OT: Überleben auf Reisen - Reisemedizin, Outdoor- und Survivalmedizin, Reiseapotheke, Erste Hilfe und Selbsthilfe unterwegs
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 27.12.2016, 17:39
Nach den Einführungen und Ratgebern zur Ersten Hilfe nun das etwas speziellere Thema der Reisemedizin. Generell gilt als Faustregel, z.B. in der (Kranken-) Versicherungsbranche, daß die beste medizinische Versorgung in Deutschland, der Schweiz und den USA herrscht (und auch die mit Abstand teuerste, einige asiatische 'Tiger' mögen evtl. langsam aufholen). In anderen Ländern, auch wenn sie als "zivilisiert" gelten oder OECD-Mitglied sind, darf man nicht unbedingt voraussetzen, daß z.B. innerhalb einer bestimmten gesetzlich verordneten Zeit ein Sanitäter oder gar Notarzt zur Stelle ist, noch, daß diese kompetent sind; Ausnahmen bestätigen die Regel.
Und fernab von befahrenen Wegen, etwa bei einer Alpenwanderung, darf man dieses oft für selbstverständlich gehaltene System auch nicht erwarten, auch wenn sich Bergwachten oft unter Einsatz ihres Lebens Mühe geben. Ja, es kann je nach Region gar so sein, daß die medizinische 'Bildung' des normalen Reisenden die der einheimischen 'Fachkräfte' bei weitem übertrifft, allein schon, wenn es um Fragen der Hygiene geht. In manchen Ländern gelten Infektionskrankheiten eher als Schicksal und Hygiene ist dort so gut wie unbekannt. Wenn überhaupt, dann erfolgt anschließend die Versorgung mit veralteten Antibiotika in zu geringer oder zu kurzer Dosierung und Steril-Besteck darf man bei 'Operationen' auch nicht immer erwarten.
(Dabei muß der 'Westler' aber nicht gleich überheblich werden - zu Pharaonen-Zeiten beherrschten dortige Mediziner die Trepanation in einer Weise, die im Westen erst wieder ungefähr in den 1930er Jahren erreicht wurde; auch sind aus dem afrikanischen Busch komplikationslose Hirnoperationen mit Schädelöffnung auch in der Neuzeit überliefert, die z.T. lediglich auf einem Gras- oder Blätterbett und mit Steinwerkzeugen stattfanden - Anästhesie und Wundversorgung auf einheimischen Pflanzen basierend inklusive - nur hat spätestesten die koloniale Überheblichkeit einen Großteil dieses Wissens vernichtet, und, ähnlich der Hexenverfolgung im 'christlichen' Mittelalter, die mündlichen und familiären Traditionen irreversibel gekappt. Ähnlich tradiertes Wissen kann man heute noch z.B. in Irland beim "seventh son of the seventh son" beobachten, die vor allem als begnadete 'bone setter', also Wirbel-Einrenker, bekannt und geschätzt sind, lange, bevor Chirotherapie, Osteopathie und manuelle Medizin in Europa Einzug hielten.)
Reise- und tropenmedizinische Kenntnisse lohnen sich mitlerweile auch im Inland, vgl. den Bericht des Frankfurter Gesundheitsamtes: "... das Gesundheitsamt besonders seit dem Herbst 2015 stark gefordert gewesen sei, weil es Sprechstunden und Impfprogramme organisiert habe und vermehrt Untersuchungen angefallen seien, besonders auf Tuberkulose. Zum Beispiel litt den von 2010 bis 2015 durchgeführten Untersuchungen zufolge fast ein Prozent der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge an Tuberkulose. Mehr als 20 Prozent waren mit den Tuberkulose-Bakterien infiziert, ohne erkrankt zu sein.
Dem Gesundheitsamt liegen auch Daten zur Häufigkeit multiresistenter Erreger bei Flüchtlingen vor. Im Vergleich zur Bevölkerung in Deutschland sind Asylsuchende öfter Träger solcher Erreger. Erhoben wurde dies bei Flüchtlingen, die ins Krankenhaus mussten. Die Erreger wurden in den Kliniken offenbar nicht weiterverbreitet." (Hervorhebungen von mir - es liegen also keine statistischen Daten über die Durchseuchung der gesamten Neu-Zuwandererpopulation vor, sofern diese nicht stationär aufgenommen werden mußte. Auf daß sich die Lebensspanne derer, die schon länger hier leben, derer, die nicht mehr lange hier leben und derer, die erst kürzer hier leben, angleichen mögen, so, wie neuerdings die Rentenhöhen in Ost und West, was ja auch sozial gerecht ist, da ja beide nie eingezahlt haben.)
Wer sich also auf eine Auslandsreise begibt, sollte sich nicht nur einige reisemedizinische Kenntnisse vorher aneignen, je 'weiter ab vom Schuß', desto intensiver, er/sie sollte sich auch eine für dieses Land/diese Region geeignete Reiseapotheke zulegen. Für Reisen mit Kindern wie für beruflich Reisende gelten z.T. besondere Regeln!
So sind z.B. die Impferfordernisse oft in drei Stufen eingeteilt, für:
a) den typischen Touristen, der nur kurz im Lande weilt und kaum Kontakt mit der indigenen Bevölkerung hat, weil er/sie in einer typischen Pauschalreisenden-Bettenhochburg wohnt
b) den beruflich Reisenden mit täglichem Umgang mit Einheimischen, etwa einen Service-Techniker oder Berater, der aber abends ansonsten wieder in sein Hotel zurückfindet
und
c) denjenigen, der echt 'Land und Leute' intensiv kennenlernt und mit ihnen/bei ihnen wohnt - etwa den Entwicklungshelfer oder den Baustellenleiter eines Großkraftwerks "im Busch" etc.
Während dann z.B. der Tourist aus Kategorie a) in einem bestimmten Land gar keine Impfung braucht, benötigt der Berufsreisende nach Kategorie b) evtl. dort eine Gelbfieberimpfung und der aus Kategorie c) evtl. neben der Gelbfieberimpfung noch eine nachgewiesene Malaria-Prophylaxe u.a.m.
Schon mancher ist an der Grenze wieder zurückgeschickt worden, weil er meinte "ach, da war ich doch schon mal" (ja - aber als Tourist), denn Gelbfieber- und manch andere Impfung und Malaria-Prophylaxe müssen oft Wochen vorher begonnen und z.T. amtlich bescheinigt sein. Zudem darf nicht jeder Arzt z.B. gegen Gelbfieber impfen, sondern i.d.R. nur Tropeninstitute und einige wenige speziell dafür zertifizierte niedergelassene Ärzte.
Es gibt im Internet sehr viele Seiten, auf die man beim Suchwort "Reisemedizin" stößt - meist steht da nur belangloses Allerweltswissen oder es ist z.T. gar falsch oder nur eingeschränkt gültig. Eine, wenn auch kommerzielle, Seite, die seit vielen Jahren relativ verläßliche Informationen (die meisten auch frei zugänglich) bereitstellt, ist das "Centrum für Reisemedizin" (CRM) - jede(r), der insbes. in Kategorie b) oder c) ins Ausland zu reisen gedenkt, sollte sich über sein Zielland zumindest dort informieren. Für beruflich Reisende ist ohnehin ein Handbuch unerläßlich inkl. evtl. eines Wörterbuches, mit dessen Hilfe man sich dann im Notfall auch mit medizinischen Fachtermini verständlich machen bzw. diese rückübersetzen kann (vgl. auch "Arzt-Patient-Gespräch in Bildern"). Daher hier auch der gesonderte Hinweis auf die Veröffentlichungen des CRM und "Tropenmedicus Handbuch 2016: Zur Beratung von privat und beruflich Reisenden".
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