Paradoxon der Gegenwart
Mir geht es jetzt nicht um die Flüchtlingsströme. Ich kann auch nicht
einschätzen ob es tatsächlich "genau diese" Tätigkeit ist, die "alles"
so schlimm macht.
Das ist nur eine weitere Folge, egal ob diese nun durch Hungersnöte, pure Verzweiflung oder militärische Konflikte induziert wurden. Letztlich sind die Ursachen dafür in den westlichen Industriestaaten zu finden, und ja die Handlungen an den Märkten gehören da auch hinein.
Interessanterweise hat mich damals wohl keiner verstanden.
Das liegt wahrscheinlich eher am völligen Fehlen des Verständnises für die ganzen Zusammenhänge, und das quer durch fast alle Bevölkerungsschichten. Es ist ja z.B. auch nicht sehr einfach einen Zusammenhang zwischen Agrar-Subventionen bei uns, dem Handeln von z.B. Monsanto und Hungersnöten in Afrika zu finden. Es wird gemurrt, dass so viele Afrikaner übers Mittelmeer nach Europa schwappen, dass wir aber mit den Überschüssen unserer subventionierten Agrar-Massenproduktion die dortigen Märkte fluten und das zu Preisen, die unterhalb der Produktionskosten vor Ort liegen, wird gelinde gesagt, ausgeblendet. Wir vernichten auf diese Weise die Lebensgrundlage der dortigen Bevölkerung.
Bei militärischen Konflikten wird das Ganze etwas verzwickter, aber letztlich profitieren davon auch die Märkte, denn jedes militärische Gut benötigt zur Herstellung Rohstoffe und Halbzeuge, die dann von der zivilen Wirtschaft geliefert werden, und viele dieser Zulieferer sind in irgendeiner Art und Weise auf den Märkten aktiv.
Das eigentliche Problem ist aber die maßlose Verschuldung gerade der westlichen Industriestaaten, denn die dort anfallenden Zinsen, Zinseszinsen und die dadurch erzeugte Inflation müssen ja irgendwie erwirtschaftet werden. Volker Pispers hat das mal recht anschaulich beschrieben: Wenn man eine Lebensversicherung abgeschlossen hat mit 3-4% Rendite, dann muss der Versicherungsgeber im Grunde genommen jemanden finden, der ihm auf sein Investment 7-8% Rendite erwirtschaftet (die Versicherung will ja auch noch was verdienen). Das geht vielleicht eine zeitlang gut, aber irgendwann ist der Punkt erreicht, wo dieses System einfach nicht mehr funktioniert.
Sicher ergibt sich über Aktien und Börse auch Möglichkeiten, die auf
den ersten Blick sinnvoll erscheinen: Kleinere Firmen können so an Gelder
kommen um ihre Ideen in größerem Stil zu verwirklichen.
Nur: Ist diese Funktion nicht schon längst abgelöst worden vom
Crowdfunding? Ist Börse zu über 99% nur noch ein Spiel mit dem Motto:
"Wie werde ICH reich?", auf Kosten von anderen?
Meiner Meinung nach hat sich diese Ausprägung der Märkte überlebt. Heutzutage gibt es andere, dezentrale Möglichkeiten für junge Unternehmen z.B. über das angesprochene Crowdfunding an erforderliche monetäre Mittel zu gelangen, um Investitionen durchführen zu können. Hat nebenbei sogar noch den Vorteil, dass man direkt eine Rückmeldung über die mögliche Erfolgswahrscheinlichkeit bekommt. Die Ereignisse des Neuen Marktes wären wahrscheinlich nicht in dieser Form passiert, wäre die Finanzierung über Crowdfunding erfolgt.
In früheren Zeiten, wo es noch nicht diese extreme Vernetzung und die heutigen Kommunikationsmittel gegeben hat, waren Börsen eine gute Idee...einfach um die einzelnen Marktteilnehmer zusammen zu bekommen. Das ist heute aber obsolet.
Wer macht sich wirklich ernsthafte Gedanken zwischen dem eigenen
Investment und der Wirkung auf das große Ganze?
Ich befürchte, die Wenigsten.
Grüße,
Kaladhor
--
Ich bin nicht links, ich bin nicht rechts, ich kann noch selber denken!