Die Eu und die Eurokrise - eine französiche Sicht
Hallo liebe Forengemeinde,
in anderem Zusammenhang bin ich auf ein Statement von Emmanuel Todd gestoßen, welches ich Euch nicht vorenthalten möchte. Er stellt seine und damit eine französische Sicht der Dinge um Eurorettung und EU da, die sich von der offiziellen deutschen Position stark unterscheidet. Leider ist alles in englischer Sprache, allerdings ist er sehr gut zu verstehen, da er sehr langsam spricht. Das Video stammt aus Mitte 2014.
Er führt zunächst aus, daß in Frankreich niemand daran glaube, daß der Euro Bestand haben werde. Er sei keine normale Währung, da er nicht der Wirtschaft wie andere Währungen auch diene, sondern die Ökonomien der Mitgliedsländer haben ihm zu dienen. Außerdem führt er aus, daß die notwendige Basis nicht vorhanden wäre und weißt auf die z.T. gravierenden Unterschiede zwischen den Mitgliedern hin.
Als einen ganz entscheidenden Unterschied betrachtet er, daß Frankreich eine mehr individualistische Kultur im Gegensatz zu Deutschland habe, welches mehr autoritär geprägt sei. Außerdem sei die Basis der EU die Gleichheit aller Mitglieder gewesen, die sich jetzt in eine Rangordnung verwandelt habe: Griechenland am unteren Ende, darüber Portugal, Spanien, Italien, dann irgendwann Frankreich und an der Spitze Deutschland. Durch die Eurorettung unter Deutschland\'s Führung habe ein autoritärer Stil Einzug in Europa gehalten, der antidemokratisch sei. Dies sei ein gravierendes kulturelles Problem. Er sieht daher die Schwierigkeiten mit dem Euro weniger als ökonomisches denn als autoritäres, antidemokratisches Problem, welches den Bestand der gesamten EU bedrohe.
Die Behauptung, die Einführung des Euro sei unumkehrbar, sei unzutreffend. Die Konstruktion sei menschengemacht, also könnten Menschen sie auch verändern. Die Führungsschicht in Frankreich würde dies aber leugnen und die Unabänderlichkeit behaupten, weil anderenfalls sie ihre komplette Inkompetenz eingestehen müßte, was zu unkalkulierbaren gesellschaftlichen Folgen führen könnte (Revolution pp.). In Frankreich würde die Eurokrise aber als kulturelles Problem wahrgenommen werden, von dem die Führung frustierend behaupte, wegen der Unumkehrbarkeit sei hier nichts zu machen. Außerdem sei Frankreich faktisch über den Euro an Deutschland gebunden (er bezeichnet Hollande als Vizekanzler Hollande, nicht als Präsidenten der Republik). Dieses daraus folgende Nichtstun der Regierung führe zu Verwerfungen in der Republik (Front National pp.). Frankreich werde in keinem Fall über die Eurokrise seine Souveränität an Deutschland abtreten.
Es sei unerträglich in Europa, eine für jedermann offenbare kulturelle und in zweiter Linie wirtschaftliche Krise zu erleben und von der politischen Führung mantrahaft erzählt zu bekommen, man könne nichts tun hinsichtlich der offensichtlichen Fehlkonstruktion des Euro. Dies sei keine Politik, sondern Religion, es ginge um ein Glaubensmantra und nicht um rationale Entscheidungen. Soweit eine knappe Inhaltsangabe.
Todd sieht die Eurokrise also ganz anders als sie hier in Deutschland gesehen wird, insbesondere betrachtet er Deutschland als kulturelles Problem, weniger wegen der Finanzmacht, sondern mehr wegen der autoritären und antidemokratischen Tendenzen, die sich in deutscher EU-Politik breit machen würden (mir fällt dazu natürlich zunächst der Stil Schäubles pp. ein, aber auch z.B. Martin Schulz im EU-Parlament, von dem es entlarvend peinliche Videoclips in diese Richtung bei youtube gibt)). Am Besten Emmanuel Todd einmal selbst anschauen, es lohnt sich und weitet den Blick, man muß ja nicht seiner Meinung sein.
Grüße mira