OT: Zu Daniel Libeskind

Olivia @, Sonntag, 11.12.2016, 16:57 vor 3378 Tagen 5243 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 17:01

Daniel Libeskind ist nicht nur einer der bekanntesten Architekten unseres Zeitalters, seine Bauten sprengen auch alle bisherigen Vorstellungen von dem, was in der Architektur machbar und möglich ist. Sie sind erstaunend, verwirrend und unglaublich anregend. Sie schaffen Platz im Gehirn und fordern auf, neue Wege zu beschreiten, neue Grenzen auszuloten.

Zur Zeit beschäftigt er sich mit dem zentralen Thema des preiswerten Bauens in urbanenen Umgebungen. Pläne, Projekte etc. liegen noch nicht vor, aber da seine Bauvorhaben oftmals 10 - 15 Jahre (mit Vorlaufszeit) umfassen, wird man noch warten müssen. Ich bin neugierig, gespannt, voller Vorfreude und kann es kaum erwarten, mehr darüber zu lesen. Bis dahin aber ein Interview mit dem Architekten und Musiker.

http://www.52-insights.com/daniel-libeskind-building-the-unbuildable-interview-architec...

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Selbstdarsteller, der Altes optisch zerstört - Meine Meinung.

XERXES @, Sonntag, 11.12.2016, 17:37 vor 3378 Tagen @ Olivia 3820 Views

z.B. Kollegienhaus in Berlin oder Militärhistorische Museum in Dresden.

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“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Wie wäre es mit noch ein paar Pyramiden mehr...?

EM-Financial @, Deutschland, Sonntag, 11.12.2016, 18:00 vor 3378 Tagen @ XERXES 3681 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 19:19

z.B. Kollegienhaus in Berlin oder Militärhistorische Museum in Dresden.

Dito Xerxes.

Wie ein Hund, der überall seine Duftmarken setzt, müssen diese "Möchtegern-Architekten" ebenfalls an jeder Ecke ihren Haufen hinterlassen.

Gruß

Eigenes Wahrnehmungsbeispiel

Olivia @, Sonntag, 11.12.2016, 18:01 vor 3378 Tagen @ XERXES 3695 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 19:18

z.B. Kollegienhaus in Berlin oder Militärhistorische Museum in Dresden.

............

Ich hatte immer Hunde. Vor etlichen Jahren ein Zwergdackelpäärchen. Danach kam eine Cockerin (rot) und eine halbhohe Mixta (schwarz). Die beiden sahen sehr unterschiedlich aus. Zu Beginn, wenn ich sie an der Leine hatte, war ich immer vollkommen irritiert, weil die beiden in meinen Augen "nicht zusammen passten". Es dauerte relativ lange, bis diese Irritierungen verschwunden waren. Später hätte ich diese Gefühle dann nicht mehr.

Ich halte ihn nicht für einen Schwafler und Aufschneider. In seinen Projekten steckt sehr viel intensive Arbeit. Das geht gar nicht anders. Er SIEHT die Welt anders. Es gibt sehr viele "me too Menschen", die sich an alles mögliche "dranhängen", um auch wichtig zu sein. Er gehört ganz sicher nicht dazu.

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EM der ist wirklich kein "Möchtegern-Architekt", obwohl man seine Arbeiten ablehnen kann.

Olivia @, Sonntag, 11.12.2016, 18:14 vor 3378 Tagen @ EM-Financial 3965 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 18:25

"Möchtegern-Architekten"

....................

Du kannst ja sagen, dass Du seine Arbeiten widerlich findest und dass sie Dir nicht gefallen, aber ein Möchtegern-Architekt ist er wirklich nicht.

Mir gefallen seine Arbeiten sehr gut. Sie inspirieren mich und machen mir Freude, erhöhen meine Energie.

Mich deprimieren die immer gleichen Reihenhäuschen oder die Wohnkasernen oder (noch schlimmer) die Zuckerbäcker-Urbanisationen bei den südlichen Nachbarn. Es geht um urbanes Bauen. Und darum, dass die Menschen "neugierig" sein dürfen. Schau Dir nur einmal die "Pyramide" an, die er in Israel gebaut hat.

Ich würde sofort dort einziehen wollen. Als ich das erste Mal dieses Foto gesehen habe, suchte ich sofort, wo er welche Balkons etc. untergebracht hat. Wohlgemerkt, ich würde nicht das Gleiche bauen wollen, aber ich finde VIELE seiner Arbeiten unglaublich gut.

Und hier die Pyramide.... Viel Spaß:

http://images.adsttc.com/media/images/55b9/135b/e58e/ce6b/8c00/0138/large_jpg/Pyramid_S...

Oder diese Gebäude hier, die mich begeistern, weil sie mich an Kristalle erinnern. Es sind Formen, die die Menschheit seit Urzeiten kennt. Mich erinnern sie an Gebirge, Höhlen, leuchtende Kristalle. Daher regen sie mich an.

http://libeskind.com/work/reflections-at-keppel-bay/

Wenn die Menschen schon zu Massen in den Städten wohnen, dann müssen sie sich irgendwann die "Unregelmäßigkeiten" der Natur in die Städte holen. Ansonsten degeneriert die Phantasie.

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Wie gesagt, meine Meinung, mein Geschmack...

XERXES @, Sonntag, 11.12.2016, 18:36 vor 3378 Tagen @ Olivia 3110 Views

"Mich deprimieren die immer gleichen (...) Wohnkasernen."

Und mich erst. Ich habe noch immer einen Muskelkater vom Kopfschütteln, als Le Corbusier diese Jahr nochmals postum ausgezeichnet wurde....Anstatt all seine inhumanen Betonbunker der Abrissbirne zu übergeben...

Ich lebe in einer kleinen aber feinen Zwei-Zimmer_Altbauwohnung (um 1920). Vor allem die Grunderzeit/der Neoklassizismus mit all der ausstrahlenden Wärme, das ist meine Architektur

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Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Le Corbusier: Seinen ersten Klotz hat er hier bei mir in Nantes hingestellt

Theo Stuss @, Sonntag, 11.12.2016, 19:28 vor 3378 Tagen @ XERXES 3619 Views

Nur um die Uferansicht der Loire zu verschönern. Ein inzwischen über hundertjähriges Baudenkmal:

[image]

Baujahr 1953-1955. Also etwas über 60 Jahre. Aber wegen des Sichtbetons nicht weniger scheußlich. (mT)

DT @, Sonntag, 11.12.2016, 20:58 vor 3378 Tagen @ Theo Stuss 3402 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 21:04

https://fr.wikipedia.org/wiki/Cit%C3%A9_radieuse_de_Rez%C3%A9

Type: Unité d'habitation
Style: Mouvement moderne
Architecte: Le Corbusier
Construction: 1953-1955
Hauteur: 52 m
Destination initiale: Logement

Style "Mouvement moderne" ist ja ein Euphemismus, ich würde es dem scheußlichsten Brutalismus zuordnen. Wieso die Architekten darauf beharren, daß nackter Sichtbeton unter "Denkmalschutz" gestellt ist und man ihn nicht anstreichen darf, damit er wieder ordentlich aussieht, und die Leute, die dort wohnen und arbeiten müssen, jahrelang depressiv macht, erschließt sich mir nicht. Wie sagten die Architekten der 70er Jahre: "Es muß wehtun, wenn man hinschaut."

Le Corbusier, La Tourette, 1956:

[image]

https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article150553124/Verdienen-Betonkloetz...

[image]

Sobald ein Betonriese vernachlässigt wird, sieht er aus, als wolle er seiner Umgebung Gewalt antun: Das Brunel University Lecture Centre in London.

"Brutalistisches Bauen hat mehr Schaden angerichtet als der Zweite Weltkrieg – findet Prince Charles."

Zitate aus dem Artikel:

Dabei hätten die Brutalisten einiges zu ihrer Verteidigung vorzutragen. Ihre Bauten wollten wahrhaftig sein. Das rohe Material zu zeigen, anstatt es zu verkleiden, war so etwas wie ein ethisches Statement und schon deswegen leicht anfechtbar. Nicht nur, weil sich über Ethik noch erbitterter als über Ästhetik streiten lässt, sondern vor allem, weil sich für die meisten Menschen Ethik in der Architektur darauf beschränken sollte, dass sie nicht über ihren Köpfen zusammenfällt.

[[euklid]]

Fucking ethisches Statement. Die Menschen, die 50 Jahre lang in dieser Umgebung leben und arbeiten müssen, sch..... dem Architekten auf sein "ethisches Statement". Was für eine bullshit-Umschreibung für "eklig" und "zum Kotzen häßlich".

Zitat:
So kommt es, dass in den letzten Jahren ein brutalistisches Gebäude nach dem anderen umgelegt worden ist. Der klotzige Greyfriars-Busbahnhof in Northhampton, „Maul der Hölle“ genannt; der 36 Etagen hohe AfE-Turm, das höchste Hochhaus Frankfurts, solange die Gesellschaftswissenschaften der Gesellschaft noch mehr bedeuteten als Bankzentralen; das wunderschöne Prentice Women’s Hospital von Chicago, das einem banalen Glaskasten Platz machen musste: es ist, als hätte man es weltweit darauf angelegt, eine ganze architektonische Epoche zu Schutt zu zerklopfen.

"Einen Diamanten putzt man nicht"

Onkel S. @, Sonntag, 11.12.2016, 21:38 vor 3378 Tagen @ DT 2912 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 21:59

Hallo DT,

ist ca. 20 Jahre her, als ein österreichischer Stararchitekt an meiner damaligen Architekturfakultät einen Vortrag hielt, und eine Anektode zu Einem von seinem Büro erbauten Museumsgebäude zum Besten gab.

Soweit ich mich erinnern kann, hatten die Architekten diverse Sternbilder für Grundriss, Schnitt und Ansichten verwendet. Das führte zur bizarren Situation, daß im Gebäude "Räume" entstanden, die komplett von Glasflächen umgeben waren, aber die man nicht betreten konnte.

Bei der Eröffnung muß eine der anwesenden Damen den Architekten gefragt haben, wie man denn diese unzugänglichen Glasflächen putzen könne. Seine Antwort war lediglich: "Einen Diamanten putzt man nicht."

Noch Fragen, DT :-)

Grüße,
S.

--
Keine Anlageempfehlung!
Keine Anlageberatung!
Keine Gewähr!
Umsetzung auf eigene Gefahr!

Das fällt mir jedes Mal beim Frankfurter Flughafenbahnhof auf. Nie geputzt. (mT)

DT @, Sonntag, 11.12.2016, 21:56 vor 3378 Tagen @ Onkel S. 3289 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 11.12.2016, 22:03

Ein riesen Glasgebäude, neben dran die A3 mit 120000 Fahrzeugen täglich, Abgase, Feinstaub, aber der Grube spart sich seit Jahren das Putzen. Da wäre mindestens 1x im Monat, wenn nicht 14-tägig, Putzen angesagt. Aber dasselbe macht er ja bei seinen verdreckten Zügen. Auch dort hat er die Putzintervalle verlängert.

Der fährt mit seinem Porsche und seiner Cornelia Poletto durch Berlin und schxxxxt auf den SBahn-Pendler.

Hier sieht man die verdreckten Glasscheiben. Eine Schande für die ganzen Ausländer und für den ersten Eindruck, den Grube ihnen von Deutschland gibt:

[image]

Total verdreckter ICE, das Gesicht der Bahn unter GRUBE und POFALLA:

[image]

http://www.privatbahn-magazin.de/blog/allgemein/evg-gegen-verlangerung-von-ice-reinigun...

Derzeit werden die Waggons der ICE-Züge alle sechs bis acht Wochen einer sogenannten Grundreinigung unterzogen. Dieses Intervall soll auf zehn Wochen ausgedehnt werden. „Hintergrund ist wieder einmal die Suche nach Einsparpotenzialen. Dabei wird sehenden Auges ein Imageschaden in Kauf genommen.

[image]

Ob Grube, Pofalla, Dobrindt, Erika und Schäuble zuhause ihr Klo auch nur alle 10 Wochen putzen?

Ich muss gestehen, dass mich die Le Corbusier Bauten auch oft erschrecken.

Olivia @, Montag, 12.12.2016, 07:01 vor 3377 Tagen @ XERXES 2548 Views

Das ist zum einen der unverputzte Zement, der nach Jahren des Nichtpflegens einen dreckigen, heruntergekommenen Eindruck macht. Auch stören mich die von ihm propagierten Raumhöhen, die ich als sehr inhuman empfinde. Mir tun die Menschen auch leid, die in solchen Gebäuden leben müssen.

Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass die Menschen nicht in Massenkasernen untergebracht sind, die alle gleich aussehen. Da schafft bereits die Architektur den Nährboden für Gewalt und Verelendung. Daher bin ich sehr gespannt auf die Projekte von Libeskind, die sich dem preiswerten Wohnungsbau in urbanen Umgebungen widmen. Wohnungen in seinem lichtdurchfluteten Sapphire Buildung, Berlin, können sich wohl nur die Allerwenigsten leisten. Ich denke, was uns an "alter" Architektur gefällt, liegt auch darin begründet, dass JEDES Gebäude etwas anders ist. Die Wahrnehmung, der Kopf, der Verstand, die Gefühle, sind immer beschäftigt.
Wenn alles gleich ist, dann ist nur dumpfe Gleichgültigkeit da. Es gibt nichts zu entdecken. DAS ist inhuman.

Die Frage, die sich aber immer wieder stellt: Inwieweit unterstützt Architektur die Kommunikation und das Miteinander der Menschen, die in den Gebäuden wohnen. Eine Freundin von mir, die vor vielen Jahren in einem neu gebauten, teuren Wohnkomplex in Innenstadtlage lebte, sagte mir: Wenn man nicht gute Kontakte "außerhalb" hat, dann ist man fürchterlich einsam in solchen Massenkomplexen.

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For entertainment purposes only.

Welt - N24: "Was von Le Corbusier bleibt, ist epochales Scheitern"

SevenSamurai @, Montag, 12.12.2016, 13:29 vor 3377 Tagen @ Theo Stuss 2420 Views

Nur um die Uferansicht der Loire zu verschönern. Ein inzwischen über
hundertjähriges Baudenkmal:


Was von Le Corbusier bleibt, ist epochales Scheitern

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article145676031/Was-von-Le-Corbusier-bleibt-ist...

Falls es jemanden interessiert...

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Zitat des Jahres: "We have put together I think the most extensive and inclusive voter fraud organization in the history of American politics."

It's a big club, and you ain't in it.

Preiswert mit Architekten??

mh-ing @, Montag, 12.12.2016, 15:22 vor 3377 Tagen @ Olivia 2375 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 12.12.2016, 16:06

Grundsätzlich ist diese Kombination schon ein Widerspruch, da die meisten Architekten mehr an dem Kunstwerk interessiert sind, als an einem Bauwerk. Entsprechend wenig nachhaltig, wartungsfreundlich, ökonomisch und kostengünstig sind daher deren Gebäude.
Die Preise der Prestigegebäude in Berlin liegen so um die 20.000 €/qm und deutlich darüber. Zum Vergleich liegen normale Gebäude bei ca. 1500 bis 2000 €/qm.

Prestige-Preise sind zum großen Teil "Modepreise" bzw. "Nachfragepreise"

Olivia @, Montag, 12.12.2016, 15:54 vor 3377 Tagen @ mh-ing 2278 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 12.12.2016, 16:04

Grundsätzlich ist diese Kombination schon ein Widerspruch, da die meisten
Architekten mehr an dem Kunstwerk interessiert sind, als an einem Bauwerk.
Entsprechend wenig nachhaltig, wartungsfreundlich, ökonomisch und
kostengünstig sind daher deren Gebäude.
Die Preise der Prestigegebäude in Berlin liegen so um die 20.000€/qm
und deutlich darüber. Zum Vergleich liegen normale Gebäude bei ca. 1500
bis 2000€/qm

.......................

Das kannst Du so pauschal auch nicht sagen. Für einen Architekten kann es auch "Prestige" bedeuten, wenn er es schafft, wirklich gute, bewohnbare Gebäude mit guten, aber preiswerten Materialien, vernünftigen Grundrissen und einer ansprechenden Architektur zu bauen.

"Spektakuläre" Bauten können oft eine ganze Reihe von bautechnischen Innovationen bringen, die zwar zu Beginn teuer sind, die aber preiswert werden können, wenn sie für den Massenmarkt zur Verfügung stehen.

Und natürlich hängen die Preise ab von der GEGEND in der gebaut wird (Grundstückskosten, Arbeitskosten etc., z.T. sogar Materialkosten) und davon, welche Materialien benutzt werden und welche und wie viel Technik verbaut wird.

Wenn Du bereits im Eigenheimbau von Fensterpreisen zwischen 400,00 Euro und 1.200 Euro pro qm (ohne Sicherheitstechnik - wie Bänder und Einbruchhemmung) ausgehen kannst, dann ist das ja auch schon eine Aussage. Dann ist die MENGE der Fensterfläche in Betracht zu ziehen. Je nach der Glasart - es gibt derweil intelligente Gläser, die sich je nach Witterung automatisch verfärben und je nachdem wieviele Gläser pro Fenster verbaut wurden 2-fach, 3-fach oder 5-fach-Verglasung, mit einfacher Diebstahlsicherung (Bänder und einfacher Glasbruch) oder wirklich professioneller Diebstahlsicherung kannst Du ganz ordentlich in die Tasche greifen und Zusatzkosten produzieren.

Das Ganze geht dann weiter bei der Materialauswahl für die Wände, für den Boden, für die Art und den Umfang der Dämmung, den Schallschutz etc. Dann spielen die Raumhöhen eine wesentliche Rolle (Du wirst keine "Prestige-Wohnungen" unter 2,70 m lichte Raumhöhe finden - eher höher), denn je höher die Wohnräume werden, um so weniger Etagen kannst Du bauen. Dazu kommen dann die Ausmaße der Gemeinschaftsflächen (Flurbreiten, Treppenbreiten, Aufzüge, sonstige Verkehrsflächen) und die dort verwendeten Materialien, ihre Qualität und ihre Ausführung. Klimaanlagen, Heizungen, automatische Belüftungen, Art der Garagen etc. kommen noch dazu. Und dann natürlich noch die Grünanlagen etc. Ich habe sicherlich Etliches vergessen.

Das ist ganz simpel so, wie bei Autos. Die Wohnungen von Libeskind in Berlin sollen übrigens zu ca. 15.000 € pro qm angeboten werden. Das Penthouse ist noch frei.... :-)))

Die Wohnungspreise in City-Lagen sind in anderen, internationalen Großstädten erheblich höher, selbst in Europa....

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Und noch ein Beispiel für nicht nachhaltige Extravaganz vom Lieben Kind:

Griba @, Dunkeldeutschland, Montag, 12.12.2016, 16:05 vor 3377 Tagen @ XERXES 2395 Views

z.B. Kollegienhaus in Berlin oder Militärhistorische Museum in Dresden.

Hauptgebäude der Leuphania-Universität Lüneburg

Vorsicht, Link führt zu Speichel-OnLine!

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Beste Grüße

GRIBA

Plattenbau im Westen

EM-Financial @, Deutschland, Montag, 12.12.2016, 16:19 vor 3377 Tagen @ Olivia 2400 Views

Hallo,

es gab auch im Westen nach dem 2. Weltkrieg schreckliche architektonische Entwicklungen. Der Einheitsmensch musste ja geformt werden und heute leiden wir unter diesen Utopien.

Spiegel: Plattenbau West

In vielen historischen Städten wie Wien oder Budapest erhielt man die Gründerzeitbauten und teils kann man sich heute noch ihrer wunderschönen Fassaden erfreuen. Deckenhöhen von 3-4,50m erlauben großartiges Wohngefühl und zusätzlichen Stau- oder Wohnraum.

In den Plattenbauten mit 2,60m Deckenhöhe fällt bei mir die Stimmung sofort in den Keller. Da akzeptiere ich lieber noch eine kleine Mansardenwohnung mit einigen Dachschrägen und >4m Höhe im Wohnzimmer.

Gruß

nicht überzeugt

mh-ing @, Montag, 12.12.2016, 18:41 vor 3377 Tagen @ Olivia 2335 Views

Das kannst Du so pauschal auch nicht sagen. Für einen Architekten kann es
auch "Prestige" bedeuten, wenn er es schafft, wirklich gute, bewohnbare
Gebäude mit guten, aber preiswerten Materialien, vernünftigen Grundrissen
und einer ansprechenden Architektur zu bauen.

Klingt als Argument gut, tatsächlich ist die faktische Seite anders. Die vielen Bausünden der Vergangenheit sind von Architekten geplant. Wenn man sieht, dass das völlig verplante Kanzleramt nun teuer zu sanieren ist (15 Jahre alt). Die Baukosten lagen damals schon astronomisch hoch.

"Spektakuläre" Bauten können oft eine ganze Reihe von bautechnischen
Innovationen bringen, die zwar zu Beginn teuer sind, die aber preiswert
werden können, wenn sie für den Massenmarkt zur Verfügung stehen.

Meine Erfahrung ist, dass da viel mit Gag und Optik gearbeitet wird, mehr Selbstdarstellung und Ignoranz, als wirkliches Können. Beim Parlamentsplenarsaal in Bonn machte man durchgehende STahlträger bis ins Freie nach außen am Dach, um dann wegen Kondensat diese zu beheizen....

Wenn Du bereits im Eigenheimbau von Fensterpreisen zwischen 400,00 Euro
und 1.200 Euro pro qm (ohne Sicherheitstechnik - wie Bänder und
Einbruchhemmung) ausgehen kannst, dann ist das ja auch schon eine Aussage.
Dann ist die MENGE der Fensterfläche in Betracht zu ziehen. Je nach der
Glasart - es gibt derweil intelligente Gläser, die sich je nach Witterung
automatisch verfärben und je nachdem wieviele Gläser pro Fenster verbaut
wurden 2-fach, 3-fach oder 5-fach-Verglasung, mit einfacher
Diebstahlsicherung (Bänder und einfacher Glasbruch) oder wirklich
professioneller Diebstahlsicherung kannst Du ganz ordentlich in die Tasche
greifen und Zusatzkosten produzieren.

Diese ganzen Vielfachverglasungen bringen nur auf der Norseite oder bei verschatteter Lage etwas. Selbst ein Einscheibenglasfenster auf der Südseite hat eine positive Wärmebilanz!

Das Ganze geht dann weiter bei der Materialauswahl für die Wände, für
den Boden, für die Art und den Umfang der Dämmung, den Schallschutz etc.
Dann spielen die Raumhöhen eine wesentliche Rolle (Du wirst keine
"Prestige-Wohnungen" unter 2,70 m lichte Raumhöhe finden - eher höher),
denn je höher die Wohnräume werden, um so weniger Etagen kannst Du bauen.
Dazu kommen dann die Ausmaße der Gemeinschaftsflächen (Flurbreiten,
Treppenbreiten, Aufzüge, sonstige Verkehrsflächen) und die dort
verwendeten Materialien, ihre Qualität und ihre Ausführung. Klimaanlagen,
Heizungen, automatische Belüftungen, Art der Garagen etc. kommen noch
dazu. Und dann natürlich noch die Grünanlagen etc. Ich habe sicherlich
Etliches vergessen.

Das ist ganz simpel so, wie bei Autos. Die Wohnungen von Libeskind in
Berlin sollen übrigens zu ca. 15.000 € pro qm angeboten werden. Das
Penthouse ist noch frei.... :-)))

Die Wohnungspreise in City-Lagen sind in anderen, internationalen
Großstädten erheblich höher, selbst in Europa....

Ich bin seit >25 Jahren nun in dem Bereich tätig und bin daher mehr als nur skeptisch. Es gibt tolle Architektur. Jedoch sind das Kunstwerke, die noch die Funktion eines Gebäudes dazu haben (zumindest oft so). Am Kanzleramt sieht man, wie dumm man plant, dass in so einem 20.000m² Haus noch nicht mal eine richtige 3-Zimmerwohnung passt. Ein Kanzler mit Familie hat dort gar keinen Platz!

Ohne Fachplaner wäre das gar nichts

mh-ing @, Montag, 12.12.2016, 18:52 vor 3377 Tagen @ Olivia 2306 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 12.12.2016, 18:56

Architekten wie Libeskind sind sicherlich besonders und deren Leistung ist daher zu würdigen. Jedoch - das ist eine Krankheit dieser Stars und noch mehr jener, die keine Architekturstars wurden - sie vergessen, dass ohne gute Fachplaner das alles nichts wird. Diese Fassadenarchitektur von Libeskind ist völlig gegen die Tragwerksplanung gebaut. Man rechnet es hin und bringt es zum Halten, was eigentlich nicht so gebaut werden sollte.
Auch diese Fensterkonstruktionen sind von der Entwässerung usw. her völlig absurd und der Bauschaden somit impliziert. Von den Unterhaltskosten usw. ganz zu schweigen.

Jedoch wird das leider oft verborgene Wirken der vielen Fachplaner und Ausführenden hier einfach ignoriert und so getan, als ob es dieser eine Architekt sei, der das alles bewirkte.
Oft ist es sogar so, dass dieser "eine" so ignorant ist, dass er trotz gutem Rat falsch bauen lässt, zuletzt dann anderen die Schuld gibt und sich als nicht damit befasst darstellt. Die langen Listen von Bauschäden und -Mängeln an Prestige-Objekten sind unübersehbares Zeichen für dieses Problem.

Daher sollte man das Werk hier nicht zu hoch ansetzen und eine Kunst, die völlig gegen den Strich gebürstet ist, nicht zur Kultur machen.

Zustimmung

Dieter, Montag, 12.12.2016, 21:56 vor 3377 Tagen @ mh-ing 2225 Views

bearbeitet von Dieter, Donnerstag, 15.12.2016, 19:11

Hallo,

teile Deine Meinung aus bislang Wahrgenommenem vollkommen. War zwar als Planer für den Außenbereich zuständig und nicht als Hochbauarchitekt, aber man sieht ja so manches, bzw. muß auch das eine oder andere aus Verantwortung und Haftungsgründen zuvor an den Bauwerken sanieren/nachbessern lassen.

Es ist bedeutend aufwendiger, gute Architektur mit Zweckmäßigkeit/Funktionalität und preiswertem Bauen zu kombinieren. Und dann werden derartige Bemühungen im Allgemeinen nicht mal honoriert.

Gruß Dieter

Wohnen oder Ansehen

aliter @, Montag, 12.12.2016, 22:01 vor 3377 Tagen @ mh-ing 2172 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.12.2016, 15:20

ich bin auch ein grosser Anhänger von vernünftigen konstruktiven Lösungen, die m.E., wenn man die Physik richtig verstanden hat, nicht einmal besonders schwierig oder kompliziert sind.
Wenn man auf die alten regional gewachsenen Bauweisen sich bezieht, sieht man, dass auch die Ästhetik dabei nicht zu kurz kommt.

Ich möchte auf eine Diskrepanz hinweisen, die m.E. wenig beachtet wird, nämlich den Unterschied, ein Gebäude von aussen anzuschauen oder darin wohnen zu müssen/dürfen. In vielen Fällen ist nur das eine oder andere befriedigend. Zum Beispiel habe ich einige Jahre in einem der beiden Hochhäuser in Waldkirch gewohnt. Von aussen passen die in den Schwarzwald wie die Faust aufs Auge. Zwei Schuhkartons hochkant mitten im Tal der Elz. Darin zu wohnen war genial: eine Balkonfront 8 m mit Blick in die Schwarzwaldberge, Fahrstuhl, minimale Heizkosten unten ein Supermarkt, Parkplatz Bahnhof fussläufig etc.
Ich meine, die Schwierigkeit ist, die Mitte zu finden, dass beides zusammenpasst.

Da bin ich völlig Deiner Ansicht! Als ich erstmals "Fallingwater" sah, dachte ich nur: ohhh.... Feuchtigkeit, Zug, etc.

Olivia @, Montag, 12.12.2016, 22:51 vor 3377 Tagen @ mh-ing 2324 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 15.12.2016, 19:08

Fallingwater, wohl eines der berühmtesten Bauwerke von Frank Lloyd Wright, war in vielen Dingen eine Fehlkonstruktion. Es war praktisch nicht bewohnbar und wurde vom Eigentümer nur "zu gewissen Zeiten" zu Festen und Einladungen genutzt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Fallingwater

Das habe ich aber erst später gelesen. Als ich den Bau das erste Mal sah, dachte ich: Mein Gott, das muss ja Feuchtigkeit ohne Ende geben (wenn man mal in der Nähe des Meeres gewohnt hat, weiß man das). Es war wohl nicht nur feucht, sondern hatte noch eine ganze Reihe anderer Mängel. Der Bauherr "zwang" den Architekten wohl dazu, die Tragfähigkeit der Betonkonstruktion zu verdoppeln (hätte er das nicht getan, wäre das Gebäude - nach späteren Schätzungen - wohl gar nicht stehen geblieben). Mit den großen Fenstern und den damals noch fehlenden Technologien wird es gezogen haben wie in einem Rattennest...... "Romantisch" und äußerst UNWIRTLICH!

Trotzdem: Solche Gebäude geben Denkanstöße. Irgend jemand fängt einfach an, neu und/oder anders zu denken. Andere kritisieren, greifen aber den Gedanken oder Details der Gedanken auf, verbessern sie und irgendwann ist es machbar, wird zum Standard, mit dem man "arbeiten" kann.

Ich finde Architektur sehr spannend und interessant. Ganz besonders die Auswirkungen, die Form, Farbe und Licht auf die Psyche von Menschen haben.

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