Gandhi und seine Sicht der Selbstverteidigung
Hallo Bernadette,
mir kommt es beinahe so vor, als wollte man uns Westlern Gandhi als bedingungslosen Pazifisten und den gewaltfreien Widerstand als Nonplusultra verkaufen und wem könnte das wohl nutzen?
Wenn man sich genauer mit Gandhi und seinen Forderungen befasst, sollte sich meines Erachtens ein differenzierteres Bild von seinen Idealen ergeben.
Hier z. Bsp.: http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/004713.html
wird u.a. aus dem Buch "Gandhi und der Begriff des Politischen" von Dieter Conrad zitiert und es gibt da eine Menge zu lesen, bis man zu diesem Auszug kommt:
"Die Sache Kampf… war… Gandhi so wichtig, dass er mehrfach betont und programmatisch für[\b] Gewalt noch eher plädierte, wenn die Alternative Unterwerfung oder passives Geschehenlassen von Unrecht sein sollte†...
"Stets aber hielt er fest, dass der Weg zur Gewaltlosigkeit über Selbstachtung und Furchtlosigkeit führt, über eine durchaus kriegerisch aufgefasste Tapferkeit, die notfalls im gewaltsamen Kampf zu erwerben und zu erhärten ist. Es geht dabei um die Sicherung des aktiven Charakters und des Wahrheitsbezuges"...
Als das fundamentalste Grundrecht definiert Gandhi das Recht auf Leben, das Recht auf Subsistenz - aber dies verbunden mit der Erfüllung der gemeinwohlbezogenen Pflichten...
Das wird an zwei überraschenden Forderungen des 11-Punkte-Programms der Unabhängigkeitserklärung des Nationalkongresses von 1930 deutlich:
der Abschaffung der Salzsteuer und
der Lizenzierung von Feuerwaffen zur Selbstverteidigung.
Letzteres ist besonders auffallend bei Gandhis Betonung der Gewaltfreiheit. Aber dabei geht es nicht nur um das Naturrecht auf Selbstverteidigung der Einzelnen, sondern um das Volksrecht auf Widerstand gegen Unterdrückung." [Auszug link Ende]
Es gibt angeblich ein Zitat von Mahatma Gandhi, welches sinngemäß besagt, dass "ein Familienvater (gefälligst
" /> seine Familie beschützen können muss und eine Gemeinde ihren Gemeindegrund und ein Staat sein Staatsgebiet". Ich habe das genaue Zitat gerade nicht gefunden, aber diese Aussage würde zu Gandhi's anderen Standpunkten, wie bei Dieter Conrad beschrieben, passen.
Zu denken, dass Gandhi Waffenbesitz oder wenn nicht anders möglich, gewaltsame Selbstverteidigung abgelehnt habe, ist genauso blauäugig, wie zu meinen, Mutter Theresa wäre eine Wohltäterin und Heilige gewesen.
Aber es passt halt gut ins Konzept der Gewalthabenden und Meinungsbildenden, den kleinen Leuten Gewaltverzicht einzutrichtern, weil sonst müssten die da oben viel mehr Angst haben.. Also warten wir weiter, weil die Demokratie und Papa, ähm, Mama's Staat und Stab werden's schon irgendwann richten, nichwahr?
Nochmal ernsthaft, Bernadette:
In Indien waren zu Gandhi's Zeiten die Wege enorm lang, also war es logisch, dass sich eine Gemeinde selber schützen können musste: Es kam einfach nicht schnell genug Hilfe und es gab mit Sicherheit Räuberbanden.
(Aber "schnell" ist relativ, denn in einer bedrohlichen und u.U. schmerzhaften Notsituation können 10 Minuten in der BRinD auch lang werden...)
Gandhi war inspiriert von Tolstoi und der Bergpredigt Jesu (siehe link) und er stand im Angesicht einer militärisch übermächtigen Besatzung und nur wegen der Aussichtslosigkeit des kämpferischen Widerstandes hat er zum gewaltlosen Widerstand und zur Selbstaufopferung für die Freiheit aufgerufen.
Nochmal sarkastisch:
Wäre ich ein mafiöser Politiker und hätte ich nur 5 Mann mit Maschinenpistolen und genug Munition und die Lage wäre am Eskalieren...
hätte ich kein Problem mit 1000 gewaltfreien Demonstranten und mit 1000 gewaltbereiten, aber unbewaffneten Demonstranten wäre das Problem nur unwesentlich größer... Also: Cui Bono?
Meine ganz ehrliche Meinung:
Wer bereit ist, für seinen Glauben - im Sinne der Bergpredigt, die ja auch Gandhi inspiriert hat - und die darin erkannte Wahrheit sein Leben zu geben, gewinnt das, was ihm Jesus in der Bergpredigt verheißt, wer sich aber nur "einfach so", weil's halt der Gandhi angeblich vorgeschlagen hat, vom nächstbesten Fanatisten töten oder verletzen lässt, ist einfach nur ein sauber programmiertes Schlachtschaf.
Eine blauäugig herbeigeführte Wehrlosigkeit und damit einhergehendes Ausgeliefertsein hat weder etwas mit Gandhi noch mit der Bergpredigt zu tun, sondern das gehört zum Programm der Matrix -> Schlachtschaf im Gutmenschenmäntelchen
Grüße,
Bonustrack, Liebeslied:
https://m.youtube.com/watch?v=ktBZWzk_PEc
und auch sehr empfohlen: Terrorlied, vom gleichen Sänger und von Jasinna bebildert