Zwar war das "Wiki" nicht verlinkt, aber ich hatte es schon geschrieben ... Privatschulen erhalten netto NULL Prozent ...
Warum sind dann (laut Wiki) die Kosten pro Schüler pro Jahr im Durchschnitt für staatliche Schulen geringer als die Kosten für den individuellen Benutzer einer Ersatzschule pro Jahr?
... weil der Staat nicht saemtliche Kosten erfasst, die er selbst hat mit seinen eigenen Schulen. Nur ein paar Beispiele, und das sind wirklich nur die Spitzen vieler Eisberge:
a) Eine Privatschule bekommt nach allen Regelungen, die ich kenne, in den ersten drei Jahren ... nichts (ich kenne die Regelungen fast aller 16 Bundeslaender). Voellig verfassungswidrig, aber ist so. Nichts ist nichts, und nicht etwa 90%. Weshalb ich auf solche aufgeblasenen Luegenbeutel so allergisch reagiere, die ihre Behauptungen dann noch nicht mal belegen und mich der Hybris zeihen. Wovon man (weniger als) nichts versteht, davon soll man schweigen.
Wenn (wenn!!!) alles gut geht, erhaelt eine genehmigte Privatschule also im vierten Jahr erstmals staatliche Zuschuesse. Das heisst also: im vierten Jahr, bezogen auf die vorangegangenen nicht bezuschussten Jahre, erhaelt sie nun erstmals 25% Zuschuesse (nicht verglichen mit den Kosten vergleichbarer Schulen, dazu kommen wir in b) folgende, sondern bezogen auf sich! Wenn also die staatlichen Zuschuesse nur 50% ihrer Kosten decken sollten, bekommt sie also in den ersten vier Jahren einen mageren Zuschuss von 12,5% [zwoelfeinhalb Prozent]!!!!!!!!!!!!!!!!). Im fuenften Jahr sind es dann also (drei magere, zwei halb bezuschusste Jahre) pro Jahr ca. 20%. Die vollen 50% erreicht sie nie, es sei denn, sie bestuende, die Mathematik laesst gruessen, unendlich lange!
b) Mitnichten bezuschusst der Staat aber 90% "seiner" Kosten. Das kann er gar nicht, weil er keine Buchfuehrung hat, von einer Kostenrechnung gar ganz zu schweigen!
So, nun sind aber die Kosten zwischen den Schultraegern (Gemeinden/Landkreise) und den Bundeslaendern aufgeteilt. Die kommunalen Schultraeger bezahlen die Schulgebaeude und deren Erhalt sowie die Reinigung, den Hausmeister, Strom, Heizung, Wasser usw. Das jeweilige Bundesland zahlt die Gehaelter und Pensionen des Lehrpersonals. Den Schulbus zum Schwimmbad zahlt die Gemeinde, usw.
Fragen:
Bekommt eine Privatschule einen Hausmeister oder die Fahrt zum Schwimmbad bezahlt? I.d.R. nein.
Bekommt sie ihr Gebaeude bezahlt? Scheinbar ja, aber der Baukostenzuschuss nach Laenderrecht fuer Privatschulgebaeude erfasst bei weitem nicht alle Kosten. Beispiel (nur eines, sonst kommt mir die Galle hoch): "Wir brauchen aber einen Architekten" - Antwort Kultusminister: "Wieso??? Wir haben doch auch keine Architektenkosten". Schulleitung: "Jaaaa, aber Sie haben ja ein Hochbauamt" - Kultusminister: "Das ist ja eh' da, das kostet nix ..." Aha, Hochbauamt kostet nix.
c) Dann die ganzen Behoerden-Zusatzdienstleistungen: drei Ebenen Schulverwaltung Land:
1) Staatliches Schulamt
2) Oberschulamt/Regierungspraesidium
3) Kultusministerium
Dann Kommunalebene:
4) Staedtisches Schulamt
5) Sozialdienste
Dann
6) Schulpsychologischer Dienst
Dann
7) Verschiedenste Institute auf Laenderebene, z.B. zur Curriculumsforschung, fuer Lehrerfortbildung usw.
Dann:
8) Eigener Rechtsrat ueber Rechtsaemter (die Privatschule braucht teure Anwaelte ...).
Das nur mal so, die Liste liesse sich beliebig verlaengern.
1) bis 7) erbringen nicht immer sinnvolle, qualitativ hochwertige, Leistungen, aber die vergleichbaren, die auch eine Privatschule braucht, zahlt diese stets aus eigener Tasche!!!
Halten wir also fest:
I) Die Privatschulen erhalten hoechstens 50% der vergleichbaren staatlichen Kosten - im tausendsten Jahr gerechnet.
II) In den ersten drei Jahren erhalten sie gar nichts.
III) Im vierten Jahr 12,5% pro Jahr, bis dann irgendwann 49,99999 ...% erreicht werden.
IV) Da die meisten Privatschulinitiativen innerhalb, sagen wir, eines Jahrzehnts scheitern, erhalten die meisten Privatschulen deutlich unter 50% der vergleichbaren staatlichen Kosten erstattet. Auf dem Rest bleiben haeufig die Schulgruender, die in Vorleistung getreten sind, sitzen.
V) In all der Zeit bezahlen die Schuleltern
1) den Schulplatz an der staatlichen Schule mit, den sie nicht mehr nutzen (denn sie zahlen nach wie vor dieselben Steuern!)
und
2) die "reicheren Eltern" zahlen mehrere, mindestens drei, Schulplaetze:
- den ihres eigenen Kindes an der Privatschule,
- den ihres eigenen Kindes an der Staatsschule,
- den eines Kindes weniger betuchter Eltern, den sie ueber Sozialbeitrag mit finanzieren.
Und da reden Staatsbeamte ohne Kenntnis von Prozentrechnung von 90%.
[Edit:] Und darueberhinaus sind die Privatschulkosten dann oft noch tatsaechlich hoeher, wegen kleinerer Klassengroessen, besserer Betreuungsschluessel usw., obwohl die Lehrer bei mehr Leistung oft deutlich weniger verdienen. Aber das ist "Privatvergnuegen" - einzig hier, und nirgends sonst, bin ich bereit zu akzeptieren, dass man fuer diesen "Luxus" dann auch mehr bezahlt - aus eigener Tasche. Aber dass der Staat nicht mal die Haelfte der sonstigen vergleichbaren Kosten erstattet, gleichzeitig den Eltern aber noch ihre Schulgebuehr an der Staatschule weiterhin abnimmt, ist ein bodenloser Skandal.
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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