RI: Washingtons Freunde in Deutschland wollen Verbindungen zu Russland kappen

stocksorcerer, Freitag, 17.04.2015, 16:01 (vor 3924 Tagen)4890 Views

Schöner Beitrag, der zum Ende hin richtig gut wird.

Man ahnt ja, dass da hinter geschlossenen Türen in Berlin Grabenkämpfe ausgetragen werden von blindem Gehorsam angetriebenen, vorauseilenden Transatlantikern und anderen Menschen, die ahnen, in was für eine Bredouille Washington Europa bringt, indem Europas ureigenste Interessen völlig ausgeblendet werden.

http://russia-insider.com/en/washingtons-friends-germany-trying-cut-russia-ties/5772

Obwohl die drei Kanzler vor Merkel die amtierende Kanzlerin eindringlich gewarnt hätten, dass ihr Sanktionskurs für Deutschland katastrophale Folgen haben wird, macht Merkel völlig unbeirrt weiter, heißt es da.

Auch der BDI marschiert nach Willen des Vorsitzenden Ulrich Grillo in die falsche Richtung und schickt Rundbriefe an deutsche Firmen, in denen appelliert wird, man solle die Sanktionen mittragen, komme was da wolle.

Das wollen die deutsche Industrie (übrigens ebenfalls die deutschen Landwirte) aber offenbar nicht.

Zwar sagt auch der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Eckard Cordes, man müsse der Politik das Primat überlassen zu entscheiden, was die Industrie darf und was nicht. (Witzig eigentlich, weil man gemeinhin annimmt, dass es unter vorgehaltener Hand genau umgekehrt funktioniert.) Gleichzeitig gibt er aber zu erkennen, dass die deutsche Industrie sich zu dem Russlandgeschäft bekennt und man sich quasi auf eine Art Winterschlaf eingestellt habe und die Sanktionen "aussitzen" will.
vgl.: http://www.ost-ausschuss.de/node/844

Mit Recht. Christoph Germann zitiert im Russian Insider den Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckard Cordes, dahingehend, dass nicht weniger als 300.000 Jobs in Deutschland unmittelbar mit dem Russlandgeschäft zusammen hingen. Im Handeslsblatt war übrigens in einem Beitrag in 2014 sogar von 350.000 Stellen die Rede. Denken wir an den Fliegendreck bei TTIP, dann fällt eine Entscheidung nicht schwer.

In 2014 ist das Russlandgeschäft um 20 Prozent eingebrochen. Da könnten für dieses Jahr weitere 60.000 Jobs wackeln. Das sind mal Zahlen, wo doch Arbeitsplätze ansonsten immer in der ersten Reihe bei Begründungen stehen, warum etwas "alternativlos" ist...

Jedenfalls scheint für den RI klar, dass die Zeichen nicht schlechter stünden dürften. Dass Matthias Platzeck wegen seiner Kritik zu den Folgen der Sanktionen heftig angegriffen wurde und jetzt keine Rolle mehr spielt und dass "Russlandversteher" Lothar de Maizière durch den proamerikanischen Ronald Pofalla ersetzt wurde, wertet man als klares transatlantisches Signal.

Am Ende könnte es ein verdammt langer Winterschlaf werden, wenn man die Merkel da weitermachen lässt. Ich denke, die SPD wäre gut beraten, wenn man in guter alter Tradition auf einen alten Ost-Kurs zurück schwenken würde angesichts der Wahlen im kommenden Jahr. Wenn ich nicht wüsste, dass die SPD von heute mit der von vor 30 Jahren gar nichts mehr gemein hat, hätte ich da meine Hoffnungen dran aufgehängt. So wie es ist, blicke ich recht ratlos in die graue, kalte, unheilvolle Zukunft.

Gruß stocksorcerer


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