WSB (Welt Schulden Berg), 2 Alternativen, Währungsrelation, Einflussgrößen für USD

Blum, D, Mittwoch, 28.10.2015, 16:32 (vor 3745 Tagen) @ Vatapitta1675 Views

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Der Hellmeyer von der Bremer Landesbank ist richtig sauer auf seine Kollegen > von der EZB.

Er hält den Dollar angesichts der Fundamentaldaten für überbewertet.
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VG Vatapitta

Vielen Dank für diese Grafik, Vatapitta. Also eine halbe Billion steht allein für die NYSE im Feuer und drückt auf die ZB-en, damit diese die Märkte weitenrhin "absichern", an denen so viel (Wall Street Wohlstand) hängt. Die Werte für den DOW Jones, für S&P 500 werden die Quote auf Dimensionen erhöhen, die unsere Flüchtlingsfolgekosten weit in den Schatten stellen.

Natürlich muss man zugeben, dass gestiegene absolute Werte nicht heißen, die Schuldenquote sei gestiegen, weil die Vermögens- und Schuldenmasse seit 2007 um ca. 50 Billionen USD weltweit gestiegen ist. Aber die Verschuldungsfähigkeit, also die Luft, aktuelle Steigerungsraten beizubehalten, ist im Schwinden begriffen und deshalb zeigt die Darstellung sehr wohl gestiegenes Risiko an.

Zum US-Dollar und dessen Einflussgrößen möchte ich nun einige Überlegungen mit Euch teilen und bitte um kritische Kommentare. Meiner Ansicht nach ist es nämlich entscheidend, wohin das weltstaatliche Finanzmanagement will, und wohin es irgendwann nur noch kann, wenn man USD-Relationen zu anderen Währungen beurteilen möchte.

A) Prämissen

In Krisenzeiten holen Amerikaner (Pensionsfonds, Private und Unternehmen) Dollar ins Land zurück. Für amerik. Unternehmen ist das steuerlich unattraktiv gestaltet, 90% der über 200 Mrd USD Forderungen Apples liegen im Ausland. Dennoch dürfte auch in der Krise und in der Gesamtheit der Unternehmen der alte Trend weitergelten: in der Krise fließt Geld ins Heimatland, um selbst Schulden zu tilgen.

Die nach wie vor dollardominierten Auslands-Anleihen der Emerging Markets werden aufgrund US-seitiger Glattstellung somit zurückgeführt. Die absolute Verschuldung der Emerging Markets, die gleichzeitig mehrheitlich krisengeschüttelt sind, wird sich aber nicht senken lassen. Also wird es zu Umschichtungen kommen. Entweder nur zu anderen Schuldnern oder auch in andere Währungen. Die Dimensionen kann ich nicht einschätzen und die Folgen von Währungsumschichtungen auch nicht, aber politische Implikationen hätte das.

Der Sogeffekt (in die USA) und der Druck zu Umschuldungen (= Finden neuer Gläubiger), müsste den Kurs des USD treiben.

B) These: zwei antipodische Alternativstrategien streiten um Realisierung und deren widerstreitende Kräfte drücken die Währungsrelationen aus

Aufgrund der Gesamtlage (Verschuldungshöhe, Rohstoffpreisverfall, Immobilien- und Aktienblasen, Wirtschaftseinbrüchen bzw. Wachstumsschwächen weltweit, Blähungen im Finanzsektor, Realwirtschaftsdepression ...) bleiben mMn zwei relevante Möglichkeiten mit entgegengesetzten Folgen:

1) Ignoranz gegenüber umfangreichem Abschreibungsbedarf und demzufolge weiterhin Negativzinsen -> Bargeldabschaffung; Nachschuldnersuchkriege, Raubzüge, Sklavensuche - > in diesem Fall müsste der Dollar oben bleiben oder steigen. Das entspricht der aktuellen Politik, die schon erstaunlich lange vorangetrieben wird.

2a) Eingeständnis zu umfangreichen Abschreibungen, mindestens im Nichtstaatlichen Sektor (Private, Unternehmen, Finanzinstitute) und deshalb -> höhere Abschreibung der im Welthandel mehrheitlich auf Dollar lautenden Schulden -> hoher Forderungsverlust unternehmerischer amerikanischer und anderer Gläubiger; z. B. auch für Versicherungen, Pensionskassen und Private aus Deutschland oder Australien, gegenüber dem jeweiligen Ausland.

Ich meine hier noch nicht die Staatsschuldenthematik, das trifft deshalb nicht so stark China und deren US-Beziehung, sondern den Unternehmens- und Privatsektor sowie Banken, die in der Realwirtschaft verankert sind (Weniger die in der Staatswirtschaft verankerten). Die Volumina der Staatsschulden sind ja nur etwa ein Drittel aller Schulden, auch wenn wir hierüber besonders viel Lesestoff angeboten bekommen.

In diesem die Politik viel stärker beeinflussenden Fall würde eine besondere Dramatik ausgelöst.

2b) Sollten auch die größeren auslandsverschuldeten Staaten pleite gehen (... wollen, in aktuell gelebter Kultur scheint zwischen faktisch und juristisch "pleite" ein riesiger Unterschied zu bestehen und ebensolche Freiheit, selbst zu definieren, ob man pleite macht), dann haben wir noch ein krasseres Szenario. Wenn dieser Faden gerissen ist, und die großen Länder wie Portugal, USA, Spanien, Brasilien offiziell zahlungsunfähig werden, ein Dominoeffekt ergeben wird, der die Welt umstürzt. Wer in einem solchen Szenario zuerst pleite macht, hat dann ja die größten Vorteile im Vergleich zum Nächsten, weil die "Selbst-Rettungswilligen" noch ihre Taschen öffnen. Die "Retter" sind die, die mit der Option 1 unter allen Bedingungen weitermachen wollen. Diese Option halte ich aktuell für unwahrscheinlich, würde sie aber nicht ausschließen. Vor 2b kommt also 2a, weil das leichter vom Establishment zu überleben wäre. Werden große Staatsanleihen nicht mehr bezahlt, implodieren Bankbilanzen in unvorstellbarem Ausmass, kommt China in Druck, massiv zu intervenieren, sind Bürgerkriege wahrscheinlich etc.

Schon der Fall 2a) ist aber ein revolutionärer Schritt im Denken und die Grafik hat mich dazu angeregt, darüber weiterzusinnieren.

Denn wenn die Blasenmärkte hinunterrauschen, dann gibt es bei so hohen Schuldenquoten besonders starke Dominoeffekte nach unten. Interessant wäre, ob diese Schulden vor allem Unternehmen aufgebaut haben, die damit ihre eigenen Aktien kaufen wollten oder ob es vor allem Finanzakteure sind, die damit spielen. Was gefährlicher für die Realwirtschaft ist, hängt natürlich auch von den weichen Daten ab, den Regulationen und der Kraft des Lobbyismus.

Egal wie diese Details aussehen. In diesem Fall (2a und b) sehe ich den USD (und das Britische Pfund) schwächer tendieren, weil der hohe Finanzsektoranteil stark betroffen sein wird.

Ob der USD aktuell im klassischen PPP-Vergleichssinne über- oder unterbewertet ist, halte ich für weniger wichtig. Da ich uns in der Endphase eines Paradigmenwechsels sehe, eines Bruches des bestehenden Geldsystems, sehe ich die stärkeren Kräfte als die zwischen Alternative 1 und 2. 1 schiebt den USD nach oben, 2 nach unten.

Durch debitistisch erklärbaren Deflations-Druck in Richtung der Lösung 2a oder auch 2b sehe ich die Luft für das Halten der Strategie 1 immer dünner werden.

Doch die Währungs-Bewertung wird viel eher die Kräfteverhältnisse beschreiben, die zwischen 1 und 2 wirken. Man könnte fragen, wieso denn nicht ein mächtiges Land die 1 fährt und ein anderes die 2 und das so bleibt. Ich glaube, das ist nicht möglich, nicht über einen Zeitraum von 1-2 Jahren hinaus und nur unter steigender Spannung und nur unter teilweiser Abkopplung der Finanzmärkte.

Wenn mächtige Akteure das Spiel von 1 auf 2 wenden, dann müssen die anderen mitmachen. So wie jetzt alle ZBen der Welt ähnliche Strategien fahren, so werden das auch bei geänderter Zielsetzung bezüglich dem Schuldenberg alle mitspielen müssen.

Die Kräfte, die aktuell noch ideologisch wirken können, werden bald durch Fakten der Deflation, des Debitismus stärker und stärker bestimmt werden.

Ich würde mich freuen, wenn Du und andere, meine - möglicherweisen falschen - Überlegungen, unter die Lupe nähmen. Denn ich halte es auch für machtpolitisch interessant, kurz- wie langfristig, wie sich Währungsrelationen verschieben und welche Auswege Staaten in der Außenpolitik ergreifen könnten. Der aktuelle Währungswettlauf nach unten ist eine generelle und einfache Beobachtung. Sie geht vom bestehenden Systemdenken aus und verhält sich phantasielos. Wer aber welche anderen Kräfte entfesseln kann, um in diesem Wettlauf eine bessere Position zu erringen, das ist eine vertiefende und wie ich finde, dem DGF viel angemessenere Frage.

Blum

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