Historische Einordnung

Leserzuschrift, Samstag, 19.09.2015, 18:09 (vor 3780 Tagen) @ Ashitaka3506 Views

Hallo Ashitaka,

seit der bürgerlichen Revolution von 1848 mit der „Paulskirche“ kann ich die deutsche Geschichte als eine Folge von Perioden von 25 Jahren plus/minus einiger Jahre, was vielleicht einer Generation entspricht, betrachten, die durch große Veränderungen gekennzeichnet sind. Im Jahr 1863 beginnt der Aufstieg Bismarcks mit der ersten deutschen Reichsgründung und der „Gründerzeit“. 25 Jahre später, 1888, sehen wir die Abdankung des Reichskanzlers und die beginnende Militarisierung Deutschlands durch die folgenden Kaiser. Das führte 1913 plus/minus einiger Jahre in den 1.Weltkrieg mit dem Ende des Kaiserreiches und den folgenden europäischen Umwälzungen. 1938 haben wir den Höhepunkt des 3.Reiches mit der totalen Kapitulation und der Neuordnung Europas. 1963 erreichen wir den Höhepunkt des „Kalten Krieg“ mit der Kuba-Krise und der Vollendung des Eisernen Vorhanges in Berlin. In der Periode 1988 erleben wir die Auflösung der Sowjetunion und die 2. deutsche Einigung mit allen Konsequenzen.

Heute - weitere 25 Jahre später - sehen wir den Zerfall der Europäischen Union. Deren westlicher Teil wird durch die Völkerwanderung aus dem islamischen Bogen von Marokko bis Pakistan zu „Eurabia“ – zum arabischen Westen. Hier erkennen wir in zunehmendem Maße die Transformation, die m. E. nicht zu ändern sein wird, des lateinisch christlichen Abendlandes hin zum islamischen Morgenland, das sich in irgendeiner Form mit der Moderne auseinander setzen muss (siehe: Bassam Tibi, Der wahre Imam). Es gilt, was H. Kohl im Herbst 1989 vor der Ruine der Frauenkirche in Dresden seinem Kanzleramtsminister Seiters angesichts der unausweichlich bevorstehenden Wiedervereinigung (auf pfälzisch) sagte: „Die Birne ist geschält!“ Dagegen stemmen sich mit Recht die mittel- und osteuropäischen Staaten und Völker, die diesen Weg nicht mitbeschreiten wollen, weil ihre Geschichte stärker von der Orthodoxie des Dritten Roms in Moskau geprägt wurde.
Ob und wie weit sie Erfolg haben, wird die Zukunft zeigen.

Die ausgewiesenen Debitisten und Leser dieses Forums wissen doch um die Machttheorie von Paul C. Martin und kennen die Richtung, in die gedacht werden muss. Ich vermute, dass die Völkerwanderung nicht nur den Transferleistungen und unserer sozialen Struktur geschuldet ist und dass die auftretenden Probleme und Konflikte nicht „zu lösen“ sind - wir können nur mit und in ihnen leben und müssen sie gegebenenfalls in irgendeiner Form austragen.

Meine persönlichen Reaktionen in dieser gegenwärtigen Situation verlaufen im Sinne der Prinzipien von Matthias Horx, die ich im Faden über „Eindrücke aus dem Urlaub in MeckPomm“ verlinkt hatte: Geduld, Ruhe, Gelassenheit

Gruß
Johann


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