’Il Gattopardo‘ – von Luchino Visconti, …

Ostfriese @, Sonntag, 11.12.2016, 06:58 vor 3378 Tagen 2056 Views

… der in diesen Tagen vor 110 Jahren geboren wurde, wird heute – Sonntag, 11. Dezember um 20.15 Uhr – auf arte gezeigt nach dem Roman, dessen Titel richtig übersetzt „Der Serval“ lauten müsste, des Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Das Thema des Romans – der Niedergang des sizilianischen Adels mit seiner verschwenderischen Lebenshaltung – ist die vergebliche Suche nach Beständigkeit und das Scheitern, das Bisherige in die neue Zeit – des Aufstiegs des Bürgertums – hinüberzuretten. Joachim Fest spricht in der Verfilmung seines Buches ’Im Gegenlicht – Eine italienische Reise‘ von einem ständigen ’Auf und Ab‘ in der Geschichte Siziliens:

„ … Die Verschmelzung ist das Genie Italiens: Zuerst kamen die Dorer und die Phönizier, dann griechische Tyrannen, Rom, die Normannen, 2000 Jahre lang – ein ständiges Auf und Ab der Geschichte. Auch von Italien fühlt es sich erobert …“

– durch Giuseppe Garibaldi im 19. Jht.. Nun diese Zeit des Bürgertums geht jetzt auch zu Ende, wie der ehemalige Eigentümer Pancrazio Lo Turco des heutigen ’Belmond Grand Hotel Timeo‘ zu berichten weiß. Der Versuch, das Hotel gegen die modernen Zeiten zu führen, um der Tradition zu folgen, ist gescheitert. Zu den Gästen – neben der jeunesse dorée, exzentrischen Müßiggängern und Dandys der Belle Époque – gehörten auch Persönlichkeiten wie André Gide, Guy de Maupassant, Johannes Brahms, Anatole France, D. H. Lawrence, Fürst Jussupow, Wilhelm Furtwängler (vllt. auch seine Großnichte Maria), Greta Garbo und Wilhelm II.

„Der Kaiser schickte unserer Familie jedes Jahr beim Abschied einen Schmuck – wie diese Brosche hier. Er wollte sogar das Hotel kaufen und zu seiner Sommerresidenz machen, aber unsere Familie konnte sich nicht dazu entschließen. Sie hing zu sehr an dem Haus und Wilhelm II ging nach Korfu. Nun haben wir es doch verkauft, aber nicht an den Kaiser. Im Zeitalter des Massentourismus – meint Lo Turco –, wo jeder nur das Gleiche sucht und das Besondere hasst, habe ein Hotel wie das Timeo keine Chance. Also, wenn alle Welt gleich wird, das ist wirklich das Ende– wie langweilig. Denn Sizilien war immer eine Welt der Ungleichheit, auf sozialem Feld mag das unerfreulich sein, aber denken Sie an die griechischen und arabischen Einflüsse auf der Insel, in Palermo und anderswo, an die Spuren von Normannen, Staufer, Franzosen und Spanier, das ist Ungleichheit. Sizilien besteht nur aus Widersprüchen – es ist gastfreundlich und misstrauisch, kultiviert und barbarisch – darin liegt seine Schönheit. Wenn wir das nicht hätten, wie elend wäre alles. Ich liebe Sizilien sehr – aber wegen seiner Kontraste.“

Ostfriese

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