Kein chinesischer Flugzeugträger vor Syrien

Leserzuschrift, Donnerstag, 01.10.2015, 13:09 (vor 3770 Tagen) @ Jermak2841 Views

Hier meine Antwort auf Jermaks Beitrag:

Da diese Behauptung inzwischen mehrfach in diesem Forum aufkam: Nein, die Liaoning (der einzige chinesische Flugzeugträger) hat weder den Suezkanal passiert, noch in Tartus festgemacht und schon gar nicht unterstützt China auf diese Weise die Russen beim Einsatz gegen den IS.

Es gibt keine einzige Meldung dazu in den chinesischen Nachrichten oder in ernstzunehmenden Blogs. Die Suez Port Authority hat auf Anfrage die Passage eines oder mehrere chinesischer Kriegsschiffe nicht bestätigt. Flugzeugträger laufen nicht alleine aus, sondern werden von einer Flotte an unterstützenden Schiffen begleitet, in der Regel etlichen Versorgungsschiffen, einigen Zerstörern und Kreuzern (insbesondere zur Luftabwehr und dem Schutz vor U-Booten) sowie wenigstens einem U-Boot. Eine solche chinesische Flotte würde riesiges Aufsehen erregen, wenn die einfach mal so ca. 8.000 km vom Heimathafen entfernt durch den Suezkanal schippern würde. Zumal die Reise dahin bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 17 Knoten rund 3 Wochen dauern würde und unter anderem an Singapur und der dortigen US-Marinebasis vorbei führen würde - auch darüber müssten sich irgendwelche Meldung finden lassen. In Vietnam, Thailand, Malaysia und Indonesien würden alle Alarmglocken auf das lauteste schrillen, wenn plötzlich ein chinesischer Flugzeugträger durch (oder nahe an) ihre(n) Hoheitsgewässer läuft.

Die ursprüngliche Meldung stammt von einer kleinen arabischen Seiten (al-Masdar al-'Arabi), die von einem chinesischen Schiff spricht und dabei ein Bild der Liaoning verwendete (inzwischen sieht man chinesische Luftabwehrraketen). Daraus machte die israelische DEBKAfiles Seite dann die Behauptung, dass es der Flugzeugträger selbst sei, der Richtung Syrien unterwegs ist. Auf deren Artikel stützen sich alle weiteren Meldungen zu dem Thema.

Die Behauptung, dass die Kampfflieger und -hubschrauber dann via dem Iran auf dem Schiff stationiert würden, ist noch absurder und bar jeder militärischen Realität: Wer gibt ihnen die Freigabe für den irakischen und/oder saudischen und/oder türkischen Luftraum und zuvor für den afghanischen bzw. turkmenischen Luftraum, um in den Iran zu gelangen? Und wer versorgt die Kampfhubschrauber mit Sprit, während des mehrere tausend Kilometer langen Transferflugs? Allein mit diesen einfachen Fragen ist die Meldung relativ sicher als Hoax zu identifiezeren.

Es tut der Qualität des Gelben Forums nicht gut, wenn einfach irgendwelche Internetbehauptungen eingestellt werden, ohne das zuvor wenigsten für 30 Sekunden selbst gedacht wird, um so zumindest den gröbsten Unfug aus dem unendlichen Meldungswust herauszufiltern.

Nichts für ungut - beste Grüße aus China
GuZhongWen (古仲文)


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