Achtung Börse & Wirtschaft. Die Aixtron-Übernahme, ein Trauerspiel in mehreren Akten.

siggi, Dienstag, 06.12.2016, 03:56 (vor 3383 Tagen)2300 Views

Hallo!

Der Hintergrund:

Die deutsche Firma Aixtron SE, gegründet 1983, ist Marktführer im MOVPE-Anlagenmarkt für Verbindungshalbleiter.

Einfacher gesagt, Aixtron baut Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED).

Diese LED kommen immer stärker in der Unterhaltungselektronik, der Automobilindustrie oder in der industriellen Beleuchtung zum Einsatz.

Das Geschäft hängt stark vom chinesischen Markt ab, die Nachfrage dort ist in den vergangen Jahren stark zurückgegangen mit der Folge, dass Aixtron seit mehreren Jahren in der Verlustzone operiert.

Der geplante Verkauf:

Als Folge der geschäftlichen Schwierigkeiten, entschloss sich der Vorstand im März diesen Jahres einen Käufer zu suchen mit der Hilfe der Investmentbank JPMorgan.

Im Mai 2016 stimmte Aixtron einem Übernahmeangebot des chinesischen Fujian Grand Chip Investment Fund (FGC) in Höhe von 676 Millionen Euro zu.

Am 8. September 2016 erteilte das Bundeswirtschaftsministerium die Unbedenklichkeitsbescheinigung gemäß Außenwirtschaftsgesetz/Außenwirtschaftsverordnung.

Alles schien in trockenen Tüchern.

Die Intervention der USA:

Dann, Anfang Oktober 2016 zieht der Wirtschaftsminister Gabriel die Unbedenklichkeitsbescheinigung urplötzlich zurück. Es seine weitere Prüfungen nötig.
Der Grund dafür soll ein wenige Tage vorher stattgefundenes Treffen in der USA-Botschaft in Berlin gewesen sein. Dorthin hatte der amerikanische Botschafter, Vertreter des Bundeskanzleramtes, des Wirtschaftsministeriums, des des Innenministeriums und des Verteidigungsministeriums „eingeladen“

Die Amerikaner hätten (laut Geheimdienstkreisen) Beweise vorgelegt, dass China die Chips von Aixtron in seinem Nuklearprogramm einsetzt.
Die Beweise währen geheim und könnten deswegen nicht gezeigt und schon gar nicht übergeben werden. [[trost]]

Am 26.10.2016 stoppt die Bundesregierung offiziell die Aixtronübernahme durch ein chinesisches Unternehmen, offenbar auf Anweisung der USA.

Obama kommt ins Spiel:

Im November 2016 gibt das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS), Komitee für Auslandsinvestitionen, den Fall wegen US-nationaler Sicherheitsbedenken zur Entscheidung an den US-Präsidenten Barack Obama weiter und empfiehlt ihm ein Veto einzulegen.

Aixtron hat einen eigenen Standort im kalifornischen Sunnyvale. Würde Aixtron den Verkauf trotz eines Vetos des amerikanischen Präsidenten durchziehen, könnte die USA damit drohen das Amerikageschäft von Aixtron zu schließen. Dadurch würde die Übernahme höchstwahrscheinlich platzen.

Das die CFIUS gelegentlich im Verdacht steht, Übernahmen zu verhindern, um die heimische Industrie zu stärken, ist ein offenes Geheimnis.

Am 03.12.2016 verbietet Obama die Aixtron-Übernahme an ein chinesisches Unternehmen, wegen Risiken für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Es ist erst das dritte Mal seit 1990, dass ein amerikanischer Präsident eine Firmenübernahme durch einen ausländischen Investor wegen Sicherheitsbedenken verhindert.

Wie geht es weiter:

Inwieweit sich die Bundesregierung über ein Veto der Vereinigten Staaten hinwegsetzen kann, ist offen. Ein Ministeriumssprecher betonte, sein Haus entscheide unabhängig.

[[euklid]]

Übrigens, der stärkste Konkurrent für Aixtron auf dem Weltmarkt ist die amerikanische Firma Veeco Instruments Inc. [[top]]

LG

siggi


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