Scheinwohlstand

Philip Marlowe, Location: Europe's Paymaster, Sonntag, 12.04.2015, 15:34 (vor 3929 Tagen) @ Fidel4064 Views

Prinzipiell liegts du mit deinen Gedanken vollkommen richtig.

Die extrem exportlastige deutsche Autoindustrie generiert einen Scheinwohlstand. Man muss sich nur klar machen, wie die Exporte finanziert werden. JEDEM Warenexport steht ein zahlungsbilanzmäßiger Kapitalexport in derselben Höhe gegenüber (vernachlässigen wir hierbei einmal die Übertragungen an das Ausland ohne Gegenleistung, z.B. Zahlungen an die EU, UN usw.). D.h. deutsche Ersparnisse (= deutscher Konsumverzicht) finanziert deutsche (Auto-)Exporte. Es werden als Resultat Forderungen (letzendlich der Kreditinstitute, welche die Exporte finanzieren) an das Ausland aufgebaut. Effekt: Die Gewinne der Autoindustrie werden privatisiert (Gewinne der AGs, Dividenden an die Aktionäre, weit überdurchschnittliche Gehälter der dort Beschäftigten inkl. jährlichem Bonus der in die zig-tausende Euro geht). Die Risiken bleiben im Finanzsystem und werden letztendlich kollektiviert, entweder direkt (Bankenbailout, siehe 2009ff.) oder indirekt (ESM, EZB).

Und je "weiter entwickelt" die Exportindustrie ist, umso schwerer ist es, sich der kollektiven Haftung zu entziehen. Würde eine erneute akute Finanzkrise ausbrechen, wäre der deutsche Export und damit ein Großteil der deutschen Wirtschaftsleistung bedroht. Sehr schön zu sehen am DAX, der sich in der diversen Krisen gerne einmal viertelt (2002ff.) bzw. halbiert (2009ff.). Es fehlt eben die stabilisierende Binnenwirtschaft (und -kaufkraft!).

Deutsche Exportindustrie (speziell Autoindustrie): Aufwärts ohne Ende bis zum (bitteren) Ende.

Gruß,
Phil.M.


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