Zur Gauck-Rede zum Gedenktag für Vertriebene und Flüchtlinge 20.06.15
Im Wortlaut hier nachzulesen:
http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2015/06/150620-G...
Für Interessierte auch als Pdf in englischer, polnischer und tchechischer Übersetzung dort herunterzuladen.
Es bedarf schon ein gewisses Durchhaltevermögens, sich durch dieses Traktat zu quälen.
Etwa zwei Drittel davon wird sich umfangreich mit den Flüchtlingen und Vertriebenen sowie den Folgen und Traumata im zweiten Weltkrieg befasst.
Für mich sozusagen zum weichklopfen des Zuhörers, was man aber erst im letzten Drittel der Rede erahnt.
Welche Klitterung da eventuell durchscheint, kann ich nicht beurteilen. Sachkundige in diese Thematik bitte vor.
Dann kommt der Absatz in dem das erstenmal das Wort Kultur vorkommt.
Im Folgenden bis zum Ende des Postings ist Fettschrift von mir Hervorgehobenes.
"Unbehagen gegenüber den Fremden gab es zu allen Zeiten. Wir erleben es heute, wir erlebten es nach 1945, obwohl es sich bei den Flüchtlingen um Landsleute handelte, die in derselben Kultur verankert und Teil derselben nationalen Geschichte waren. Fremd – das lernen wir daraus – ist jeweils derjenige, der neu in eine schon bestehende Gruppe hineinkommt und als Eindringling empfunden wird. Gründe für Distanz oder Ablehnung finden sich immer.
Danach wird die gelungene Integration abgefeiert:
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"Westdeutschland hat im Laufe der Jahrzehnte fast vier Millionen Flüchtlinge aus der DDR aufgenommen. Es hat zehntausenden Geflüchteten aus den kommunistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas eine neues Zuhause geboten, Flüchtlingen aus Bürgerkriegsgebieten, Militärdiktaturen und zerfallenden Staaten, ob sie Griechenland oder Türkei hießen, Iran oder Jugoslawien. Deutschland hat also viel Erfahrung mit Flüchtlingen und Vertriebenen, eine positive Erfahrung, auf die wir im öffentlichen Diskurs viel zu selten zurückgreifen."
Dann geht es weiter mit Zahlenbombardement und Beschreibung der sicherlich auch(!) wahren Leids der Flüchtlinge
Dann kommt der Beginn des Finales:
Rundumschlag:
"Die Flüchtlinge von heute sind nicht allein politische Nachfahren der Verfolgten während der nationalsozialistischen Diktatur, nicht allein Nachfahren der Vertriebenen bei Kriegsende. Sie sind auch Wahlverwandte jener verfolgten und verarmten Menschen in den Dörfern und Städten des 19. Jahrhunderts, an die Edgar Reitz in seinem Film ""Die andere Heimat"" eindringlich erinnerte. Wir haben es fast vergessen: Auch Deutschland war einmal ein Land voller verzweifelter, hoffender Auswanderer. Fast 5,5 Millionen Deutsche trieb es zwischen 1812 und 1912 trotz lebensgefährlicher Überfahrten über den Atlantik zu einem ungewissen Neuanfang in Amerika. Sie flohen vor der Not, und sie flohen vor politischer Repression und religiöser Intoleranz – so wie die Flüchtlinge und viele Migranten heute".
Es folgt ein wenig zur europäischen Verpflichtung und immerhin drei Zeilen mit Fragen:
"Wie bekämpfen wir Banden krimineller Schlepper? Wie sehen neue, sichere Formen der Anerkennung von Flüchtlingen aus? Wie werden die Flüchtlinge in Europa gerechter verteilt, wie wird in allen Mitgliedstaaten ein Asylsystem mit ähnlichen Standards aufgebaut? Wie gehen wir menschlich mit abgelehnten Asylbewerbern um?"
Die Frage nach dem praktischen Umgang wird lieber nicht gestellt.
Ganz kurz blitzt nur scheinbar Realitätssinn auf:
"Andererseits wissen wir aus jüngsten Untersuchungen, dass gegenseitige Rücksichtnahme und die Bereitschaft zur Solidarität innerhalb einer Gesellschaft auch zurückgehen können, wenn etwa die Zahl der Flüchtlinge und Zuwanderer in Ballungsräumen zu schnell und zu stark steigt oder die kulturelle Distanz allzu groß erscheint."
Sogleich wird nachgelegt:
"Zugleich dürfen wir aber die Möglichkeiten von Flüchtlingen und die Chancen für unsere Gesellschaft nicht verkennen. Erinnern wir uns daran, welch großen Anteil Flüchtlinge und Vertriebene am erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands hatten. Eben diesen Geist, der den Neuanfang sucht und die Zukunft gestalten will, erkenne ich auch bei vielen Flüchtlingen von heute."
Final-Fanfare:
"Vor 70 Jahren hat ein armes und zerstörtes Deutschland Millionen Flüchtlinge zu integrieren vermocht. Denken wir heute nicht zu klein von uns. Haben wir Vertrauen in die Kräfte, über die dieses Land verfügt."
Wer in der Rede Begriffe wie europäische, westliche oder gar deutsche (pfui) Kultur sucht, sucht vergebens.
Wer die Begriffe andere oder fremde Kultur oder Kulturkreis sucht, sucht vergebens.
Die großzügige Vermengung und Gleichsetzung der heutigen Flüchtlingsströme im Zusammenhang mit dem zweiten Weltkrieg ist schon extrem dreist.
Die Botschaft lautet:
Die Integration von Millionen Flüchtlingen des gleichen Kulturkreises in einem armen und zerstörten Nachkriegsdeutschland, welches dann auch durch diese massiv mit aufgebaut wurde, ist gelungen.
Nun muß einem reichen, wohlhabenden Deustchland auch die Integration von Millionen Flüchtlingen aus fremden Kulturkreisen gelingen.
Der Lohn wird dann ein mindestens gehaltenes und eventuell noch höheres Wohlstangsniveau sein. Erkennt es!.
Danke fürs Lesen
gruß odysseus