zwei Youngsters

Weiner, Samstag, 13.02.2016, 19:59 (vor 3652 Tagen) @ Mercury2784 Views

Hallo Mercury,

damals waren die beiden in ihren besten Mannesjahren und haben kraftvoll ausgelotet, wohin der Weg gehen könnte. Brzezinski ist dem Pfad der Macht gefolgt, Friedrich hat die Lehre, sprich "neutralen Boden" gewählt. Ich würde nicht sagen, er sei ein Böser geworden, vom anderen schon ...

Das Buch hat viel BlaBla, aber es bietet eine gute Systematik/Durchblick/Einblick in die Phänomene des "Politischen". Ich habe für mich die Definition, dass Politik "Handeln in der Gemeinschaft" sei, Friedrich betont eher den Prozess der Gemeinschaftsfindung. Aber es ist richtig: wenn Gemeinschaft einmal gegründet ist, wird sie durch jedes fortgesetzte (politische) Handeln ja immer neu konstituiert, quasi lebendig gehalten, selbst dann noch, wenn sie durch eine Revolution ggfs. umfassender erneuert werden muss. Und sogar wenn ich einen politischen Kampf, ggfs. Krieg gegen jemand beginne, begebe ich mich in eine Gemeinschaft mit ihm. Die Grenze wird wohl erreicht bei Phänomenen wie Massendeportationen (z.B. Assyrer und ...) und bei der radikalen Ausrottung (z.B. Mongolen und ...). Hier sind andere Menschen nur noch Objekte. Vielleicht ist im extremen Totalitarismus das ebenfalls erreicht, jedoch hat dort der Herrscher immer noch die Angst, das aus dem Objekt Mensch wieder ein Subjekt *** werden könnte. Ich werde heute Nacht oder morgen ein Zitat reinstellen, wie auch das umgangen werden kann. Nebenbei: in der zyklischen Analyse von Geschichtsprozessen ist der Gründungszeitpunkt immer ein extrem wichtiges Datum, weil ab diesem Zeitpunkt die Zyklen anfangen zu ticken ...

Das erwähnte Buch von Friedrich ist die deutsche Übersetzung eines zuerst in den USA erschienen Werkes "Man and His Government - An Empirical Theory of Politics" (1963). Genauer gesagt dessen zweiter Teil. Die ersten Kapitel es englischen Originals (1-8) sind schon 1967 erschienen als "Prolegomena der Politik".

Grüsse, Weiner

***) Unvergesslich ist mir eine Stelle in einem russischen Zukunftsroman, der in den 20er Jahren geschrieben wurde und ein totalitäres System beschreibt. Eine der Hauptfiguren ist ein GORBATSCH (Buckliger, Gezeichneter?), der immer wieder durch die Mauer "in den Westen" schlüpft und sich dort umschaut (... und 4711 mitbringt). GORBATSCH ist sich nicht sicher über die Entwicklung, die er gerade durchmacht und geht deswegen zum Arzt. Der sagt zu ihm nach einiger Untersuchung: ich glaube, bei ihnen hat sich eine Seele gebildet! Dieser Roman war echt visionär, hab leider den Namen des Autors vergessen, aber könnte ihn wieder finden ...


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