Ich bin in den 1940/50ern am Dorf aufgewachsen....
.........da gab es bei allen Bauern noch einen Misthaufen vor der Stalltür, der Odel (für Preußen = Jauche) rann so schön vor sich hin. Da gingen wir Kinder vom März an bis Oktober immer barfuß, auch in die Schule!
Auf den Wiesen (damals hatte noch fast jeder Bauer hinter dem Gehöft einen eingezäunten Freilauf für seine Kühe, später mit Elektrozaun gesichert) gab es Kuhfladen, da bist halt manchmal hineingetreten.
Wir machten oft aus Spaß eine Tour mit einem Schafbock zum Bach, der mochte es, von uns bespritzt zu werden. Im Mühlenbach haben wir gebadet, Krebse und Fische gefangen. Im Herbst haben wir die Kühe vom Dorf zusammengetrieben, auf die Weide, bis es dämmrig wurde.
Da haben wir unsere Kartoffelfeuer gemacht, gebraten, gegessen mit dreckigen Pfoten!
Unsere Füße waren immer dreckig, abends dann mit Seife und Wurzelbürste gewaschen.
Der Vorteil:
Beu uns gab es keinen Keuchhusten (in der Stadt schon), keine sonstigen 'Kinderkrankheiten' obwohl wir eigentlich mangelernährt waren!
Im Winter gab es manchmal eine 'Erkältung'; da schoss das Fieber hoch, nach drei Tagen Bettruhe und gründlich schwitzen war es vorbei! Auch ohne Antibiotikum (hatte damals keiner).
Aber es gab reichlich Obst, direkt vom Baum, ungespritzt, oft mit Wurm drin.
Was sind wir auf die Obstbäume geklettert; die schönen Schwarzkirschen habe ich noch in Erinnerung, die Kornäpfel, große gelbe Pflaumen usw.
Wir hatten also eine gründliche 'Schmutzimpfung'!
Die heutigen Kinder sind zu bedauern! Wissen nichts vom Landleben, werden durch dumme Mütter fast steril gehalten; ja nicht dreckig werden!
Äpfel vom Supermarkt, schon anzusehen, aber nichts drin außer Spritzmittel.
Daheim wird geputzt mit Sagrotan, ja keine Bakterie in der Wohnung.
Aber die unsichtbaren Gifte werden ohne weiteres gefressen!
Arme Kinder von 2000!
Otto
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Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben.
Tolstoi