Das Problem liegt im Schwarz-Weiß-Denken
Ich weiß genau, was Du meinst, - und sehe das Problem ähnlich. Aber es gibt alle möglichen Versionen, - die durchdacht werden müssen. Eine einfache Alternative gibt es nicht.
Was mich in meinem Leben sehr nachdenklich gemacht hat, war der Ausspruch eines guten Freundes, der schon vor einigen Jahren gestorben ist und (Gottseidank) den heutigen Zirkus nicht mehr mitbekommen hat.
Er sagte nach irgendwelchen hirnrissigen Vorfällen in Deutschland:
"Ich habe in meinem Leben vieles erlebt. Ich war aufrechter Demokrat, habe mich als Jugendlicher gegen Hitler gestellt und demonstriert, wurde dennoch eingezogen und mußte in der Wehrmacht in Rußland kämpfen. Am letzten Tag des Krieges wurde ich noch verwundet, als Sudetendeutscher anschließend von meiner Heimat vertrieben, und mußte in Deutschland ganz von vorne anfangen.
Ich habe mich in meiner Position hochgearbeitet, war stets pünktlich, fleißig und zuverlässig und habe mich in der Kommunalpolitik und auch ehrenamtlich engagiert, weil ich Demokratie und Freiheit als die höchsten Güter des Menschen betrachtet habe.
Wenn ich mir aber diese Farce ansehe, was man hier als Demokratie bezeichnet, diese Verlogenheit, dieses persönliche Verhalten von vielen Politikern zum eigenen Wohl und auf Kosten des Volkes, - dann habe ich mir schon manchmal die Frage gestellt, ob denn die Unfreiheit wirklich so schlimm war.
Um ehrlich zu sein, - ich weiß nicht mehr, aufgrund welcher Vofälle er das gesagt hat. Aber ich frage mich, was er heute dazu sagen würde.
Und das Schlimmste für mich ist: Ich beginne langsam, lang nach seinem Tod, den Mann zu verstehen.