Goldpreis Fundamentalanalyse - Versuche mich daran mal - COMEX Lager sind leer!
Hallo,
auch auf die Gefahr hin, dass meine Analysen totaler Quatsch sind, versuche ich mich einmal an einer fairen Fundamentalanalyse, ohne Manipulation und mit einem Auge auf Ellis Welleninterpretation.
Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Goldbullen, die Nachfrageseite, welche zweifellos stark ist, als gegeben und feste Größe betrachten und nicht mit Dynamik rechnen können oder wollen. Darum rechnen sie uns immer wieder vor, dass doch die Nachfrage steigt, während das Angebot beständig fällt und der Preis darum steigen müsse.
Obwohl ich erst wieder seit Ende 2014, ganz vorsichtig, in Gold investiere, glaube ich auch langsam nicht mehr an die ewige Goldbullenprognose (Preise über 2.000 US$ in Kürze). Aber vielleicht ist das auch nur ein psychologischer Effekt, der am Ende eines so langen Bärenmarktes auftritt.
Darum weigere ich mich beständig, ohne Gold zu sein. Ein wenig Edelmetall (10-20%) muss sich in jedem Depot befinden.
Vorweg, ich gehöre zu der Fraktion, die beim Goldpreis um 1.000 US$ eine Möglichkeit für eine kurzfristige Bodenbildung sieht.
Fundamental: In diesem Jahr verschwanden an der COMEX 1 Mio. Unzen an physischem Gold. Weil JP-Morgan und/oder Citibank den Papiergoldmarkt unter ihre Kontrolle brachten.
Zurzeit sind bei der COMEX nur etwa 100.000 Unzen vorrätig, nach über 1 Mio. Unzen vor einem Jahr.
Die Analysten reden immer noch von hohen "Off-Exchange" Lagerbeständen. Also ich weiß nicht, ob man diese Lager mitzählen darf, da es doch eher langfristige Investitionen sind, wie Zollfreilager etc.
Die Frage: Kann sich ein Preis allein aus Papiergold Kontrakten bilden? Oder bestimmt das physische Angebot die Preise und die Papiergoldberge kopieren den nur und haben sonst keinen Einfluss?
Die physische Nachfrage ist zweifellos stark, vor allem aus China. Aber auch das Angebot durch die Goldminen ist weiterhin hoch. Viele Goldminen haben ihre Projekte, als Gold über 1.500 US$ lag, mit Kosten zwischen 900-1.200 US$ kalkuliert. Wegen der fallenden Ölpreise und Währungseffekte konnten sie die Kosten dann auf 700-1.000 US$ senken. Würde der Goldpreis auf 800 US$ fallen und dort mal ein Jahr bleiben, dann würden viele Minen dicht machen müssen.
Das würde den Preis dann wieder schnell auf 1.200-1.500 US$ bringen.
Die Alternative wäre, dass ELLI recht behält und Gold jetzt schon in Richtung 1.400 US$ springt, dann würden die Minen eine "Lebensverlängerung" bekommen und noch einmal einige Erweiterungsinvestitionen anschieben, welche die Goldkosten pro Unze weiter senken würden jedoch auch die Fördermenge erhöhen.
Das wäre dann langfristig möglicherweise wieder bearish.
Dann müsste der Goldpreis, irgendwann 2018 vielleicht, noch einmal deutlich unter 1.000 US$ fallen, um das Minenüberangebot zu beseitigen. Je länger der Goldpreis in den nächsten Monaten über 1.200 US$ verweilt, desto stärker würde dann der folgende Abverkauf. Vielleicht sogar auf 400-600 US$ pro Unze?
Das wäre dann das finale Bärenmarkttief, welches irgendwann zwischen 2018-2020 eintreten könnte.
Aber auch wiederum nicht so tief, dass Angebot und Nachfrage völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Daher 400 US$ halte ich nur für möglich, wenn alle Goldinvestoren gezwungen würden zu verkaufen. Das wäre heute noch absolut unvorstellbar. Aber wenn eine Weltrezession herrscht, der DAX Index unter 4.000 fällt und alle jammern, dann könnten auch die sichersten Reserven aufgelöst werden.
Chinas Zentralbank würde es freuen, die würden dann wohl alles aufkaufen, was es gibt.
So etwa schaut meine aktuelle Interpretation aus.
Zwischenzeitlich darf aber beim QE nichts anbrennen. Die Welt dürfte ein langsames Wachstum haben, mit Schuldenabbau und Deflation, wahrscheinlich auch in den USA. Erst wenn das Wachstum dann so schwach wäre, dass sich die ZBs noch einmal finalen Aktion entschließen, so würde ein Mega-Welt-QE Programm, das Goldpreisniveau wieder anheben.
So ungefähr sieht meine Interpretation der Edelmetallmärkte aus.
Zum Trading:
Um 1.000 US$ Gold, 15 US$ Silber und 800 US$ Platin, kaufe ich jetzt ganz langsam zu. Aber bin auch durchaus bereit, nach kleinen Anstiegen (10-20%) wieder zu verkaufen. Sollte Gold unter 1.000 US$ fallen, erwarte ich einen schnellen und schmerzvollen Ausverkauf. Wobei wahrscheinlich das Niveau um 1.000 noch einige Monate lang getestet würde, um die Verwirrung zu stiften. Darum sollte man, wenn es unter 1.000 geht, nicht gleich alles rausschmeissen, sondern ein paar Wochen abwarten, ob nicht doch noch 1.050 wiederkommen...
Darum habe ich meinen aktuellen Trading-Stop bei 1.020 US$ platziert.
Geht es langsam aber sicher unter 1.000 erwarte ich, wie besprochen, einen finalen Ausverkauf bis ca. 800 US$. Weil dann auch die Minen wahrscheinlich um 900-1.000 US$ ihre Lagerbestände endgültig raushauen müssten, um ihr Überleben noch um ein weiteres Jahr zu verlängern.
Doch wäre ich bereit, bei 800 US$ auch wieder zu kaufen. Ginge der Preis vorher auf 1.400 US$, wäre ich nicht mehr bereit, bei 800 zu kaufen, weil dies m.E. den Leidensprozess verlängern würde.
Gruss
Piter