Versuch, das Zeitgeschehen etwas tiefer zu fassen

Falkenauge @, Samstag, 31.12.2016, 12:11 vor 3359 Tagen 1999 Views

Die Gegenwart wird weltweit bestimmt von religiös motivierter Gewalt. Dem inneren Wesen der Religion entspricht es eigentlich, ein stilles kulturbildendes Dasein zu führen. Doch die drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und insbesondere in den USA auch das Christentum wirken stark motivierend und antreibend in den staatlich-militärischen Komplex der Macht- und Gewaltausübung hinein.

Jede Religion erhebt natürlicherweise den Anspruch, wahr und gültig zu sein. Doch ein Wahrheits-Fanatismus verführt vielfach dazu, mit Absolutheitsanspruch die jeweils eigene Religion nicht nur als wahr, sondern als universell alleine wahr und gültig und die anderen Religionen infolgedessen als Irrlehren anzusehen, die es im Auftrag Gottes und für das Seelenheil der anderen Menschen selbst zu bekämpfen gelte. Wenn dies eine geistige Auseinandersetzung bliebe, in der unter gegenseitiger Achtung um die rechte Erkenntnis gerungen wird, würde sich noch vieles relativieren und zu wechselseitiger Toleranz führen können. Das Unheil entsteht dann, wenn die Angehörigen der anderen Religionen mit Gewalt unterworfen und zu ihrem Heil gezwungen werden sollen.

Religion als das Streben nach Wiederverbindung mit einer göttlichen Welt, setzt die Trennung von ihr voraus. Die Vertreibung infolge des Sündenfalles, die in bildhafter Form Ausgangspunkt aller Religionen ist, bedeutete den Abstieg aus der paradiesischen Reinheit in die irdische Welt der Versuchungen und moralischen Abirrungen. Religion ist insofern der Weg, die Unreinheiten und moralischen Verschlechterungen des eigenen Wesens zu überwinden, zu läutern und wieder die helfende Nähe der göttlichen Welt zu erreichen. Das Entscheidende einer Religion ist daher nicht, was sie lehrt, sondern was sie durch die Übung dieser Religion im Menschen real an Wandlungen bewirkt. Die Lehre hat dazu eine hinführende und bewusstseinsbildende Aufgabe.

Das Wesen der Religion ist also der innere willentlich übende Weg der Läuterung und moralischen Vervollkommnung zu Gott. Dem stellen sich aber ständig innere Widerstände und Hindernisse entgegen. Sie zu überwinden, fordert einen immerwährenden Kampf gegen den „eigenen inneren Schweinehund“, das niedere, egoistische Selbst des bequemen Alltagsmenschen. Und das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

Wird diesem inneren Kampf nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet, wird ihm ausgewichen und gerät der „eigene innere Schweinehund“ aus dem Blick, so wendet sich der Blick nach außen und sieht den „Schweinehund“ in den Ungläubigen, die dem „falschen Glauben“ anhängen und den einzig wahren Glauben verschmähen. Äußerer Kampf und Krieg ist das furchtbare Zeichen dafür, dass der notwendige Kampf im eigenen Inneren versäumt und auf ein falsches Schlachtfeld verlagert wird, wo sich die egoistischen Zerstörungskräfte, anstatt im eigenen Innern überwunden zu werden, ungehindert austoben können und sich wechselseitig verstärken.

https://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/12/22/religion-als-krieg-oder-frieden-stifte...

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