Realismus

Falkenauge, Dienstag, 14.07.2015, 14:38 (vor 3841 Tagen) @ Fidel2095 Views

Bekennende Optimisten sind genau diejenigen, die tatsächlich kein
Interesse an der Veränderung der Welt haben. Aus ihrer Sicht ist alles gut
und sie finden es im Prinzip in Ordnung, wenn alles weitergeht wie bisher:
Märkte, Technik, soziale Verhältnisse...
Umgekehrt kann deshalb gefolgert werden, dass nur Pessimisten jene Kraft
entwickeln können, tatsächlich Neues hier und heute zu gestalten.
Die Wurzel des Schöpferischen liegt nicht im blinden Glauben an eine
Zukunft, die keiner kennt und die deshalb als Fortsetzung der Gegenwart mit
anderen Mitteln gedacht wird, sondern in der Kraft, die aus der
Verzweiflung über den Weltzustand erwächst.
Dass im alltäglichen Gebrauch die Begriffe „Optimismus“ und
„Pessimismus“ so gegeläufig verwendet werden, läßt tief blicken.

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Als ausgegrenztem Pessimisten hat mich diese Schrift natürlich
interessiert.
Optimismus als Hindernis für Veränderung, wer hätte das gedacht...

Hallo Fidel,
ist das nicht etwas dialektische Wortspielerei?
Opimismus und Pessimismus sind den Begriffen nach ja Gegensätze, These und Antithese. Es kommt darauf an, die beiden Einseitigkeiten in der Synthese in eine höhere Einheit zu führen, in den Realismus, der das Negative realistisch erkennt, dabei aber nicht bleibt, sondern die realistischen Möglichkeiten der positiven Veränderung ins Auge fasst.

Die "Wurzel des Schöpferischen" liegt auch nicht "in der Kraft, die aus der Verzweiflung erwächst", sondern aus der Erkenntnis der richtigen handlungsleitenden Ideen. Dabei kann ja die Verzweiflung ein Ansporn sein, aber die Verzweiflung selbst liefert keine klaren Ideen, sie kann sogar auch lähmend, resignierend wirken.

Gruß
Falkenauge


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