Ich bin hier sehr unschlüssig

helmut-1, Siebenbürgen, Mittwoch, 02.12.2015, 19:32 (vor 3716 Tagen) @ azur1923 Views

Natürlich hast Du recht, was die Menschenrechte betrifft. Aber es gibt ein großes "aber":

Warum fängt man gerade jetzt an, sich darum zu kümmern? Gab es vor 20 oder 30 Jahren vielleicht keine Hinrichtungen von politischen Gegnern? Wie wars mit den Taliban? Da hat man sie (hauptsächlich von Seiten der Amis)hoffiert, solange sie gegen Rußland kämpften, hat sie mit Waffen versorgt. Nun hat sich der Spieß umgedreht, - nun bekämpft man sie.

Wie wars mit Hussein? Als er gegen den Iran in den Krieg zog, da war er den Amis recht. Als er anfing, eigene Wege zu gehen, insbesonders bei der Verrechnug mit dem Öl, dann war der Bock fett. Bei Ghaddafi wars ähnlich, , Mubarak, Assad, usw.

Gut beschrieben in der Leseprobe von "Die Chance" von Niko Nik, Seite 81 + 82.

Einmal wars der Vorwand von Massenvernichtungswaffen, dann wieder was anderes, - aber jedes Mal Lügen. Was jedes Mal der Fall war, - es wurden revolutionäre Kräfte von außen eingeschleust und unterstützt. Was blieb, - das war jedes Mal verbrannte Erde.

Nun hat man den Nahen Osten resp. die arabische Halbinsel fast fertig. Was blieb, sind die VAR, Saudi-Arabien, die Golfstaaten und natürlich der Jemen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es wieder der Anfang ist, mit dem Argument der vorgeschobenen Menschenrechte. In Wirklichkeit gehts um was ganz anderes. Aber das stellt sich erst später heraus.

Möglicherweise gehts ums Öl, - um politischen Einfluß, - wer weiß das schon. Dazu eine Ergänzung mit einem Ziztat von Egon Bahr:
"In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt." am 3. Dezember 2013 vor Schülern in der Ebert-Gedenkstätte Heidelberg

Hätten die Amis nicht im Nahen Osten aufgemischt, hätten wie heute kein Asylantenproblem. So einfach sehe ich das.

Generell vertrete ich im Gegensatz zur Gutmenschenpolitik folgende These:

Jedes Land hat die Politiker, die es verdient, - denn sie kommen nicht von einem andern Stern, sondern immer aus dem Volk selbst. So wie das Volk ist, so sind auch seine Politiker.

Wenn es Kulturen gibt, die durch Jahrhunderte eine uns fremde soziale Struktur praktiziert haben und diese gewöhnt sind, dann hat kein anderer Staat das Recht, das aus irgendeinem Vorwand heraus beenden zu wollen. Wenn die islamistischen Länder eine Scharia wollen, so laßt sie doch in Ruhe.

Wenn das Volk einmal eine Änderung will, dan wird es diese herbeiführen. Wenn es nicht durch uns geläufige demokratische Regeln geht, dann durch eine Revolution, die aber von innen herauskommt, direkt aus dem Volk, und nicht von außen aufgepropft wird. Das, was aus dem Volk entsteht, das hat auch eine Chance auf Zukunft, - weil dann Ideale dahinterstehen und keine Interessen, sowie es beim Einwirken von außen der Fall ist.

Deshalb lehne ich alles ab, was von außen unter dem Vorwand der Dämokratie in irgendeinem Land etwas verändern soll. Wenn wir mit irgendwas nicht einverstanden sind, dann können wir den Handel beschränken, oder andere Dinge, - aber mit militärischen Mitteln irgendwo einzuwirken, - direkt oder indirekt, - das kann nur in die Hose gehen. Was wir heute in Europa erleben, ist das Ergebnis davon.

Was die Ehrlichkeit beim Argumentieren mit Menschenrechten betrifft, - da kann man sich ein gutes Schauspiel bei den Chinesen betrachten. Ich lach mir immer einen Ast, wenn ich das Gemerkel beim Staatsbesuch in Peking sehe.

Nochmal zu Saudi-Arabien: Die haben vor 100 Jahren geköpft, und auch vor 50 Jahren, und heute tun sie es auch. Wer hat sich darüber 1973 u. 1974 aufgeregt, als man auf den deutschen Autobahnen Fahrrad fahren durfte? Für diejenigen, die das nicht erlebt haben, ein link:

http://www.welt.de/regionales/hamburg/article122171969/Oelkrise-1973-Leere-Tanks-und-le...

Wenn sich die Kerle nun herausnehmen, in Deutschland hunderte von Moscheen bauen zu wollen, dann sind nicht die Saudis schuld, sondern die Hornochsen, die mal öffentlich behauptet haben - " der Islam gehört zu Deutschland".

Man stelle sich das umgekehrt vor: Die Saudis würden behaupten, die christliche Religion wäre ein Teil Saudi-Arabiens. Was würde denn dann passieren? Dann würde nicht nur der Papst, sondern auch die Diözesen in Deutschland sowie die EKD ganz schnell und ganz tief in ihr Schatzkästchen greifen und alles tun, dass soviel wie nur möglich Kirchen und Klöster in dem arabischen Land gebaut werden,- von Missonaren erst gar nicht zu sprechen.

Um offen zu sein: ich versuche, mich, was die Politik und auch andere Dinge betreffen, soweit es geht, an der Wahrheit zu orientieren. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass dort weiter geköpft wird. Wenn die Amis aus ihrem Blickwinkel heraus die Politik der Saudis nicht mehr befürworten, dann ist das für mich kein Grund, auf die Straße zu gehen.


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