Zur Erläuterung: Schlag nach bei Sophokles Antigone

Leserzuschrift, Sonntag, 14.02.2016, 12:53 (vor 3653 Tagen) @ Leserzuschrift3602 Views

Das Schöne bei den antiken Tragödien ist ja, dass dort vor über 400 Jahren vor unserer Zeitrechnung die Konflikte aufgerollt werden, die der Übergang von einer auf Familienbeziehungen gründenden Schicksals-Gemeinschaft zu staatlich organisierter Herrschaft mit sich bringt.
Kreon, der das Gesetz des Staates vertritt, verbietet Antigone, ihren im Kampf der Brüder gegeneinander gefallenen Bruder zu begraben. Damit gerät er in Gegensatz zu dem von Antigone vertretenen Gesetz der Familie, das die Bestattung, das Gedenken des Bruders verlangt - unabhängig von Sieg und Niederlage, Gewinn und Verlust, Schuld und Sühne.
Mit seinem Verbot im Sinne der Staatsraison, der Toten zu gedenken, bewirkt Kreon die Selbstvernichtung des Lebens, den Selbstmord der die Zukunft tragenden Jugend und seiner eigenen Frau, die das Leben erst hervorgebracht hat.

Sehr lehrreich, die alten Griechen, im politischen Denken von einer Entweder-Oder Strategie zum Sowohl-Als auch zu kommen. Von der Disjunktion zur Konjunktion.

LG,WL


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.