Eine Rally um der Rally willen - mit eventuell üblen Folgen
Börsenrally um der Rally willen
Eigentlich hätte es aufgrund der mauen Lage in der Weltwirtschaft und vor allen Dingen der katastrophalen Situation im Bankenwesen keine Jahresendrally geben dürfen.
Doch da diese offenbar eine Tradition ist und für die Börsianer zum Jahresende dazugehört wie Geschenke unter dem Weihnachtsbaum, wurde eine künstliche Rally produziert.
Also eine Rally nur um der Rally willen oder anders ausgedrückt: Künstliche Geldbeschneiung der Märkte.
Zudem zeigt sich bei genauerer Betrachtung der Gewinner und Verlierer wieder einmal, dass die Kurse der Realwirtschaft - entsprechend der Weltwirtschaftslage - fallen, wohingegen die Kurse der Großbanken (mit Ausnahme einer handvoll Pleitekandidaten; mehr dazu weiter unten) - die eigentlich keinen besonderen Grund zum Jubeln haben dürften - wie Silvesterraketen davonschießen.
Wie bereits angedeutet, hätten die Börsen bis zum Jahresende bestenfalls eine Seitwärtsbewegung erlebt.
Aufgrund der seit 2011 andauernden Niedrigzinsphase gibt es eigentlich nichts zu feiern.
Zu allem Übel tut die künstliche Rally eigenartige - wenn nicht gar gefährliche - Blüten treiben.
Ausgerechnet bei der Deutschen Bank und Credit Suisse, die kurz vor Schluss stehen und dringendst eine Kapitalerhöhung bräuchten, gilt dank der Bankenrally einmal mehr das Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn".
Das kann nicht gut gehen.
Nur weil die Strafzahlungen in den USA ein wenig niedriger anfallen als ursprünglich befürchtet, heisst das noch lange nicht, dass die beiden genannten Banken damit über den Berg wären.
Allein die Deutsche Bank sitzt auf einem Schuldenberg von ca. 100.000 Milliarden US-Dollar!
Würden bei der Deutschen Bank lediglich zweieinhalb Prozent der in ihren Tresoren liegenden Derivate, die teilweise immer noch aus Schrottpapieren bestehen, ausfallen, wäre die Bank insolvent, da ihre Eigenkapitalreserven nicht ausreichen dies aufzufangen.
Daher wäre die bereits angesprochene Aufstockung dringend geboten.
Für das Jahr 2017 steht zu erwarten, dass immer mehr Großbanken ihren Weg in Staatsbesitz finden werden, wo sie dann - auf Kosten der Steuerzahler - munter rote Zahlen schreiben.
Das neueste Beispiel hierfür ist die Royal Bank of Scotland - einer der einstigen Primuse der Bankenszene.
Sic transit gloria mundi.
Und der nächste hilfsbedürftige Kandidat steht in Form der italienischen Bank Monte dei Pasci di Sienna vor der Tür.
Die bereits von der italienischen Regierung bereitgestellten 20 Milliarden Euro - aus Steuermitteln versteht sich - und die aus dem Schuldentausch stammende eine Milliarde wirken angesichts der 28 Milliarden faulen Papieren wie ein Schritt in die richtige Richtung, aber 7 Milliarden bleiben immer noch übrig.
Und da die Reichen, die bei einem Bail-in laut EU-Recht eigentlich haften müssten (und zuvor auch sehr gut verdient hatten), sich dank ihres Informationsvorsprungs längstens zurückgezogen haben, sind einmal mehr die Kleinsparer dran.
Dies ist ein weiteres Problem.
Es stellt sich die Frage, wie lange man die Kleinsparer mit Bail-ins belasten kann, zumal nicht wenige hier ihre letzten Groschen angelegt haben und diese Investments für sie lebensnotwendig sind.
Verluste derartiger Investments haben seit 2008 die Kleinsparer - nicht nur in Italien, sondern in der gesamten EU - immer und immer wieder in Existenznöte gestürzt.
Und daraus resultierend für eine Verschlechterung der Binnenkonjunktur gesorgt.
Auch eine Verbesserung der Konjunktur innerhalb der EU ist nicht zu erwarten, sondern wohl eher eine Verschlechterung.
Die Banken - die bereits in den vergangenen Jahren ihrer Rolle als Geldgeber der Realwirtschaft nicht mehr gerecht worden sind - fallen - aufgrund ihres Hängens am Staatstropf - endgültig als Geldlieferanten aus.
Ein weiteres Übel sind die - wegen der Ukraine-Krise - gegen die Russische Föderation verhängten und immer wieder verlängerten Sanktionen, mit denen die EU sich selbst mehr Schaden zufügt als Russland.
Nebenbei bemerkt hat J.P. Morgan Chase seinen Kunden empfohlen, entweder völlig aus dem Aktienmarkt auszusteigen, da dieser mit zu hohen Risiken belastet ist bzw. bei Rallies/fallenden Kursen Aktien sofort zu verkaufen.
Wenn J.P. Morgan schon so etwas rät, sollte man dies wirklich beherzigen.
Quellen:
http://boerse.ard.de/marktberichte/banken-rally-treibt-dax100.html
http://finanzmarktwelt.de/die-grosse-banken-rally-party-ist-ja-alles-so-schoen-guenstig-hier-27190/
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Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.
Abraham Lincoln