Realitätscheck, Teil 2: Flüchtlingsansturm in München

Sylvia, Samstag, 05.09.2015, 13:30 (vor 3793 Tagen) @ Sylvia4178 Views

Ich war letzte Woche in München, genauer gesagt am Münchner Bahnhof, vor Ort um einen kleinen Realitätscheck vorzunehmen. Der erste Eindruck: Die Polizei hat das alles voll im Griff und erfüllt ihre Aufgabe souverän. Freundlich, hilfsbereit, kompetent. Ein Riesenlob an dieser Stelle!

Wenn ein Champions League Spiel ist oder das Oktoberfest, dann ist am Bahnhof manchmal mehr los. Da sind 2.000 Asylsuchende an einem Spitzentag gar nichts Besonderes mehr. Der Unterschied ist halt: Die Fußballfans fahren nach dem Spiel wieder heim, die Asylsuchenden bleiben alle hier.

Um den Münchner Bahnhof herum hat sich eine richtige „Helfer-Community“ angesiedelt. Also Leute die unbedingt irgendwie helfen wollen - und auch die nötige Freizeit dafür haben. Die Getränke, Kleidung, Spielzeug, usw. vorbei bringen und unbedingt *irgendetwas* tun wollen. Es ist aber eher so, dass dieser blinde Aktionismus den Ablauf stört, den die offiziellen Stellen wirklich gut im Griff haben.

Mit „offiziellen Stellen“ meine ich zum Beispiel Spendensortierungs- und Spendenausgabestellen. Deren Lager sind mittlerweile bis obenhin voll, so dass sie einen absoluten Annahmestopp verhängt haben. Es passt einfach nichts mehr rein. Die Leute kommen auch mit dem Sortieren nicht mehr nach. Es ist alles dabei: Kleider, Schuhe, Stofftiere, Windeln, usw. Vieles muss einfach aussortiert werden, weil kein Mensch mehr heutzutage eine alte, beige Opa-Bundfaltenhose oder einen Häkelpulli anziehen würde.

Mittlerweile sind es so viele Helfer, dass sie sich schon gegenseitig auf die Füße treten. Hilfswillige müssen sich vorher anmelden, weil es nicht genug Plätze gibt. Es werden Leute weggeschickt. Also wer mitmachen will: Vorher anmelden!

Ich habe mit ein paar dieser Helfer gesprochen. Vieles Rentner, die meisten davon Frauen. Aber auch sehr viele junge Leute. Studenten. Aber auch Berufstätige. Manche haben von ihren Arbeitgebern frei bekommen und machen das als CSR-Event (Corporate Social Responsibility). Mit T-Shirt mit Firmenlogo. Das macht sich gut fürs Firmenimage. Und im Jahresrückblick. Und wenn das Fernsehen vorbei kommt (der BR kommt wohl immer mal wieder vorbei) dann ist das doppelt gut.

Die Stimmung war allgemein sehr gut, ich möchte sogar sagen ausgelassen. Wobei das Thema an sich, also „die Flüchtlinge“, nie wirklich ein Thema war. Der gute Zweck hätte genauso gut Robbenbabies, Global Warming oder Free Tibet sein können. Die Hintergründe für den Flüchtlingsansturm, die möglichen Auswirkungen auf Deutschland und Europa, interessierten wenig. Unsere gleichgeschalteten Medien und unsere Jubelperser-Politiker scheinen da ganze Arbeit geleistet zu haben. Ich fand es, ehrlich gesagt, beängstigend wie leicht die jungen Leute sich für eine Sache gewinnen ließen, von der sie offenkundig nicht besonders viel wussten. Es muss halt nur die „gute“, die „richtige“ Sache sein.

Die Stimmung war (mein Bauchgefühl!) ähnlich wie in den Tagen nach den „Anschlägen“ am 11. September. Eine Freundin von mir arbeitete damals bei Microsoft in München. Sie erzählte mir, dass sie bei ihr im Office jetzt für die amerikanischen Kollegen sammeln würden (kein Scheiß!). Ich dachte mir damals nur: „Ja sind denn jetzt alle verrückt geworden!?“. Dieses Gefühl habe ich heute wieder. Wobei, das muss nix heißen, denn: Ich bin Pack.

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"Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral." (John Osborne)
"Der Gutmensch ist die logische Rückentwicklung des Menschen: Moral ohne Intelligenz." (unbekannt)


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