Optionen, nicht Optionsscheine!

Leserzuschrift @, Donnerstag, 22.12.2016, 16:53 vor 3368 Tagen 2396 Views

hallo Forum!

Ich bin über das Buch "Reich mit Optionen" von Rainer Heißmann gestolpert und habe auch versucht, es zu lesen und zu verstehen.
Mein Traum war, ist, und bleibt, Geld zu verdienen ohne meinen Körper mit geregelter 40- Stunden Arbeit und fehlender psychischen Erfüllung, zu belasten. Aber genug von mir.

In diesem Buch kommt sehr schnell die Sprache darauf, dass Zertifikate, Mini- Futures, Optionsscheine etc. in den USA verboten sind.
Und tatsächlich, besucht man wie im Buch beschrieben die deutsche Website von Goldman Sachs, so muss man gleich zu Beginn bestätigen, dass sich der Wohnsitz in Deutschland oder Österreich befindet. Denn das angesprochene Verbot hindert amerikanische Banken nicht, diese Produkte auf dem europäischen Markt anzubieten.

In diesem Zusammenhang spricht der Autor auch vom "Stupid german money".
Allerdings in diesem Fall nicht von deutschen Investoren, die ihre Gewinne in Hollywood- Filmen investieren anstatt in Vater Staat, sondern vom Abgrasen des europäischen Marktes mittels amerikanischer und auch europäischer Bankprodukten, die im höchstem Maße manipulierbar sind. Optionen sind das nämlich nicht! (Nicht zu verwechseln mit Optionsscheinen)

Während also der Amerikaner, von seiner Regierung geschützt, konservativ investiert und damit auch die Wirtschaft stützt, wird der dumme Deutsche mit seinen Ersparnissen an den Casinotisch gezerrt.
Wie viele Bankangestellte, nennen wir sie "Kundenberater" wissen das?
Würde sich nicht ständig ein geopolitisches Gewitter über Deutschland entladen, und uns geschichtlich Belesenen nur mehr kopfschüttelnd zu Boden blicken lassen, so könnte man sich wahrlich empören über diesen Umstand.
So aber ist es nur ein weiteres Mosaiksteinchen.

Die Moral von der Geschicht, verliere keinen Weltkrieg nicht.

Und doch möchte ich mit einer Frage schließen: Sind wir uns einig mit meiner Sichtweise?

Gruß
Flo

Reich mit Optionen?

M. S. @, Schwabenland, Donnerstag, 22.12.2016, 18:08 vor 3368 Tagen @ Leserzuschrift 2307 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 22.12.2016, 18:27

Hallo Flo!

Ich bin über das Buch "Reich mit Optionen" von Rainer Heißmann
gestolpert und habe auch versucht, es zu lesen und zu verstehen.

Und? Hast Du es verstanden?

Mein Traum war, ist, und bleibt, Geld zu verdienen ohne meinen Körper mit
geregelter 40- Stunden Arbeit und fehlender psychischen Erfüllung, zu
belasten. Aber genug von mir.

Das ist ein legitimer Wunsch. <img src=" /> Du musst für den Handel mit Optionen aber auch schon über ein gewisses Polster verfügen. Ich gehe davon aus, dass Geschäfte als Stillhalter, also Verkäufer der Optionen gemeint sind. Du musst 100 Aktien auf jeden verkauften Put prinzipiell kaufen können, und für jeden verkauften Call jeweils 100 Aktien liefern können (eine Option läuft immer auf 100 Stück Aktien).

Wenn Du also einen Put auf Apple verkaufst, musst Du 100 Apple zum Preis des Strikes kaufen können. Wenn Du einen Call darauf verkaufst, musst Du auch 100 Apple haben, um evtl. liefern zu können.

Ganz ohne Kapital kann man mit Optionen also nicht handeln, vom reich werden ganz zu schweigen.

Ich selbst betreibe lediglich diese beiden einfachen Möglichkeiten (siehe oben), als Zubrot Covered Calls auf bestehende Positionen zu verkaufen, und Puts auf Aktien zu verkaufen, die (Aktien) ich auch ganz gern im Depot haben würde. Momentan habe ich nur eine Option offen, ein verkaufter Put.

Man kassiert dann die Prämien, und muss beim Eintreten der Ausübung der Option vom Käufer die Aktien zum Strike liefern (Call), oder entgegen nehmen (Put).

Man spekuliert also eher auf den Fall, dass dies nicht passiert, und die Optionen zum Verfallsdatum wertlos werden, und man als Verkäufer die kassierte Prämie einstreicht.

Gehe doch mal auf die Seite "Easydividend". Der Christopher betreibt das ziemlich exzessiv (Einnahmen November).

edit: Ich finde es ebenfalls sinnvoll, dass es bei uns die Möglichkeiten der Zertifikate gibt. KOs finde ich ab und zu ganz prima. Ist eben kein Investieren sondern Losbude, aber legitim. Und man sollte halt wissen, was man macht.

Guten Erfolg
MS

Widerspruch

yihi @, Donnerstag, 22.12.2016, 18:11 vor 3368 Tagen @ Leserzuschrift 1877 Views

Hallo,

Ich lebe nun in den USA und arbeite bei nem Hedge Fund, fuehle mich also einigermassen qualifiziert zu kommentieren.

Ich widerspreche Deiner Sichtweise. Ich denke, mehr Auswahl ist grundsaetzlich positiv. Es ist ja nicht so, dass Du in Europa keine Optionen handeln koenntest. An der Eurex sind beispielsweise Optionen fuer die meisten europaeischen Aktien gelistet. Ich hingegen vermisse manchmal einige der europaeischen Produkte. Natuerlich gibt es viel Abzocke von Retail Kunden, aber da sollte wohl 'caveat emptor' gelten.

Gruesse
D

Schutz der Masse ist Staatsauftrag

Leserzuschrift @, Freitag, 23.12.2016, 15:36 vor 3367 Tagen @ yihi 953 Views

Hallo M.S., Hallo yihi,

"Reich werden" ist natürlich ein sehr begeisterungsfähiger Titel. Mit "Ein bisschen Geld mit etwas Gespür monatlich dazuverdienen" hätte wahrscheinlich auch ich eher zur Playstation gegriffen aus Schutz vor Langeweile.


Aber Fakt ist doch, und auch Christopher schreibt das auf seiner Homepage: "Mit Optionen wird der Handel sehr viel vorhersehbarer", um ihn hier gleich mal zu zitieren, danke M.S. für die Homepage!

Und natürlich ist immer der Käufer verantwortlich für das was er tut. Auch mein Nachbar ist verantwortlich für die Wahl von van der Bellen. Hat er nun Schläge verdient, weil er sich medial hat verblöden lassen? Euer Standpunkt ist also ja!
Aber wir wissen doch: Die Masse ist immer groß, dumm, manipulierbar. M.S., du bist nicht die Masse, yihi, du auch nicht. Und bei aller Bescheidenheit auch ich nicht. Wir erfreuen uns an den Früchten der Börse. Voraussetzungen unterschiedlichster Natur haben uns in diese Lage gebracht. Gut.
Aber bleiben wir bei der Masse, den Nichtwissenden, den "Dummen", denen die keine Zeit, kein Interesse, keine Geld, was auch immer nicht haben, um sich in unsere lukrative Lage zu versetzen.

Wie hätte denn ein Feudalherr reagiert, wenn seine Bauern von einer Bande Intriganten betrogen werden? Hätte er gesagt: "Selbst Schuld, ihr Idioten, ihr hättet nicht kaufen müssen"? oder "Bleibt eben zuhause von der dummen Feldarbeit und anstatt die Kinder zu hüten, studiert den Börsenguru"?
Oder... hätte er sie beschützt? Weil er weiß, dass nicht jeder alles wissen kann und daher vor Betrügereien nicht gefeit ist.
Was hätte ein Kaiser getan? Hätte er die "Dummen", oder "Nichtwissenden", beschützt?

Natürlich, jede fähige Staatsregierung hätte das. Und das Gerede von "caveat emptor" lasse ich für die Masse nicht gelten. Darum haben wir doch einen Rechtsstaat.

Die Tatsache, dass hier mit der Masse, die natürlich unwissend, gierig, verträumt, usw. ist, gespielt wird, zeigt doch unter anderem nur, in welchem führungslosen, korrupten Land voller Wirtschaftslobbyismus wir leben.

Ich weiß, nichts neues...

Aber damit komme ich Narr wieder zum Anfang: Optionen statt Optionsscheine, und Goldman Sachs und Deutsche Bank mögen mich am Ar*** lecken.

7, 8, Gute Nacht!

@Flo, Nachtrag Optionen mit Beispiel.

M. S. @, Schwabenland, Donnerstag, 22.12.2016, 21:31 vor 3368 Tagen @ Leserzuschrift 1740 Views

Hallo Flo,

um es nicht so trocken stehen zu lassen, hier mal ein Beispiel wie man (als Anleger/Investor) an die Geschichte ran geht.

Entweder ich habe selbst eine Aktie im Sinn, die ich mir eigentlich gern ins Depot holen würde, oder ich lese etwas wie z.B. heute hier über TUP (Tupperware Brands Corp.)

Ich schaue mir dann an, was Gurufocus zu der Aktie sagt.

Diese Aktie ist mit den derzeitigen Zahlen recht günstig zu haben, bzw. wäre jetzt ein Kauf:

[image]

Das heißt, dass eigentlich abwärts eine gewisse Absicherung besteht.

Hier nach der Discounted Cash Flow Rechnung eine Margin of Safety von ca. 20%.

[image]

Das nützt natürlich alles nix, wenn morgen ein Bilanzskandal o.ä. veröffentlicht würde. Aber gegen diese Dinge ist man immer machtlos.

Man sagt sich also, TUP wäre jetzt günstig zu kaufen, und man bekommt eine Dividenden-Aktie mit >5% Rendite. Das ist doch nicht schlecht. Prinzipiell also mein Beuteschema.

[image]

Jetzt kann ich mir die Aktie so ins Depot kaufen, oder ich verkaufe einen PUT mit sagen wir Strike 50 USD (Preis jetzt ca. 53 USD). Kann ja sein, die ist doch noch nicht "unten". Und wenn doch, dann bekomme ich sie nicht mehr zu dem Preis, habe aber die Prämie kassiert.

Dann suche ich mir z. B. diesen Put mit Verfallstag 20. Januar 2017 raus.

[image]
(Nasdaq.com)

Letzter Umsatz war zu 0,70 USD. Das heißt, ich stelle einen PUT zu dem Preis mit Limit zum Verkauf. Wenn ich einen Käufer finde, bekomme ich 100 x 0,70 USD eingebucht. Bekomme also 70 USD Prämie.

Angenommen, die Aktie schließt am 20. Januar bei einem Preis von 49 USD, dann muss ich sie trotzdem zu 50 abnehmen, kann aber noch die 70 USD verrechnen, habe also einen effektiven Kaufpreis von 49,30 USD (abzüglich der Spesen natürlich). Ich habe also einen Verlust von 0,30 USD pro Aktie dann realisiert. Aber ich wäre ja bereit gewesen, sie auch selbst zu 53 zu kaufen, dann wäre ich jetzt mit 4 USD pro Aktie im Minus.

Wenn man die Aktie zu dem PUT eingebucht bekommt mit Verlust, dann sollte man gleich einen Call verkaufen. Dann nimmt man vielleicht einen Strike bei 55 USD (also auch wieder "aus dem Geld" aufwärts). Entweder sie steigt danach nicht darüber, dann behält man wieder die Prämie und gleicht Verlust aus, oder man muss sie zu 55 (also mit Gewinn) liefern. Die wird dann automatisch ausgebucht. Dann ist man die schönen Dividendenstücke wieder los, wenn auch mit Gewinn. Macht aber doch immer traurig. <img src=" />

Wenn aber zuerst die Aktie nicht unter 50 fällt, sondern eher (wie die Zahlen/Bewertung erwarten lassen) stabil bis aufwärts tendiert, dann behält man die 70 USD einfach auf dem Konto und gut. Dann kann man den nächsten PUT verkaufen, so lange, bis sie in einen unattraktiven Bereich der Bewertung kommt, sie also anfällig für Absturz wird. Wenn man zur Sicherheit einen zu großen Abstand des Strikes vom Kurs nimmt (zu weit "aus dem Geld"), dann bekommt man eben auch kaum noch Prämie.

Na ja, so ungefähr halt. Ist eine schöne Spielerei, und man hat immer was zu tun.

MS

Die Weisheit mit Löffeln gelesen?

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 23.12.2016, 00:15 vor 3368 Tagen @ Leserzuschrift 1447 Views

Hallo Flo!

Ich bin über das Buch "Reich mit Optionen" von Rainer Heißmann
gestolpert und habe auch versucht, es zu lesen und zu verstehen.

Ich kenne das Buch nicht, aber Dein Beitrag suggeriert, dass Du es vielleicht noch ein paar Mal lesen solltest.


In diesem Buch kommt sehr schnell die Sprache darauf, dass Zertifikate,
Mini- Futures, Optionsscheine etc. in den USA verboten sind.

Das ist falsch. Erstes Gegenbeispiel: Der E-Mini-Future.

In diesem Zusammenhang spricht der Autor auch vom "Stupid german money".
Allerdings in diesem Fall nicht von deutschen Investoren, die ihre Gewinne
in Hollywood- Filmen investieren anstatt in Vater Staat, sondern vom
Abgrasen des europäischen Marktes mittels amerikanischer und auch
europäischer Bankprodukten, die im höchstem Maße manipulierbar sind.
Optionen sind das nämlich nicht! (Nicht zu verwechseln mit
Optionsscheinen)

Während also der Amerikaner, von seiner Regierung geschützt, konservativ
investiert und damit auch die Wirtschaft stützt, wird der dumme Deutsche

So ein Unsinn. Die USA sind das Heimatland der Terminbörsen. Und US-Bürger zocken dort auch.

mit seinen Ersparnissen an den Casinotisch gezerrt.

Mit vorgehaltener Waffe gezwungen? Ist mir noch nicht untergekommen.

Wie viele Bankangestellte, nennen wir sie "Kundenberater" wissen das?
Würde sich nicht ständig ein geopolitisches Gewitter über Deutschland
entladen, und uns geschichtlich Belesenen nur mehr kopfschüttelnd zu Boden
blicken lassen, so könnte man sich wahrlich empören über diesen
Umstand.

Ja, empören ist immer gut. Oder betroffen sein und so.
Und selber immer schlauer sein als die anderen. Natürlich!
Wir (Schlauen) und "die" (Dummen).

So aber ist es nur ein weiteres Mosaiksteinchen.

Die Moral von der Geschicht, verliere keinen Weltkrieg nicht.

Wo ist hier der Bezug zu Optionsscheinen und Optionen?

Und doch möchte ich mit einer Frage schließen: Sind wir uns einig mit
meiner Sichtweise?

Auf keine Fall.

Ich habe mich unter dem Stichwort "Spielzeugkapitalmarkt" mich lange genug hier im Forum über Bankprodukte lustig gemacht.
Es gibt aber im Vergleich zu börsennotierten Optionen trotzdem eine Reihe von Vorteilen.

Letzten Endes ist es aber vollkommen egal, ob Du mit Optionen oder Optionsscheinen Dein Geld verlierst.

Gruß
paranoia

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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

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