Reaktion der gekränkten Diva
Hallo!
Auch wenn ich mich in die Nesseln setze, aber mir fällt dazu eher gekränkte Eitelkeit und das ein, was sehr eng mit dem deutschen Grundproblem verbunden ist: Feigheit, Passivität am falschen Ort und Dem-Glauben-Schenken, der am besten schreit, klagt und/oder blendet:
„Wir kennen die Sphinx als Abbild der Großen Mutter, die quälende Fragen an diejenigen stellt, die unschuldig bleiben wollen. Auch Ödipus wollte unschuldig bleiben. Er lief von zu Hause weg, um der Prophezeiung zu entgehen, wonach er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde, und indem er davor weglief und die Schuld zu umgehen versuchte, lief er direkt in sie hinein. ...
Mit anderen Worten, wenn er nicht eine solche Höhlung, diese unnötige weibliche Schwäche, ins sich hätte, könnte sie ihn nicht quälen. Ja, man kann sagen: Wäre er stark und männlich und nicht schon infiziert – und darum schwach –, könnte sie ihm gar nichts tun. Sein Mangel an Männlichkeit zeigt sich in dem babyhaften Schrei, daß er unschuldig ist. Als ob das etwas ausmacht! Statt seine Unschuld zu beteuern, hätte er wütend werden und einen Versuch machen sollen, sich zu befreien. Statt dessen diese passive Reaktion, seine Hoffnung, daß seine Unschuld ihn retten könnte – als ob das in unserer Welt etwas nützen würde! Die christliche Lehre hat das Böse eher dahin verharmlost, daß alles in Ordnung geht, wenn man unschuldig ist. Aber das auf diese Weise mißverstandene Christentum hat uns infantil gemacht und uns der gesunden instinktiven Haltung dem Leben gegenüber beraubt, weil wir alle versuchen, unschuldige Schafe zu sein, und dann sind wir natürlich hilflos! Das ist eine bestimmte Art falscher christlicher Haltung, daß nichts passieren kann, da man ja unschuldig ist, der Schutzengel wird schon auf dich aufpassen. Aber die Realität widerspricht dieser Lehre, weil die Unschuld in dieser Welt nichts nützt, auch in der Natur nicht. Sie lädt die Räuber ein. ...
Der pseudo-philosophische Intellektualismus ist doppeldeutig, weil er, wie ich schon sagte, ein Weg ist, dem dominanten Zugriff der Mutter teilweise zu entfliehen, aber er ist unvollständig, weil er nur mit dem Intellekt unternommen wird und daher nur der Intellekt gerettet ist. Genau das kann man an der Tragödie des Ödipus-Mythos sehen, wo Ödipus den Fehler begeht, auf die Frage einzuge-hen, statt der Sphinx zu sagen, daß sie gar nicht das Recht hat, solche Fragen zu stellen, und daß er sie zusammenschlagen wird, falls sie nochmal so etwas fragt. Stattdessen gibt er eine sehr gute intel-lektuelle Antwort. Die Sphinx treibt das Spiel sehr klug weiter, indem sie scheinbar Selbstmord begeht. Er klopft sich selber auf die Schulter und – fällt direkt mitten in seinen Mutterkomplex hinein, in die tragische Zerstörung, einfach weil er die Frage beantwortete und sich dann selbst für sein Entfliehen aus der Schwierigkeit lobte. Er rettet seine geistige Männlichkeit, opfert jedoch seinen Phallus. Seine erdhafte Männlichkeit läßt er zurück, die den Lehm formt, die die Realität ergreift und gestaltet. ...
Der Augenblick der Tat ist nicht die Zeit zum Diskutieren. (Die endlosen uns aufgezwungenen Diskussionen, Fangfragen, Anwürfe und Beschuldigungen sind taktische Ablenkungsmanöver, um uns zu fesseln und zu lähmen, während der Feind weiterarbeitet und vorwärtskommt. – Anm.) ...
Er hat praktisch nichts Unrechtes getan außer eben, daß er nichts getan hat! Er hat gesündigt, indem er keine Sünde beging. Er hat nicht G E L E B T. Wenn Sie leben, sind Sie gezwungen zu sündigen; wenn Sie essen, dann können andere diese Speise nicht haben. ... Leben ist mit Schuld verbunden, und er hat dadurch, daß er nicht lebte, nicht viel aktive Schuld auf sich geladen, dagegen aber einen enormen Berg von passiver Schuld ... und das ist genauso grausam und unmoralisch wie eine sogenannte schlimme Tat.“ Marie-Louise von Franz: „Puer aeternus – Der ewige Jüngling“
Da kann er im Mitteleuropa-Konflikt nicht das Zepter an sich reißen, und schon räumt er das Feld. Hoffentlich blitzt er bei Putin auch ab!
Aber wer nicht in den Augen liest, fällt leicht herein!
viele Grüße
Orodara