziert. In was für einem Krieg sind unsere Vorfahren gestorben: Was es ein nationaler? Ein völkischer? Ein religiöser? Rein national kann er nicht gewesen sein, immerhin wurde vom deutschen Staat rassischer Massenmord begangen. Ein rein rassischer war er nicht, denn in ihm kämpfte die gleiche Rasse gegeneinander. Ein rein völkischer war er nicht, denn die Regierung ermordete weite Teile des eigenen Volkes. Rein religiös war er auch nicht, denn es wurden auch Christen geschlachtet und Atheisten.
So könnte man weiter machen. Wie soll man als Gesellschaft (jenseits der Dunbargrenze) um gemeinschaftliches Trauern, um die Opfer trauern, wenn diese Gemeinschaft nicht identifizierbar ist?
das käme notgedrungen hoch, dürften wir ehrlich Trauer
über unsere Toten zeigen.
Da wir es nicht tun, entsteht da eine Lücke. Multikulti füllt diese
Lücke aus - bis das eines Tages kippt.
Vielleicht ist das der Grund, warum "Multikulti" die Lücke füllen kann: Weil es alle genannten Aspekte umfasst und deshalb so etwas Ähnliches wie Einheitlichkeit erzeugt. Antinazismus ist der kleinste gemeinsame Nenner für die verschiedenen Verstöße gegen "gemeinsame Identität", die keine positiven Identifikationen mehr übrig gelassen haben.
Deshalb bin ich ziemlich sicher: Da kippt nichts. Bevor es kippen kann, werden Opfer benötigt. "Deutsche" Opfer, die von "Deutschen" geopfert werden "als Nazis", damit "der Nazismus" auch "von uns" bewältigt wurde und nicht nur "von Außen". (Ein ähnlicher Unterschied wie Busse tun gegenüber Strafe zahlen, das Eine ist intern, das Andere extern). Erst danach ist "deutsch-irgendwas"-Trauer als kollektiv möglich.
Vielleicht ein Grund für den fanatischen Antinazismus. Dafür, das die Merkelpolitik funktioniert.
Erst mal so ins Unreine.
Grüße
Mercury
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„Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren." Ivan Illich